Hoffnung auf ein Weihnachtswunder

Mitarbeiter und Bewohner demonstrieren für die Weiterführung des Altenheims
„Weihnachten steht vor der Tür. Bewohner und Mitarbeiter auch?“
Von unserem Redaktionsmitglied Thilo Kampf
Bretten. Die Mitarbeiter des Evangelischen Alten- und Pflegeheims Bretten haben die Hoffnung, dass sich ein neuer Betreiber der Einrichtung findet, noch nicht aufgegeben: Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, zogen gestern Nachmittag zahlreiche der insgesamt 58 Mitarbeiter mit Transparenten vor die Tore des Heims. Unterstützt wurden sie dabei von nicht wenigen Bewohnern, die trotz der Kälte mit den Demonstranten ausharrten.
„Weihnachten steht vor der Tür. Bewohner und Mitarbeiter auch?“ war auf einem Transparent zu lesen, die Frage „Warum wurden wir so lange von unserer Führung belogen?“ auf einem anderen. Schließlich, offenbar an den kirchlichen Träger gerichtet: „Ist das Nächstenliebe?“. Vor allem die Älteren unter den Pflegekräften fürchten, dass ihnen nach dem vom Insolvenzrichter festgelegten Termin, dem 31. Januar, die Arbeitslosigkeit droht.

Dennoch – das nötigt Insolvenzverwalter Thomas Kind Respekt ab – stehen die Mitarbeiter zu ihrer Einrichtung und engagieren sich weiterhin. Walter Berroth, Hauptpersonalrats-Chef der Diakonie Baden, verdeutlichte dies in seiner Ansprache. „Hier steht ein gutes Team. Das ist bereit, auch mit einem neuen Investor das Heim weiter zu betreiben.“
Als Gründe für die Misere nennt Berroth „ein schlechtes Gebäude-Management“ und „Probleme im Management“. Er habe sich zudem „mehr inner-diakonische Solidarität erhofft“, kritisiert der Mitarbeiter-Vertreter.

Auch die Pflegekräfte sind von ihrer Führung enttäuscht: „Man hat uns im April Hoffnung auf ein schönes, neues Haus gemacht“, erklären Sabine Erler und Beate Winter, „und im November kam die Insolvenz.“ Simone Schicht beklagt den „schlechten Informationsfluss“ von oben. Trotz alledem appellierten die Verantwortlichen der Mitarbeiter-Verwaltung (MAV) an die Bewohner, „hier zu bleiben. Wir werden Sie gut versorgen“. Und: „Vertrauen Sie mit uns, dass ein neuer Träger gefunden wird. Es ist schließlich Weihnachten – warum soll es nicht ein Weihnachtswunder geben?“

Das hofft auch die 94-jährige Käthe Lohnert, die seit elf Jahren im Altenheim ein Zuhause („Mit wunderschönem Blick auf die Stadt“) gefunden hat. „Wenn es schließen würde, käme ich nach Münzesheim. Aber mein Wunsch ist es, dass es weitergeht. Dann würde ich sofort den Vertrag rückgängig machen.“

Die Oberen des Trägervereins, Helga Veitel und Dietrich Becker-Hinrichs, bedauerten, „dass es zu dieser Demonstration kommen musste“. Ihr Mitgefühl gelte Mitarbeitern wie Bewohnern. Indes: „Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir früher an die Mitarbeiter herantreten sollten mit der Nachricht, dass das Haus kurz vor der Insolvenz steht“, sagte Becker-Hinrichs. „Aber wer wäre dann noch hierher gekommen?“.
Monatelang habe der Verein „verzweifelt gekämpft“, um die Einrichtung zu halten, doch seit Sommer habe sich die Lage zugespitzt: „Die Belegung ging zurück und wir schrieben Monat für Monat rote Zahlen.“ Es gebe in Bretten und Umgebung „mittlerweile ein Überangebot von Heimplätzen – in modernen Heimen mit Einzelzimmern, mit Gärten für Demenzkranke und schönen Parkanlagen. „Wir konnten als kleiner Verein mit dem veralteten Haus in dem knallharten Wettbewerb nicht mehr mithalten.“

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6 Antworten zu Hoffnung auf ein Weihnachtswunder

  1. mm sagt:

    Hallo T/U
    gemach,gemach! Die Schulden sind bezahlt, die Auslastung weiter bei 50%, die Konkurrenz schläft auch nicht …

  2. walt. sagt:

    Die Vertreter der Stadt und/oder der städtischen Wohnbau werden schlecht verhandelt haben.

  3. T/U sagt:

    Hallo mm im 3. Kommentar!
    Wette verloren!

  4. mm sagt:

    ich mache jede Wette, dass der nächster Eigentümer der Immobilie die Stadt Bretten, bzw. die Wohnbau GmbH ist. Ein Altenheim wird dort sicher aber nicht mehr betrieben werden !

  5. -rl- sagt:

    Wenn das so ist (Komm. 1 JoSt), dann mögen die BNN die Stellen der Berichterstatter neu ausschreiben.

    Was in Bretten ständig passiert, kann von der BNN Chefredaktion in Karlsruhe eigentlich nicht mehr verantwortet werden. Siehe u.a. „QUALITÄT DER BNN BERICHTERSTATTUNG„.

    Ist außerdem der zahlende Leser der BNN kein Kunde mehr, oder bestätigt sich immer mehr das Gefühl einer absichtlichen Manipulation durch die Presse?

  6. JoSt sagt:

    „Trotz alledem appellierten die Verantwortlichen der Mitarbeiter-Verwaltung (MAV), an die Bewohner, „hier zu bleiben.

    Nur der Richtigkeit halber: MAV ist die Abkürzung für Mitarbeitervertretung.

    Die Mitarbeitervertretung (im kirchlichen Bereich) nimmt die Rechte und Pflichten wie der Personalrat im öffentlichen Dienst und der Betriebsrat in der freien Wirtschaft wahr.

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