Bis Ende Juli muss ein neuer Landrat gewählt sein

Inzwischen werden bereits mehrere Namen gehandelt
Doll: Abschiedsbrief von Kretz wird nicht veröffentlicht

Von unserem Redaktionsmitglied Tina Kampf
Kreis Karlsruhe. Drei Wochen nach dem Freitod von Claus Kretz laufen die Vorbereitungen zur Wahl eines neuen Landrats. „Es gibt bereits einen Fahrplan und auch einige Interessenten“, berichtet Bernd Doll (CDU). Der Bruchsaler Oberbürgermeister, der derzeit kommissarisch die politischen Geschäfte im Landkreis führt, wollte jedoch weder Namen potenzieller Kandidaten noch einen konkreten Wahltermin nennen.
Sicher ist bisher nur: Spätestens am 23. Juli – also exakt sechs Monate nach „Freiwerden der Stelle“, wie es offiziell heißt – muss der neue Landrat oder die neue Landrätin das Amt antreten. Am 15. März werde der Kreistag zusammentreten und einen Ausschuss einberufen, der sich um die Wahlvorbereitung kümmern werde, erklärt Doll. Er gehe davon aus, dass dieser Ausschuss letztlich identisch mit dem Verwaltungsausschuss sein wird. Die erste Aufgabe des Gremiums wird dann die Ausschreibung der Stelle sein, auf die sich laut Landkreisordnung jeder Deutsche bewerben kann, der das 30., aber noch nicht das 63. Lebensjahr vollendet hat.
Der Ausschuss sucht dann in Abstimmung mit dem Innenministerium mindestens drei Kandidaten aus dem Feld der Bewerber aus, trifft also eine Art Vorauswahl: Der Kreistag kann nur einen dieser Anwärter in geheimer Wahl zum Landrat küren. „Es geht dabei darum, dass die Bewerber von ihrer Persönlichkeit, ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Werdegang in der Lage sein müssen, eine solche Behörde zu leiten“, erklärt Doll, der für sich selbst eine Kandidatur ausschließt: „Ich trete definitiv nicht an. Ich werde in diesem Jahr 61 Jahre alt. Einen so alten Baum soll man nicht mehr verpflanzen.“
Noch hat niemand öffentlich Interesse an der Stelle bekundet. Dennoch werden inzwischen zumindest hinter vorgehaltener Hand erste Namen gehandelt: Der Erste Landesbeamte des Enzkreises, Wolfgang Herz, soll angeblich Interesse an der Stelle haben. Als potenzielle Kandidaten werden auch Karl Eugen Ganninger, leitender Regierungsdirektor am Karlsruher Regierungspräsidium, sowie der Oberderdinger Bürgermeister Thomas Nowitzki gehandelt. Denkbar wäre ebenso eine Kandidatur des Ersten Landesbeamten Ralph Schlusche: Claus Kretz folgte einst aus dieser Position heraus Bernhard Ditteney als Landrat nach. Auch der frühere Ettlinger Oberbürgermeister Josef Offele ist weiter im Gespräch: Schon als Ende Dezember über einen möglichen Rücktritt von Claus Kretz spekuliert wurde, handelten einige offen den 60-Jährigen als möglichen Nachfolger.
Ein Umstand, der die Spekulationen über den Inhalt des dritten, an die Öffentlichkeit gerichteten Abschiedsbriefs von Claus Kretz angeheizt hat: In Leserbriefen und Online-Foren wird offen darüber diskutiert, ob der Brief deshalb nicht komplett veröffentlicht wird, weil Claus Kretz darin unter anderem mit Parteifreunden abgerechnet hat, die unwidersprochen Mutmaßungen über seine Nachfolge zuließen, als er in der Forsthaus-Affäre zunehmend unter Druck geriet.
„Es gibt in diesem Brief keine solche Abrechnung, und es handelt sich dabei auch nicht um ein politisches Vermächtnis“, versichert Doll, in dessen Tresor der Brief lagert. Es sei jedoch der Wunsch der Familie, den Brief nicht komplett zu veröffentlichen – weshalb dies auch nicht geschehe.

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1 Antwort zu Bis Ende Juli muss ein neuer Landrat gewählt sein

  1. Lis.-My. sagt:

    Ein Abschiedsbrief von Claus Kretz lagert im Tresor von Herrn Doll.

    Es stellt sich die Frage, warum dieser nicht bei der Familie aufbewahrt wird.

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