Armer, reicher Enzkreis

Wie sich eine niedrige Steuerkraft bestens mit der niedrigsten Kreisumlage in Baden-Württemberg verträgt
ENZKREIS. Rein rechnerisch bezahlt kein Bürger in Baden-Württemberg weniger Kreisumlage als ein Einwohner des Enzkreises: 216,95 Euro im Jahr 2007 bedeuten den Spitzenplatz im Land. Die Ursachen sind vielfältig.
„Proppere Gegend“, möchte man denken bei einer Fahrt durch den Enzkreis. Die Städte und Gemeinden sind in Schuss, Gewerbegebiete künden allerorten: Hier rollt der Rubel. Doch der Schein trügt: Wirtschaftlich ist es um das Pforzheimer Umland gar nicht so rosig bestellt. Ein zuverlässiger Indikator dafür ist die Steuerkraft.
Und die hängt dem Landesdurchschnitt um satte zehn Prozent hinterher. Denn liegt die Steuerkraft des Durchschnitts-Baden-Württembergers bei 806 Euro, bringt es der Enzkreisler nur auf 723 Euro.

Beitrag der Gemeinden
Das wiederum hat Auswirkungen auf die Kreisumlage, jene Abgabe also, die der Enzkreis von den 28 Gemeinden bekommt, um unter anderem so kostspielige Aufgaben wie die Sozialausgaben bestreiten zu können. Berechnungsgrundlage der Kreisumlage ist die Steuerkraft der jeweiligen Gemeinden. Sie wird mit dem Hebesatz multipliziert, den der Kreistag festlegt. Im Falle des Enzkreises haben sich Kreisverwaltung und Kreistag dieses Jahr auf einen Hebesatz von glatten 30 Punkten geeinigt. Das ist zwar nicht der niedrigste Wert im Land – der geht mit 29,3 Punkten an den Alb-Donau-Kreis – bedeutet aber wegen der niedrigen Steuerkraft des Enzkreises den niedrigsten Pro-Kopf-Wert von knapp 217 Euro.

Insgesamt nimmt der Enzkreis aus der Kreisumlage dieses Jahr rund 42,6 Millionen Euro ein. Dass der Landkreis mit diesem Betrag auskommt, hat verschiedene Ursachen: Zum einen wird im Landratsamt tatsächlich sparsam gewirtschaftet. So hält man beispielsweise die hohen Kosten der Eingliederungshilfe für Behinderte durch konsequentes Fallmanagement im Griff. Aber auch im eigenen Haus wird der Rotstift angesetzt. So stagnieren die Personalkosten, was nur durch einen Stellenabbau zu erreichen ist. Allerdings profitiert der Enzkreis auch von seinen gesunden sozialen Strukturen. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger auch. Die belasten in der Tat eher die Kassen des Oberzentrums Pforzheim. Ein Umstand, der für das ganze Land gilt: die ärmeren Teile der Gesellschaft finden sich zu größeren Teilen in den großen Städten wieder.

Fluch wird zum Segen
Und wenn man so will, wird für den Enzkreis schließlich der Fluch zum Segen: die niedrige Steuerkraft berechtigt zu zusätzlicher Unterstützung durch das Land. Das fördert die sogenannten strukturschwachen Gebiete nämlich zusätzlich.

So kann sich der Enzkreis dieses Jahr über eine Überweisung von stattlichen 44,2 Millionen Euro freuen, was die Gemeinden zusätzlich entlastet.

Übrigens: Im Heckengäu wähnt sich so manche Gemeinde ja nach wie vor ein wenig wie das fünfte Rad am Wagen des Enzkreises und man liebäugelt immer mal wieder mit dem Landkreis Böblingen.

Den allerdings muss man sich erst einmal leisten können: Der Landkreis Böblingen treibt bei seinen Gemeinden 2007 schließlich pro Einwohner 356 Euro Kreisumlage ein. Das ist der andere Spitzenwert im Land – der teuerste.

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1 Antwort zu Armer, reicher Enzkreis

  1. mm sagt:

    Alb-Donau-Kreis 197,1€, Karlsruhe 229,1€, Quelle : Statistisches Landesamt BaWü

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