Tristesse in der Fußgängerzone

Mehr als ein halbes Dutzend Verkaufsräume stehen leer / Schlecker-Filiale bleibt
Einzelhändler suchen Gespräch mit neuem OB
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Schultz
Bretten. Es mehren sich die Leerstände in der Brettener Innenstadt. Gut ein halbes Dutzend Läden stehen verlassen da. Zieht schon bald ein weiterer Markt aus der Brettener Fußgängerzone ab? Die Drogeriekette Schlecker hat angekündigt, bundesweit 500 kleinere Märkte zu schließen.
In der Melanchthonstraße, in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz, betreibt Schlecker seit geraumer Zeit eine Filiale. Vor zwei Jahren zog der Markt von der Melanchthonstraße 3 (Strasser-Haus) ins Nachbargebäude Nummer 5 um. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte gestern die Schlecker-Pressestelle in der Firmenzentrale in Ehingen mit, dass „am Standort Bretten derzeit und bis auf weiteres dort keine Veränderungen geplant sind“.

Schlecker hat die Räume angemietet. „Der abgeschlossene Mietvertrag hat eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren. Danach besteht die Option einer Verlängerung“, so die Auskunft des Vermieters.

Das Reizthema „Entwicklung des Einzelhandels in der Brettener Innenstadt“ hat mit den Schlecker-Medienberichten unter Einzelhändlern in der Fußgängerzone weiter an Aktualität und Brisanz gewonnen. Doch selbst wenn Schlecker am Standort in der Fußgängerzone festhält, bleibt die Verunsicherung unter Geschäftsleuten. Zur Tristesse tragen vor allem in der jüngeren Zeit etliche leere Geschäfte bei. Größte negative Veränderung war die Schließung des Kaufhauses Schneider Ende vergangenen Jahres.
Davor verschwanden bereits ein Dutzend Geschäfte. Beispielsweise machten ein Elektronik-Einzelhändler, ein Telekom-Anbieter, ein Kaffee-Ladenlokal und ein Bekleidungshaus Verkaufsfläche zwischen Gottesackertor und Kaufhaus Schneider frei. Die Räume stehen zwar wieder zur Neuvermietung, aber Nachfolger bleiben aus. Und ein weiterer Ladenbesitzer will bis zum 15. Februar seinen Räumungsverkauf abschließen.

Diese Veränderungen und das Bild, das die Fußgängerzone abgibt, sprächen für sich, sagt Andreas Drabek, Sprecher der Brettener Einzelhändler. Und nun noch die Schlecker-Berichte. „Schlecker ist bei weitem kein Vorzeige-Markt. Aber allein schon die Ungewissheit, ob die Drogeriekette der Fußgängerzone vielleicht den Rücken kehrt, sorgt für Unbehagen bei Geschäftsleuten.“ Was in Bretten fehle, sei ein mittel- und langfristiges Konzept, um den Einzelhandel in der Fußgängerzone zu stärken. „Es wurde vieles zu schnell durchgezogen, ohne die Folgen zu bedenken und nach einer Alternative zu suchen“, kritisiert Drabek. Als Beispiel nennt Drabek die Umstände des Umzugs des Schlecker-Marktes. Er sagt: „Schlecker hat für den Umzug aus dem Strasser-Haus in den jetzigen Standort Geld von der Stadt bekommen. Diese exponierte Lage am Marktplatz hätte man sicher mit einem höherwertigeren Anbieter besetzt. Für Schlecker wäre sicher ein anderer Standort in der Nähe gefunden worden.“

Bürgermeister Willi Leonhardt bestätigt die Zahlung an Schlecker. „Das Geld stammte aus einem Förderprogramm zur Sanierung des Strasser-Hauses. Damit wurde die vorzeitige Auflösung des Mietvertrages mit Schlecker im Strasser-Haus abgegolten, um rasch mit der Sanierung beginnen zu können. Zusätzlich sind keine weitere Zahlungen an Schlecker für seinen Auszug erfolgt.“

Drabek und andere Einzelhändler hoffen auf den neuen Oberbürgermeister Martin Wolff. „Es wurde in den vergangenen 20 Jahren nichts für den Handel in der Innenstadt getan. Im Gegenteil. Es wurde viel bewusst sabotiert und kaputt gemacht. Hier muss endlich gehandelt werden.“ Schon im Februar will sich Drabek deswegen mit Wolff zusammensetzen, um über Veränderungen zu reden.

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18 Antworten zu Tristesse in der Fußgängerzone

  1. Th. sagt:

    Falls bis jetzt ein städtisches Konzept für den Einzelhandel bestand, konnte es für sich den folgenden Erfolg verbuchen:

    Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!
    🙂

  2. h sagt:

    Antwort für Jork.

    Darüber werden sich die Brettener Wirtschaftsförderer (Noch-Chefsache Metzger) in Schweigen üben!

  3. Jork. sagt:

    Einstellig, zweistellig, dreistellig, vierstellig, fünfstellig, sechsstellig oder noch mehr vor dem Komma? 🙂

  4. r.hofmann sagt:

    In welcher Höhe wurde Schlecker mit Sanierungsgeld gefördert, Herr Leonhardt?

  5. M.Kunst.- sagt:

    @ M. Erker

    Ich nenne das Sanierungs-Fördergeld an DM Schlecker nichts anderes als Zweckentfremdung!

  6. Clodw. sagt:

    Warum bekam der Drogeriemarkt Schlecker aus einem Förderprogramm für Sanierungszwecke Geld?

    Wurde er saniert?

  7. M. Erker sagt:

    zum Kommentar von oh:
    Warum Geld aus einem Sanierungs-Förderprogramm der Stadt Bretten für einen Umzug der “armen” Firma Schlecker geflossen ist, kann man leicht verstehen! Das neue Melanchthonhaus musste doch noch in der Amtszeit von OB Metzger eingeweiht werden. Natürlich von „IHM“ und deshalb hat „ER“ den Umzug der Firma Schlecker mit einem „kleinen Zuschuss“ beschleunigt. War ja nicht sein Geld! Dafür war „ER“ aber wieder termingerecht und groß in der Zeitung.

  8. dos sagt:

    @ Fragezeichen

    „Wie und wann wurde diese – über fünf Jahre alte – behördliche Auflage von der Stadt Bretten umgesetzt?“

    Das bleibt ein Geheimnis zwischen ihr und dem Regierungspräsidium Karlsruhe?

  9. dos sagt:

    @ Fragezeichen

    „Wie und wann wurde diese – über fünf Jahre alte – behördliche Auflage von der Stadt Bretten umgesetzt?“

    Das bleibt das Geheimnis zwischen ihr und dem Regierungspräsidium Karlsruhe!

  10. -schw.- sagt:

    Chefsache der städtischen Wirtschaftsförderung zum Wohle des Brettener Einzelhandels?

  11. -schw.- sagt:

    @ Fragezeichen

    Oder zum Konzept der Entwicklung des Einzelhandels:

    „Es wurde viel bewusst sabotiert und kaputt gemacht“?

    s. den gestrigen Kommentar von äth.

  12. ulf. sagt:

    @ Fragezeichen

    Diese behördliche Auflage ist wahrscheinlich in der Zeit der Muttertags-Blumen-Querelen zwischen Metzger und Kühner endgültig in Vergessenheit geraten?

  13. Fragezeichen sagt:

    Erinnern Sie sich, wovor der BAK am 15.September 2004 warnte:
    Die Innenstadt von Bretten, bald eine Geisterstadt ?

    Und was war in der „Raumordnerischen Beurteilung“ des Regierungs-Präsidiums Karlsruhe zum geplanten Einkaufszentrum an der Pforzheimer Straße zu lesen?
    Die Stadt Bretten erarbeitet ein in die Zukunft gerichtetes Konzept zur Entwicklung des Einzelhandels. Dieses beinhaltet u.a. eine quantitative sowie qualitative Bestandsaufnahme des Einzelhandels, die Darstellung der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten, der künftigen Funktionen der verschiedenen Einzelhandelsstandorte sowie der zugehörigen städtebaulichen, gestalterischen und funktionsräumlichen Entwicklungen mit ihren einzelnen Bausteinen. Das Konzept ist ein wesentlicher Bestandteil der Fortschreibung des Flächennutzungsplans.“

    Wie und wann wurde diese – über fünf Jahre alte – behördliche Auflage von der Stadt Bretten umgesetzt?

  14. äth. sagt:

    Drabek:“ Es wurde in den vergangenen 20 Jahren nichts für den Handel in der Innenstadt getan. Im Gegenteil. Es wurde viel bewusst sabotiert und kaputt gemacht. Hier muss endlich gehandelt werden.“

    Wer und/oder was ist es? Der ausscheidende Herr Metzger und/oder Stadträte?

  15. oh sagt:

    Geld aus einem Sanierungs-Förderprogramm der Stadt Bretten für einen Umzug der „armen“ Firma Schlecker?

    Das verstehe, wer will! Ich jedenfalls nicht!

  16. mm sagt:

    der Einzelhandel hat sich in den letzten 20 Jahren aber auch mut-, entscheidungs- und ideenlos gezeigt. Jetzt wo Metzger praktisch weg ist, traut man sich mit Kritik an seiner Innenstadtpolitik an die Öffentlichkeit. Wer selbst nicht weiß was er will und kein Konzept hat, muss eben nehmen was er bekommt!

  17. h - z sagt:

    Tristesse – nicht nur in der Fußgängerzone! 🙁

  18. hell_sinki sagt:

    also mit casinos, handyläden und viertklassigen bekleidungsgeschäften lässt sich die innenstadt wohl kaum beleben…

    ganz toll auch, dass wir jetzt einen „boots-shop“ in der pforzheimerstraße haben. hansestadt bretten!

    gibt es denn keinen vernünftigen einzelhandel mehr? wo ist zum beispiel der spielwaren gerwig hin? der hat die fußgängerzone IMMER belebt…

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