Leserbrief: „Es wurde immer schlimmer“

Zum Artikel über Brettener Schulen, die das Thema offensiv angehen (Ausgabe vom 17. November):
Mein Sohn wechselte vor zwei Jahren von der vierten Grundschulklasse in die Fünf der Realschule. Nach einigen Wochen wurde er von drei Mitschülern geärgert und gemobbt. Ich hatte meinem Sohn geraten, die „Ohren auf Durchzug zu stellen“, dann würden die sicher wieder aufhören. Es wurde aber immer schlimmer!
Ich schrieb eine Mail an den Rektor, denn telefonisch bin ich im Sekretariat „abgewimmelt“ worden. Später folgten noch mehrere Mails, da warte ich heute noch auf Antwort.

Daraufhin bat ich die Klassenlehrerin um ein Eltern-Schüler-Gespräch, was kurz darauf auch stattfand. Die Jungs zeigten sich einsichtig und versprachen, meinen Sohn in Ruhe zu lassen. Jeden Tag nach der Schule fragte ich, ob etwas gewesen sei. Er meinte nur: „Nein, alles ok“. Bis mich eine Mutter eines Mitschülers anrief. Sie meinte, ich müsse unbedingt etwas unternehmen. Ihr Sohn komme fast jeden Tag von der Schule heim und weine, weil er es nicht mehr mit ansehen könne, wie mein Sohn gemobbt wird!

Dieser meinte darauf, dass „es doch keinen Wert hat und die eh weitermachen“. Deshalb habe er nichts mehr gesagt. Er hatte sich auch sehr verändert. Er war nicht mehr der fröhliche, ausgeglichene Junge, der er Anfang der fünften Klasse noch war.

Ich rief die Lehrerin an. Diese meinte nur, sie könnte schlecht etwas machen, weil sie es nicht mitbekomme. Daraufhin bat ich sie, für mich einen Termin bei dem Rektor auszumachen. Er ließ mir nur ausrichten, dass er für so etwas keine Zeit habe und wir uns an die Streitschlichter wenden sollen.
Mein Sohn litt immer mehr an der Situation. Die Jungs drohten auch, ihn nach der Schule zu verprügeln – also holte ich ihn jeden Tag von der Schule ab! Ins Freibad wollte er nicht gehen, aus Angst, „die sind dort“.
Ich habe ein langes Gespräch mit dem Kinderarzt geführt und meinen Sohn von der Realschule abgemeldet. Er geht nun auf eine andere Schule und es geht ihm endlich gut.

Heike Kühner
Im Brettspiel 25
Bretten

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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2 Antworten zu Leserbrief: „Es wurde immer schlimmer“

  1. mm sagt:

    am 17.9.2009 äußerte sich der Rektor der im Leserbrief genannten Schule noch so :
    Jedoch sei nicht jede Rangelei auf dem Schulhof eine Form von Mobbing. „Der Begriff ist zu einem Modewort geworden. Es muss genau geprüft werden, ob zwei Schüler einmalig aneinander geraten oder ob einer von ihnen systematisch ausgegrenzt wird“, so der Rektor weiter. An seiner Schule wird in diesem Jahr Mobbing und seine Folgen als Schwerpunkt in den Klassen behandelt.
    Also prüfen, prüfen, quasseln und warten, bis sich das Problem von selbst löst, oder es von selbst die Schule verläßt!!

  2. rl sagt:

    Tja, dann hat sich wohl nix geändert… Ich hatte Ende der Achtziger Jahre an der Schule nebenan auch ein Butterfly Messer am Hals. Das war die Krönung nach drei Jahren dauermobbing seit der 5. Klasse. Hat damals aber auch keinen Interessiert…Ich rate zu drei Dingen wenn die Schulleitung weiter mauert.

    1. Den Sohn ins Judo schicken (Das kann man schon ab dem 2. Lebensjahr).

    2. Twittern, blogen, Leserbriefe, Presse, andere Eltern einschalten und massiv an die Öffentlichkeit gehen… Davor haben die am meisten Angst.

    3. Privatdedektiv auf die Sache ansetzen oder selbst observieren. Beweismaterial sichern. Polizei einschalten und Strafanzeige gegen Schule und die Eltern der mobbenden Kinder einleiten.

    Sonst waren es hinterher wieder die bösen Videospiele und die Schützenvereine wenn wieder etwas passiert in Richtung Amoklauf und nicht diejenigen, die es in der Hand gehabt hätten was zu unternehmen!

    Jahre nach dem ich diese Schule hinter mich gelassen hatte, saß ich in der Schmiede an der Bar als mir ein Polizist ein Foto unter die Nase hielt mit dem Foto des Typen der mir damals ein Messer an den Hals hielt… Ich wurde gefragt, ob ich den gesehen hätte, da er vor ein paar Minuten da draußen auf der Straße einen abgestochen hätte…

    Hätte man in der Schule die Sache ernst genommen, hätte das vielleicht verhindert werden können…

    PS: den Tipp meiner Eltern die Attacken zu ignorieren ist falsch. Gleich dagegen gehen! Sonst wissen die mit wem man leichtes Spiel hat und die Opfer rolle wird Zementiert. Den Fehler hab ich damals auch gemacht… Einmal kräftig austeilen und der Spuk hat ein Ende…

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