Domino-Effekt in der Fußgängerzone?

OB Martin Wolff will gegen Laden-Leerstände vorgehen / Heute Rede vor Geschäftsleuten
Helfer-Börse kostet wenig und bringt viel
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Das Problem der leerstehenden Läden in der Innenstadt will der neue Oberbürgermeister Martin Wolff mit Nachdruck angehen. „Ich will mit dem Einzelhandel ins Gespräch kommen und möglichst viele mitnehmen“, erklärte Wolff, der am heutigen Aschermittwoch beim Heringessen der Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU) auch dieses Thema ansprechen will. Es handele sich keineswegs um ein „hausgemachtes Brettener Problem“, betont Wolff gegenüber den BNN.

Als Initiator und Moderator wolle die Stadt an der Lösung mitwirken, sagte der Oberbürgermeister, der den Plan verfolgt, eine Einzelhandels-Konzeption für Bretten erarbeiten zu lassen. „Leerstände in der Fußgängerzone wirken auf Besucher abschreckend. Man muss befürchten, dass im Dominoeffekt noch weitere Läden schließen.“ Einen „gewissen Beitrag“ zur Problemlösung müsse auch der Einzelhandel selbst erbringen – „eventuell auch finanziell“, betonte der Oberbürgermeister. Aber auch auf der Angebotsseite erwartet er Beweglichkeit von den Brettener Geschäftsleuten: „Kundenverlässlichkeit ist unerlässlich.“

Greifbar werden die Geschäfts-Probleme in der Innenstadt beim Kaufhaus Schneider, das seit Beginn des neuen Jahres endgültig geschlossen ist. Er führe intensive Verhandlungen darüber, wie es weitergeht, berichtete Martin Wolff, der damit rechnet, schon in wenigen Tagen greifbare Ergebnisse vorweisen zu können. Wobei eine Lösung des Schneider-Problems stets in Zusammenhang mit dem Sporgassen-Umfeld zu sehen ist. „Für die Entwicklung der Sporgasse stelle ich mir – nach Abstimmung mit dem Gemeinderat – einen Realisierungswettbewerb vor“, erklärte Wolff. Ein neuerlicher Ideenwettbewerb sei hingegen nicht erforderlich. Klar ist für den neuen OB jedoch, dass es den Sporgassen-Tunnel nicht geben wird. „Mit den für diesen Tunnel benötigten Geldern könnte man an anderen Brennpunkten der Stadt erheblich mehr an Verkehrsoptimierung erreichen.“

Zur klammen Finanzlage der Stadt bemerkte der Oberbürgermeister, im aktuellen Haushalt werde es in der Folge der Wirtschaftskrise ohnehin eine Lücke von vier bis fünf Millionen Euro geben. Zum Ausgleich seien nur Darlehensaufnahme und Entnahme von Rücklagen denkbar. Zu erwarten sei ein Nachtragshaushalt „mit eventuell so unpopulären Entscheidungen wie Ausgabenkürzungen, Streichung oder Verschiebung von Maßnahmen sowie Einnahmeverbesserungen, wie sie durch höhere Steuern und Gebühren erzielt werden könnten.“

Fast ganz ohne finanziellen Aufwand lässt sich ein Projekt realisieren, das OB Wolff ebenfalls am heutigen Aschermittwoch präsentieren möchte: Eine „Helfer-Börse“, die ehrenamtliches Engagement koordinieren soll. „Schon im Wahlkampf habe ich immer wieder mit Bürgern gesprochen, die sich gerne einbringen möchten, auch Ältere, die geistig und körperlich noch fit sind. Auf der anderen Seite gibt es viele Vereine und Institutionen in der Stadt, die Interesse daran haben, Mitstreiter zu finden.“

Wolff möchte eine Datenbank anlegen lassen, die es ermöglicht, Angebot und Nachfrage zueinander zu bringen. Im Bürgerservice, den Rathäusern, im Internet und in der Zeitung könnte man sich darüber informieren.

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5 Antworten zu Domino-Effekt in der Fußgängerzone?

  1. spezi sagt:

    Ein wenig mehr Selbstbewusstsein hätte ich den Einzelhändlern schon zugetraut. Wenn jeder für sich eine optimale Kundenbetreuung und Sortimentsgestalltung betreiben würde, kämen Kunden in Scharen.
    Das muss man den Kunden allerdings auch sagen – kurz, Werbung betreiben.

    Wenn man sich aber nur darauf verlässt, dass nur ein „Magnet“ genügend Kunden „anzieht“ und dann nur die zufällige Menge Käufer in die Geschäfte „spült“, dann landet man genau da wo man ist.

  2. fc sagt:

    „…Einnahmeverbesserungen, wie sie durch höhere Steuern und Gebühren erzielt werden könnten.“
    Moment mal!
    Die „Erfolgsbilanzen“ und die „rentierliche Schulden“ von Herrn Metzger sprechen ja Bände. Die Stadt ist so reich an Ressourcen, dass man zuerst die verbrauchen muss, bevor man sich an die Steuerzahler wendet.
    Jeder andere muss sich auch nackt ausziehen, bevor er von den Steuerzahlern etwas verlangen kann.

  3. -an-i- sagt:

    “ Einen „gewissen Beitrag“ zur Problemlösung müsse auch der Einzelhandel selbst erbringen…“
    Ja wer denn sonst? Etwa die Steuerzahler? So lange in Deutschland nicht verstanden wird, dass der Kunde der einzige ist, der alle Rechnungen des Einzelhandels, oder der Wirtschaft überhaupt, bezahlt, so lange wollen sich wohl die Unternehmer an die Allgemeinheit wenden? Mr. Market wird es trotzdem richten.
    24 Jahre lang hatten die Einzelhändler Zeit, dem Gemeinderat und dem Vorsitzenden klar zu machen, wie die Rahmenbedingungen auszusehen haben. Erst jetzt trauen sie sich wohl wieder aus der Deckung.

  4. dos sagt:

    Konzeptionen und Wunschträume? 🙁

  5. oh sagt:

    Für mich – als Nur-Leser – garantiert nichts Neues! 🙁

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