P+R-Stationen ohne Plakette nicht zu erreichen

In Stuttgart ist die Umweltzone für den ADAC besonders absurd eingerichtet worden
Stuttgart – Geht es nach dem ADAC Württemberg, werden die Umweltzonen lieber heute als morgen wieder abgeschafft. Der Vorsitzende Günter Knopf hält sie „für kein wirksames Mittel bei der Feinstaubbekämpfung“ und spricht von „Volksverdummung“.

Für den Chef der Autofahrerlobby sind die Umweltzonen in bereits acht baden-württembergischen Städten „überhastet und unüberlegt eingeführt worden“. Der Effekt für die Umwelt bleibe gering, dafür gebe es viele Ungereimtheiten, sagte Knopf am Dienstag in Stuttgart.

Messanlagen: In Berlin steht eine Messstation auf der grünen Wiese. In Stuttgart am Neckartor oder in Leonberg in der Grabenstraße vor Hauswänden und an viel befahrenen Straßen. Dies erkläre, warum es im Südwesten mehr als 60 Prozent der bundesweiten Umweltzonen gebe. „Keiner soll mir sagen, dass es in Baden-Württemberg dreckiger ist als im Ruhrgebiet“, wettert Knopf.

Feinstaubemissionen: Der Anteil des Pkw-Motorausstoßes beträgt neun Prozent. Lkw, Loks, Flugzeuge und Schiffe tragen 33 Prozent bei. Die Industrie (15 Prozent), Heiz- und Kraftwerke (10) und Wohnungsheizungen (8) sind ebenfalls bedeutsame Verursacher. Knopf: „Die Politik muss bei Emittenten wie Industrie, Kraftwerken sowie im Heizungsbereich ansetzen.“

Betroffene Fahrzeuge: Im Südwesten sind 6,35 Millionen Kfz zugelassen. Nur 435.000 Fahrzeuge davon können keine Plakette bekommen, sind aber teilweise nachrüstbar. Um die rund sechs Millionen plakettentauglichen Fahrzeuge mit den roten, gelben oder grünen Aufklebern auszustatten, müssen von den Kfz-Haltern insgesamt 30 Millionen Euro aufgebracht werden. Dazu kommen die Verwaltungskosten für die Ausschilderung der Zonen und die Ausgabe der Plaketten. Eine riesige Investition, um einen Bruchteil der Kfz auszusperren.

Wirksamkeit: „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Fahrverbote in puncto Feinstaub nichts bringen“, sagt Knopf. Dazu kommt: In Tübingen und Mannheim etwa gab es 2007 gar keine Überschreitung der Grenzwerte mehr. Knopf fragt: Nach wie vielen Jahren wird in solchen Fällen eine Umweltzone wieder aufgehoben? Eine Antwort der Politik gibt es bisher nicht.

Grenzen und P+R-Stationen: Jede Stadt hat andere Grenzen. In Berlin ist es der innere S-Bahn-Ring, in Reutlingen und Schwäbisch Gmünd sind die Hauptdurchfahrtsstraßen frei, in Stuttgart ist das gesamte Stadtgebiet gesperrt. Autofahrer bekommen aber keinen Hinweis, wo die letzte Abfahrt vor Beginn der Zone ist. Zudem liegen in Stuttgart die vier P+R-Stationen Albstraße, Österfeld, Sommerrain und Obertürkheim in der Zone und sind ohne Umweltplakette nicht zu erreichen. Knopf: „Die Stadt macht sich damit lächerlich.“

Nachrüstung: Forderungen, die geplante zweite Stufe der Fahrverbote (rote Plakette) im Südwesten von 2012 auf 2010 vorzuverlegen, weist der ADAC zurück. Eine Nachrüstung von älteren Diesel-Pkw (Euro 1 oder schlechter) zu Euro 2 würde sich in diesem Fall finanziell nicht lohnen (siehe Tabelle). Knopf: „Man sollte die zweite Stufe nicht vorziehen, sondern abschaffen.“

Frank Schwaibold, StN

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