Wißbegierige besuchen alle Brettener

Vorbereitungen im Rathaus laufen schon auf Touren
Von unserem Redaktionitglied Rudolf Th. Baier
„Zutritt Verboten“ steht auf der schweren Holztür des kleinen Ratssaales. Für Monate sind die Bürger und auch die meisten Beamten des Brettener Rathauses aus dem Raum ausgesperrt, der sonst für Beratungen und Feierstunden da ist. „Der kleine Sitzungssaal“ ist jetzt ex- territoriales Gebiet“, beschreibt Oberbürgermeister Paul Metzger die umfangreichen Schutzvorschriften für die Erhebungsstelle zur Volkszählung 1987. Nicht einmal das alte Schloß durfte in der Tür bleiben, damit auch ja kein Unbefugter an die Unterlagen der Volkszählung kommen, damit Schindluder treiben könnte.
Seit einem Monat laufen in der Erhebungsstelle des Brettener Rathauses die Vorarbeiten für die Volkszählung im Mai. Die ganze Stadt wird in Zähl-und Arbeitsbezirke eingeteilt, für jedes, Haus werden: Mappen mit den verschiedenen Zählungsformularen zusammengestellt. Die kommen in Köfferchen aus gefaltetem Karton, mit denen die Volkszähler im Mai von Haus zu Haus gehen werden.

Genug Zähler hat die Stadt Bretten mittlerweile zusammen. „Es war nicht immer ganz leicht. Aber durch gutes Zureden ist es gelungen, alle benötigten Leute zusammenzubringen“, berichtet Oberbürgermeister Paul Metzger. So sei es in Bretten auch nicht nötig geworden, auf dem Weg der Dienstverpflichtung Bürger zum Zählen zu finden.
Mehr als 150 Zähler werden einschließlich der Ersatzleute in Bretten eingesetzt. Etwa ein Drittel davon sind Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren, meist Schüler, die sich ein Zubrot zum Taschengeld verdienen möchten. Ihnen zugeordnet sind 13 „Oberzähler“, die vom Rathaus aus den ordnungsgemäßen Ablauf kontrollieren.
Am 18. Mai werden die Volkszähler ausströmen, mit ihren Bögen von Haus zu Haus gehen. „Innerhalb von drei Wochen hoffen wir, das Gros der Haushalte erledigt zu haben“, erklärt Ordnungsarntsleiter Martin Judt. Und bis zum Beginn der Sommerferien sollen auch die letzten ausgefüllten Fragebögen im Rathaus eingetroffen sein.
Auskunft geben muß bei der Volkszählung jeder Einwohner Brettens, nicht nur Deutsche, nicht nur Bürger, die ihren Hauptwohnsitz hier haben. Und wer sich weigert mitzumachen, bekommt auf derStelle das Mahnschreiben in die Hand gedrückt. Bleibt dies Mahnung erfolglos, folgt ein Heranziehungsbescheid. Und wenn dann noch keine Antworten kommen, gibt es ein Bußgeld. Dieses fällt happig aus, soll es doch mindestens 200 Mark betragen, aber auch 10 000 Mark kosten können. Wer dem Zähler Rede und Antwort steht, hat die Prozedur in zehn bis fünfzehn Minuten überstanden. Möglich ist es aber auch, die verschiedenen Bögen für Haushalt, Personen, Arbeitsstätten selbst auszufüllen und wieder abholen zu lassen.

Möglich, daß der Zähler vergeblich an der Tür klingelt, weil niemand zu Hause ist. In diesem Fall kommt er ein zweites Mal und wirft, falls wieder niemand da ist, den Bogen in den Briefkasten. Beim dritten ergebnislosen Besuch fängt das Mahnverfahren zu laufen an. Freilich muß sich niemand, der gerade in Urlaub ist, sorgen, deshalb mit einer Geldbuße belegt zu werden. „Die Zähler werden, wenn sie niemanden antreffen, auch bei den Nachbarn fragen, ob die Leute vielleicht weggefahren sind“, erläutert Martin Judt.

Damit sie ihrer Aufgäbe gewachsen sind, werden die mehr als 150 Volkszähler in Bretten eine Woche lang abends geschult, mit allen möglichen Problemen vertraut gemacht. Sollten dennoch Schwierigkeiten auftreten wird die Erhebungsstelle im Rathaus telefonisch für Rückfragen bereitstehen.

Kein Verständnis für Boykottaufrufe gegen die Volkszählung hat Oberbürgermeister Metzger. „Wir sollten permanent über Daten verfügen, um eine sinnvolle Stadtentwicklung voranzubringen“ meint er. Oft werde er von Stadträten, von Fraktionen und Gruppen nach Daten gefragt, über die die Stadt ohne Volkszählung nicht verfüge.
In zwei Bereichen hofft Metzger, daß die Stadt von der Volkszählung direkt profitiert.Die exakte Einwohnerzahl wird festgestellt, nach ihr richtet sich die Höhe der Steuerzuweisungen. Und die Stadt bekommt einen Überblick über die Pendlerströme von und nach Bretten ein wichtiges Indiz für kommunalpolitische Entscheidungen.
Diese Daten wird Bretten allerdings nicht selbst aus den Fragebögen gewinnen können. Sie gehen alle nach Stuttgart und werden im Statistischen Landesamt ausgewertet, aus Gründen des Datenschutzes.

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