Mahnung zu mehr Solidarität und Bescheidenheit

Neujahrsempfang der Stadt Bretten in der Stadtparkhalle:
Bretten (gm). Mit dem eindringlichen Appell an gegenseitige Solidarität, einer scharfen Absage an das Parteien-Gezänk auf Bundesebene und der Ankündigung harter Sparmaßnahmen im Brettener Haushalt eröffnete Brettens Oberbürgermeister Paul Metzger am Sonntagmorgen den Neujahrempfang der Stadt in der bis auf den letzten Stehplatz vollbesetzten Stadtparkhalle. Bei allen Warnungen vor notwendigen einschneidenden Veränderungen auch bei den Freiwilligkeitsleistungen und einer Absenkung von Standards forderte Metzger gleichzeitig zu mehr Vertrauen in die Zukunft und zur Entwicklung von positiven Perspektiven auf. Für Bretten nannte er als Ziel unter anderem neue Ansiedlungsflächen für Unternehmen und den Zuschlag für die Landesgartenschau 2010 oder 2012. Dringlicher denn je sei auch die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements: „Frage nicht, was die Stadt für dich, sondern was du für die Stadt tun kannst.“

Man habe früher schon gejammert, aber dieses Jahr werde wirklich schwierig, stellte Metzger fest, der eine grundsätzliche Bereitschaft zum Verzicht einforderte und von einer „dramatischen Finanzkrise“ für die Städte sprach. Wie dramatisch sie sei, zeige der Verwaltungshaushalt der Stadt Bretten: „Trotz eigener hoher Steuereinnahmen und den nach wie vor sehr niedrigen Personalkosten im Landesvergleich kann der Verwaltungshaushalt auch dann nicht ausgeglichen werden, wenn alle Leistungen, die nur ansatzweise als freiwillig zu bezeichnen wären, gestrichen werden könnten.“ Man werde davon ereilt, „Schulden machen und Darlehen aufnehmen zu müssen, um Darlehen zu tilgen.“

Wichtig sei es für die Stadt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, so der Verwaltungschef weiter. Die Steuereinnahmen seien zwar stetig gestiegen, müssten aber weiter gesteigert werden. Metzger wies darauf hin, dass Bretten als Flächenstadt mit zehn ehemals selbstständigen Kommunen stets deutlich höherer Grundbelastungen habe bei gleichem Finanzausgleich habe als eine kompakte stadt: „Ohne Ausweisung neuer Ansiedlungsflächen für Gewerbe und Industrie lassen sich diese Grundlasten bei den vorhadenen Bedürfnissen in den Stadtteilen immer weniger schultern.“In diesem Zusammeng ging der OB auch auf diebeantragte Landesgartenschau ein: „Im Gegensatz zu manchen Befürchtungen ist eine solche Schau für Kommunen stets strukturell und finaziell von Vorteil. Wir hätten mehr Probleme zu lösen, wenn sie nicht käme.“

Metzger ging kurz auch auf die Lage des Brettener Eizelhanels ein: „Es ist schnell geschwätzt,warum machen die Geschäfte in der Innenstadt zu? Wenn alle die, die reden, dort auch kaufen würden, hätten wir keine Probleme.“

Zahlreiche Vertreter von Verbänden, anderen Einrichtungen und Institutionen, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Bürgermeister Willi Leonhardt, sowie die Bürgermeisterkollegen aus Gondelsheim, Knittlingen, Neulingen und Maulbronn waren der Einladung gefolgt und erlebten einen ungeachtet der vom Oberbürgermeister aufgezeigten Etat-Schieflage und der angekündigten Sparmaßnahmen überaus lockeren offiziellen Start ins neue Jahr. Die Präsentation der Back- und Wurstwaren für die Brettener Altenheime durch die Innungen, die Neibsheimer Sternsinger, die gesamte Schornsteinfegerriege des Brettener Raumes und der Musikverein/Stadtkapelle Bretten sorgten für Stimmung, und beim traditionell vom OB angestimmten Badnerlied erreichten die Brettener und ihre Gäste ungeahnte Chorqualitäten- was die Lautstärke anging.

Zahlreiche Ehrungen waren in den Neujahrsempfang eingebunden – eine allerdings war auch für den OB eine Überraschung. Die Kreishandwerkerschaft der Region Karlsruhe nahm Metzger mit einer Urkunde offiziell als „Ehrenmeister“ in ihre Reihen auf: „Weil wir wissen, wie sie sich für das Handwerk einsetzen.“ Der neue Ehrenmeister suchte und fand eine Lösung zwischen Engagement für die Handwerkerschaft und ehrenamtlichem Einsatz in der Bürgerinitiative Brettener Heimatpflege und Denkmalschutz: „Werde das ehrenamtlich als Schwarzarbeiter weiterführen und das gesparte Geld in Form von Aufträgen an die Handwerker weitergeben.“

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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1 Antwort zu Mahnung zu mehr Solidarität und Bescheidenheit

  1. Matthias Menzel sagt:

    Die Mahnung zu mehr Bescheidenheit kann sich die Stadt doch auf ihre eigene Fahne schreiben ! Bei der derzeitigen Finanzsituation noch Projekte wie die Landesgartenschau voranzutreiben hat doch nichts mehr mit Weitblick zu tun, sondern ist wie der angebliche Ausweg, die Bevölkerungszahl auf über 30000 zu erhöhen, ein Ausdruck der Hilflosigkeit gegenüber einem selbst herbeigeführten finanziellen Kollaps. Vermisst wird ein Konzept zur Zurückführung der Verschuldung, das ist die einzig mögliche und verantwortungs- bewußte, weil nachhaltige Maßnahme, die wir von der Stadt erwarten ! Andere für dieses Problem jetzt verantwortlich machen zu wollen wirkt unglaubwürdig.

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