Ein alter Plan

Nicht vom Ostring, vom Signalgutachten sollte in der Sitzung des Gemeinderats geredet werden. Der Lauf der Dinge war anders. Der Ring erwies sich als des Pudels Kern und das Signal-gutachten, das einmal Grundlage der Steuerung von Verkehrsströmen auf dem innerstädtischen Ring sein soll, wurde allgemein als das verstanden, was es eigentlich ist: Derzeit noch eine periphere Angelegenheit, ein Detail, ein letzter Schritt, nachdem vorher andere, zumindest der erste, getan worden sind. Und der erste Schritt wäre, die überkommenen Pläne (auch eine Dekade alt) auf Gültigkeit und Wert zu überprüfen.

Ganz anders sieht das die Verwaltung. Sie beruft sich auf den Grundsatzbeschluß des Rats vor vielen, vielen Jahren. Er ist niemals abgeändert worden und hat für sie Gültigkeit. Jetzt will man die Feinplanung absegnen lassen. Das ist – so gesehen – folgerichtig.
Die Meinung des Bürgers hat sich aber in den letzten zehn Jahren gewandelt. Sein Bewußtsein zu Lebensraum und Umwelt hat sich geschärft. Verändert hat sich schließlich auch die Zusammensetzung des Gemeinderats. Das Gremium steht bei weitem nicht mehr in der Geschlossenheit von einst hinter den alten Plänen.

Dieser Wandel zeigt sich in entscheidender Ablehnung bei den einen, in der Forderung nach Schontrassen bei den anderen und nach Modifizierungen in wesentlichen Punkten bei den Dritten. Lediglich die CDU will, von wenigen Details abgesehen, treu zum ehemaligen Beschluß stehen und den Ostring bauen lassen. Sie wird sich allerdings fragen lassen müssen, wie das mit dem zusammengeht, was sie noch vor ein, paar Wochen, vor der Wahl, angekündigt hat.

Die Entscheidung über den Ostring ist nicht leicht. Soll in Bretten forthin Frieden herrschen, kann sie nicht ohne den Bürger gefällt werden. Gefragt sind dabei nicht nur die unmittelbar Betroffenen (wenn auch die zuerst), sondern die aus der gesamten Stadt. Verwaltung und Gemeinderat müssen rasch übereinkommen und sagen, wie sie dieses Projekt korrekt und ohne Verschleierungen in den nächsten Monaten zu behandeln gedenken.

Vor allem sollte man den groben Schnitzer aus der jüngsten Ratssitzung nicht noch einmal machen. In jeder Großstadt wäre ein vergleichbar tiefgreifendes Projekt eine Sondersitzung wert gewesen, hätte man nicht mit Minuten und Stunden gegeizt. In Bretten war es ein Punkt unter elfen. Wer so verfährt, führt etwas im Schild. Oder er vermag Bedeutung und Gewicht von Dingen nicht einzuschätzen. Beides ist gleich schlimm.
ws

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1 Antwort zu Ein alter Plan

  1. mm sagt:

    Schade, solche Journalisten sollte wir heute noch in Bretten haben 🙁

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