Morgens um sieben wird es eng in der S4

Rund 1 100 Schüler kommen jeden Tag mit der Stadtbahn zum Unterricht nach Bretten
Kein zusätzlicher Waggon für die „Problem-Bahnen“
Von unserer Mitarbeiterin Paulina Gilpert
Bretten. Es ist kurz nach sieben. In der S 4 von Karlsruhe nach Bretten stehen die Schüler eng zusammengedrängt. An der Haltestelle Wössingen Ost steigen etliche weitere Jugendliche mit Schultaschen zu. In diesem Gedränge einen Sitzplatz zu ergattern, ist ein wahrer Glücksfall. „Stattdessen bekommt man eher blaue Flecken, wenn man versucht, sich ein bisschen Platz zu verschaffen“, erzählt Carolina G. aus Wössingen (Name von der Redaktion geändert).

Insgesamt nutzen rund 75 000 Schüler jeden Tag die Bahnen des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV), um zur Schule zu gelangen. Das sind ungefähr 20 Prozent der Bahnreisenden des KVV, weiß ein Mitarbeiter.
Alleine nach Bretten kommen täglich rund 1 100 Schüler mit der Stadtbahn zum Unterricht. Und obwohl der KVV mit speziellen Schülerrabatten („Scoolcards“) versucht, junge Kunden finanziell zu entlasten, sind viele Schüler mit den Dienstsleistungen unzufrieden.

„Ich nehme die Bahn vor allem, um zur Schule und wieder zurück zu kommen. Doch gerade zu Schulbeginn und Schulschluss sind die Bahnen überfüllt“, berichtet die Schülerin Carolina G.. Sie habe sich sogar schon einmal beim KVV beschwert, jedoch ohne Erfolg. „Als zahlender Kunde keinen Sitzplatz zu bekommen, ja manchmal sogar nicht mehr in die Bahn zu passen, das ist doch wirklich die Höhe,“ empört sie sich.
Auch dem Verkehrsbund ist dieses Problem bekannt. Immer wieder beschweren sich Leute darüber, dass die Bahnen zu bestimmten Zeiten zu voll seien. Die allseits zu hörende Forderung nach einem zusätzlichen Waggon an diesen „Problembahnen“ könne nicht erfüllt werden. Viele Haltestellen seien so kurz, dass längere Bahnen dort nicht halten könnten. Der gewünschte dritte Waggon würde statt Entlastung nur weitere Probleme mit sich bringen.

Das Problem der überfüllten Züge ist keine Neuheit.Weil der Mangel schon lange besteht, haben viele Schüler mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, dass das Problem in absehbarer Zeit behoben wird.
Das versucht der KVV aber mit anderen Mitteln: So hält beispielsweise der frühe Zug aus Karlsruhe um kurz vor sieben seit knapp zwei Jahren auch an den Haltestelle Dürrenbüchig und Rinklingen.
Zuvor fuhr er als Eilzug vorbei, so dass die von dort kommenden Schüler gezwungen waren, die weitaus vollere Bahn um kurz nach sieben zu nehmen. Durchaus zufriedenstellend findet Günther Wurst, Beauftragter für den Schülertransport am Melanchthon-Gymnasium, die Beförderung der Schüler mit den Bahnen des KVV. Jedenfalls gingen bei ihm nur selten Beschwerden beschwert.

Und auch Schülerin Carolina G., seit einigen Jahren regelmäßige Benutzerin der Angebote des KVV ist, gibt zu: „Bei all dem Ärger über das Gedränge im Schülerverkehr – man darf auch nicht die Vorteile vergessen, die Stadtbahn mit sich bringt. Denn ganz ehrlich: Was würden wir ohne die Bahn nur tun? Wie würden ich abends nach Bretten ins Kino kommen? Wie würde ich zum Shoppen nach Karlsruhe fahren? Und: wie würden die vielen Schüler sonst morgens zur Schule und mittags wieder nach Hause kommen? Und außerdem ist die S-Bahn auch noch sehr umweltfreundlich, eines der sichersten Verkehrsmittel und angesichts der steigenden Spritpreise eine günstige Alternative zum Autofahren“.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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6 Antworten zu Morgens um sieben wird es eng in der S4

  1. gd. sagt:

    BNN KARLSRUHE am 21. Januar 2014
    „Neue Nahverkehrschefs sind gefunden“

    Allein das Auswahlverfahren – 14-köpfige Findungskommission – für zwei neue Nahverkehrschefs (VBK, AVG, KVV) spricht Bände!
    🙁

    Am 21. März 2014 sollen die Gremien „in einer Aufsichtsratskaskade“ entscheiden! 🙂

  2. gd. sagt:

    Zu den beiden Leserbriefen
    AUS DER REGION
    BNN am 21. Januar 2014

    Zur Situation im Karlsruher Verkehrsverbund (KVV)
    und im Nahverkehr

    „Der Anschluss ist weg
    Frischer Wind tut not“

    Woher soll denn der frische Wind bei derartigen Eigentümerverhältnissen herwehen?
    Etwa von dem Abstimmungsverhalten in deren (Aufsichts-)Gremien? 🙂

  3. h - z sagt:

    „Genießen Sie das Leben in vollen Zügen“

    In diesem Zusammenhang die Benutzer als

    FAHRGÄSTE

    bezeichnen zu wollen oder sogar zu bezeichnen? – grenzt an totaler Verkennung des Wortes

    Gäste!

    Irrtümer, nicht nur verbaler Art, sind bei vergleichbaren Eigentümern an der Tagesordnung!
    🙂

  4. G. H. sagt:

    Brettener Nachrichten am 16. Januar 2013

    Leserbrief „Genießen Sie das Leben in vollen Zügen“

    Von Frau Sonja Hagino wurde ein Dauerzustand zutreffend geschildert. Er ist noch sehr zurückhaltend formuliert, obwohl er schon einmal in einem umfangreichen BNN-Bericht am 21. März Jahr 2009 – siehe oberhalb – umfassend erklärt wurde.

    Was hat sich seither getan, geschweige denn verbessert? – Nichts!
    Doch – die Fahrkartenpreise sind regelmäßig gestiegen. Die desolaten Zustände sind geblieben.

    Wer trägt Verantwortung für die seit Jahren andauernden Missstände? – Die Eigentümer:

    1. Die Landkreise
    Germersheim
    Karlsruhe
    Rastatt
    Südliche Weinstraße

    2. Städte
    Baden-Baden
    Karlsruhe
    Landau/Pfalz

    3. Ohne Verantwortung sind die verschiedenen Beteiligungen öffentlicher und privater Verkehrsunternehmen am KVV.

  5. RL sagt:

    In asiatischen Großstädten gibt es extra Personal, die die Leute an den Türen der U-Bahnen reindrücken und hinterher mit vollem Körpereinsatz die Türen zupressen… So gesehen ist bei uns die Situation noch recht gut 🙂 …
    Das Gedränge an den Bahnsteigen finde ich jedoch auch sehr gefährlich. Das sollte man eher so lösen wie bei Achterbahnen. Eine einfache Personenvereinzelungsanlage könnte hier schon Abhilfe schaffen.

  6. mm sagt:

    morgens um sieben nur?? Wer einmal das brandgefährliche Gedränge an der Haltestelle Schulzentrum-Ost um 12:00, bzw. 13:00 Uhr gesehen hat, kann verstehen, warum Fahrgäste die Schulende-Zeiten meiden. Das Gedränge auf dem Bahnsteig ist schon unerträglich und vor allem gefährlich, manchmal hält die Bahn schon vor der Haltestelle. Die Fahrer trauen sich einfach nicht weiterzufahren, so dicht am Bahnsteig stehen die Schüler/Innen.

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