Neuer Recyclingbetrieb als „Vorzeigeprojekt“ geplant

Kritik an Ansiedlung in Flehingen / Oberderdinger Bürgervertreter bei Vollmer Entsorgung in Helmsheim
Belegschaft soll auf 100 Mitarbeiter anwachsen
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Schultz
Oberderdingen/Bruchsal-Helmsheim. Wie viel Lärm, Staub und Gerüche aus einer Entsorgungsfirma sind zumutbar? Dass Belästigungen am besten ganz ausbleiben und gesetzlich vorgeschriebene Maximalwerte nicht überschritten werden, versteht sich dabei von selbst. An diese Richtschnur will sich das Unternehmen Vollmer Entsorgung GmbH bei der Ansiedlung im Flehinger Industriegebiet Kreuzgarten halten. Doch den Kritikern fehlt das Vertrauen, sie wollen deswegen die Ansiedlung des Entsorgungsbetriebs aus Helmsheim verhindern (die BNN berichteten).
Seit dem Jahr 2000 existiert die Vollmer Entsorgung GmbH im Bruchsaler Stadtteil Helmsheim. Dort gab es in der Vergangenheit Beschwerden von Anwohnern über Belästigungen. „Zuletzt meldeten sich 2006 Anwohner aus dem Industriegebiet und dem benachbarten Wohngebiet und beklagten sich über Lärm und Gestank. Daraufhin wurde das Landratsamt tätig. Seitdem das Unternehmen die Auflagen erfüllt, hat sich die Situation gebessert.
Weitere Beschwerden sind bislang ausgeblieben“, sagt Joachim Schneider, Leiter des zuständigen Amtes für Umwelt- und Arbeitschutz bei der Kreisbehörde.

Wissend um den Gegenwind in Flehingen gewährte der Entsorger kürzlich den Bürgervertretern aus dem Oberderdinger Gemeinderat und Flehinger Ortschaftsrat einen Einblick in die Arbeitsabläufe am Helmsheimer Standort. Einen positiven Eindruck hinterließ Vollmers Werbung in eigener Sache bei Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki. „Es konnten die Tätigkeitsschwerpunkte des Unternehmens, wie das Einsammeln, Sortieren und Trennen und die mechanische Behandlung des Altholzes in Augenschein genommen werden. Dabei wurden keine erheblichen Geräuschimmissionen festgestellt“, betont Nowitzki auf BNN-Anfrage. Bei dem Treffen versuchte Ulrich Vollmer, der geschäftsführende Gesellschafter, den Sorgen der Kritiker zu begegnen. „Unserer Branche wird im Genehmigungsverfahren sehr genau auf die Finger geschaut und alles wird hinterfragt. Mein Ziel ist, in Oberderdingen ein Vorzeigeprojekt für die Entsorgungswirtschaft zu erstellen.“

In Helmsheim beschäftigt die Vollmer Entsorgung GmbH 60 Mitarbeiter. Mit dem Umzug in das interkommunale Industriegebiet in Oberderdingen wächst nach Firmenangaben die Belegschaft auf bis zu 100 Mitarbeiter an. Dabei solle jedoch der Standort im Helmsheimer Gewerbegebiet erhalten bleiben. In Oberderdingen plant der Recyclingbetrieb die Weiterverarbeitung von Altholz, Kunststoffen, Altpapier und Folien. Die Materialien würden sortiert, getrennt und eine mechanische Bearbeitung durchlaufen. „Alle Arbeitsprozesse am neuen Standort laufen in vier je 1 000 Quadratmeter großen Hallen ab, um damit Belästigungen durch Lärm, Staub und Geruch auszuschließen oder so zu minimieren, dass diese außerhalb des Betriebsgeländes nicht mehr feststellbar sind“, schreibt der Entsorger. Vollmer schloss gegenüber Bürgermeister Nowitzki und den anderen Teilnehmern des Rundgangs aus, dass im geplanten Werk in Oberderdingen Abfälle kompostiert oder biologisch behandelt würden. Ebenso wenig sei daran gedacht, ein Zwischenlager für Sonderabfälle und eine Sortieranlage für gemischte Siedlungsabfälle zu errichten. Belastende Geruchsemissionen gäbe es nicht.

Am (Noch-)Hauptsitz Helmsheim zeigt sich die Ortsverwaltung über die Pläne Vollmers nur vage informiert. Ortsvorsteher Johann Gaugenrieder möchte darum zu Vollmers Überlegungen nur wenig sagen: „Es gibt seit geraumer Zeit keine Beschwerden mehr. Trotzdem wäre man in Helmsheim über eine teilweise Verlagerung des Recyclingbetriebs dankbar, um die hohe Verkehrsbelastung in dem kleinen Gewerbegebiet zu senken“.

Die Zu- und Abfahrt der Lkw im Industriegebiet Kreuzgarten in Flehingen scheint im Gegensatz zu Helmsheim weniger ein Problem zu sein. Eine Mehrheit des Oberderdinger Gemeinderats sah die Verkehrsbelastung für vernachlässigbar und stimmte einer Ansiedlung des Müllverwerters in Flehingen im Grundsatz zu. Aber es bleiben noch Punkte, die zu klären sind. „In den notwendigen zwei Verfahren will man Belastungen ausschließen oder auf die in einem Industriegebiet zulässigen Werte begrenzen. Vorgesehen ist dabei eine weitere Beteiligung des Umweltamtes, der Gewerbeaufsicht und Immissionsschutz. Sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen, können Kritiker ihre Fragen und Bedenken einbringen“, hebt Nowitzki hervor.
Es ist auch ein Stück weit Abwägung. Die Gemeinde wolle einerseits den Wohnwert Flehingens erhalten und weiterentwickeln, anderseits möchte man in dem interkommunalen Industriegebiet Arbeitsplätze schaffen, sagt Nowitzki. Dafür sei viel Geld investiert worden. Allein über sieben Millionen Euro für den Bau einer Umgehungsstraße zur Entlastung der Flehinger Ortsdurchfahrt.

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