„Wir brauchen einen Frequenzbringer“

Die BNN sprachen mit Einzelhändlern und dem OB über die Schneider-Insolvenz
VBU-Fachgruppe begrüßt Tiefgaragen-Planung
Von unserem Redaktionsmitglied Thilo Kampf
Bretten. Die drohende Schließung des Kaufhauses Schneider (die BNN berichteten) schockiert den Brettener Einzelhandel: „Wenn die zumachen, wäre das eine Katastrophe“, bringt Uschi Lampert die Stimmung innerhalb der meisten Geschäftsleute in der Innenstadt auf den Punkt. „Wo kann man denn sonst Unterwäsche kaufen oder eine normale, günstige Plastikschüssel“, fragt sich die Reisebüro-Chefin, die nach eigenem Bekunden „eigentlich schon immer bei Schneider eingekauft hat“. (Siehe auch Wirtschaft.)

„So ein Kaufhaus ist in Bretten wichtig“, glaubt auch Bernd Goppelsröder. Er habe die jahrelangen Bemühungen verfolgt, die Finanzlage in den Griff zu bekommen, doch könne kein Unternehmen auf Dauer 20 Prozent Rabatt geben, wie dies die Schneider-Betreiber getan hätten. „Wir haben alle schon lange geahnt, dass Schneider mal sterben wird.“

Die häufigen Rabattaktionen können auch Petra Genswein und Martina Kugler vom Schuhhaus Noll nicht nachvollziehen: „Die Leute sind zum Schluss doch nur noch bei Aktionen gekommen. Sonst war es häufig leer.“

Zwei Herzen schlagen dagegen in der Brust von Andreas Drabek, dem Sprecher der Fachgruppe Handel innerhalb der Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU): „Es tut mir für die Leute leid, die es betrifft, und es ist auch wichtig, dass es so ein Kaufhaus in der Stadt gibt. Aber die Schwäche ist doch, dass es nicht zukunftsfähig war.“ Wenn das Gebäude nun einige Zeit leerstehen würde, befürchtet der Textilhändler, werde es „dann in der Innenstadt noch weitere Ausfälle geben“. Trotz aller Schwächen sei das Kaufhaus Schneider „ein Frequenzbringer für die Innenstadt“ gewesen – „und so etwas brauchen wir auch“. Ausdrücklich begrüßt der Handels-Sprecher denn auch die Planungen für eine Tiefgarage auf dem Sporgassen-Parkplatz. Indes: „Da fehlt mir noch das Gesamtkonzept.“

Das wiederum glaubt der OB zu haben: „Die Tiefgarage ist allein wegen der Hochbau-Aktivitäten mit der Schaffung neuer Einzelhandelsflächen und möglicher Frequenzbringer notwendig“, erklärt Paul Metzger. Die Stadt habe „sehr gute Partner, die das verwirklichen wollen“. Ohne dieses Konzept könne man den jetzigen Parkplatz „weiter vermodern lassen“.

Gleichzeitig bemühe sich die Stadt in Gesprächen, auch mit den Eigentümern des Gebäudes, den Schneider-Söhnen, eine Lösung zu finden. „Jetzt geht es darum, dass eine positive Prognose zustande kommt“, wofür die Stadt einen aktiven Beitrag geleistet habe und leiste: „Wir haben zum Beispiel alle Anträge auf Erweiterungen im Kraichgau-Center oder auf der Diedelsheimer Höhe auf Eis gelegt.“ Es sei „absolutes Muss, die Frequenz durch größere Betriebe zu steigern“, ist sich der OB sicher, „denn viele kleine Geschäfte sind auf diese Kunden in der Innenstadt angewiesen“.

Dies sehen freilich nicht alle Einzelhändler so: „Ich glaube nicht, dass das jetzige Kaufhaus so ein Magnet ist“, erklärt etwa Martina Kugler, zumal es inzwischen ein breitgefächertes Modeangebot in der Innenstadt gebe. Auch für Erika Mößner wäre es „nicht so schlimm“, wenn Schneider schließen würde – und dies nicht nur, weil es „einige Überschneidungen mit unserem Sortiment“ gebe: „Es kann sein, dass dann mancher erst merkt, dass es auch noch uns Kleine in Bretten gibt.“

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3 Antworten zu „Wir brauchen einen Frequenzbringer“

  1. Grus) sagt:

    „Wir brauchen einen Frequenzbringer“

    Noch haben wir einen: Paul M. 🙂

  2. RL sagt:

    Ein Knaller wäre wenn man mein vorgeschlagenes Ladenzentrum im Mittelalterdesign (TM) konzipieren würde. „Einkaufen wie 1504“ (TM). Aber irgendwie hoch Modern. So ne Art Ritterburg mit Glasaufzug und Klimaanlage mit Läden drin. Das währe cool und vermutlich einmalig in Deutschland…

    Sollte jemand den Vorschlag umsetzen kann er gerne eine Lizenz kaufen für eine Umsatzbeteiligung von 23%. Monatlich zahlbar…

  3. RL sagt:

    Ein Kaufhaus wie Schneider funktioniert heute nicht mehr…

    Abreisen und eine art Ettlinger Tor Center hinstellen. Mit Geschäften, Kneipen, Discos, Ärzten usw. So ist Tag un Nacht was los. Wenn ein oder zwei Laden kaputt gehen merkt das fast keiner und zwei Wochen später macht ein neuer Laden auf.

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