Offener für Gäste, aber auch für Autoschlangen

Mit der gewünschten Autobahnausfahrt
Nicht alle in Bretten unterstützen das Projekt
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Th. Baier

Wenn Brettens Oberbürgermeister Paul Metzger sich in Stuttgart und Bonn um die Öffnung einer neuen Autobahnausfahrt Pforzheim Nord mit direkter Anbindung Brettens an die Schnellstrasse bemüht, kann er sich breiter Unterstützung der Kommunalpolitiker, der Industrie, des Gewerbes, umliegender Gemeinden und auch der Stadt Pforzheim sicher sein. Metzgers Initiative stößt weitgehend auf positives Echo. Der direkte Autobahnanschluß werte den Raum Bretten enorm auf, meinen viele. Allerdings verbinden gerade die Kommunalpolitiker mit dem Anschluß an die Autobahn auch die Forderung nach der Lösung bestehender und zu erwartender Verkehrsprobleme in Bretten.

Oberbürgermeister Paul Metzger hat in den letzten Wochen wiederholt für die Öffnung des Autobahnanschlusses plädiert, weil dies Brettens Chancen enorm verbessere. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung von Neff trug er dieses Anliegen auch schon dem Ministerpräsidenten in Stuttgart vor. In Bretten erklärte Paul Metzger jüngst vor Firmeninhabern, daß er auch noch ein weiteres Ziel mit der Offnung der Autobahnabfahrt verbinde: Laut Verkehrszählung werde sich eine Brettener Südumgehung mit der jetzt vorhandenen Verkehrsmengen nicht realisieren lassen. Der zusätzliche Verkehr, den die Autobahn brächte, wäre der Hebel, um eine Umgehungsstrasse – aufwelcher Trasse auch immer – durchzusetzen.

Die größte Fraktion im Brettener Gemeinderat, die CDU, sieht das Bestreben nach einer zusätzlichen Autobahnausfahrt einhellig positiv, erklärte ihr Vorsitzender Erich Hochberger. Diese bringe einen kurzen Weg nach Stuttgart, eine schnelle Anbindung ans Autobahnnetz. Doch Hochberger warnt davor, in der Folge der Autobahnöffnung in Bretten provisorisch mit Bundes- oder Landesmitteln Straßen auszubauen, die den vermehrten Verkehr aufnähmen. Dies könne die Realisierbarkeit einer dennoch notwendigen Südumgehung in Frage stellen.
Für verfrüht hält die Brettener SPD derzeit die Diskussion über den Autobahnanschluß, erklärte Ortsvereinsvorsitzende Renate Knauß. Im Moment bestünde kein Bedarf. Wenn die Abfahrt wirtschaftlich erforderlich werde, sei die SPD dafür, verbinde damit aber die Forderung, den Verkehr auf einer Südspange um Bretten herumzuführen. „In Bretten gibt es aber im Moment wichtigere Probleme“, meint Renate Knauß und verweist auf die Innenstadt und Gölshausen. Die SPD sei zudem dagegen, zusätzlichen Verkehr nach Bretten zu holen, um etwa die eine oder andere Trasse zu forcieren.

Die Freien Wähler gehen, wie ihr Fraktionsvorsitzender Werner Reinacher erklärte, davon aus, daß der Autobahnanschluß „in den frühen 90er Jahren kommt“. Privat wie geschäftlich sei die um 15 bis 30 Minuten kürzere Fahrzeit positiv zu sehen. Schnellere Lieferwege machten Bretten auch interessanter als Industriestandort. Den vermehrten Verkehr sieht Reinacher zwar als großes Problem. Eventuell könne man dies aber als Hebel ansetzen, um in Bretten bestehende Verkehrsprobleme zu lösen. Die Öffnung der Autobahnausfahrt und die Lösung des Verkehrsproblems in Bretten müßten miteinander verbunden sein.

Entschieden gegen die Autobahnausfahrt zwischen Bretten und Pforzheim äußern sich die Brettener Grünen. Stadtrat Rolf Beier meint, sie bringe etwa 50 bis 100 Brettenern auf dem Weg zur Arbeit einige Minuten Ersparnis. Das Argument, die Ausfahrt verbessere die Struktur der Stadt, halten die Grünen nicht für gegeben. „Bretten hat ja schon mehrere Autobahnanschlüsse. Wir glauben nicht, daß eine Abfahrt Pforzheim Nord die Standortentscheidung eines Unternehmens beeinflußt“, meinte der Grünen-Sprecher. Dagegen fürchte er, der Autobahnanschluß werde viel Durchgangsverkehr anziehen, vor allem Lastwagen. „Das nützt nur, wenn man eine neue Straße bauen will, eine Südspange.“
„Die FDP sei“, so ihr Sprecher Stadtrat Dr. Schallhorn, „eigentlich immer dafür gewesen im Interesse der Brettener Industrie.“ Allerdings dürfe dann der Verkehr nicht durch Bretten geführt werden, sondern müsse auf einer Spange um die Stadt herumgeleitet werden. Diese Umgehung sei ein Muß. Er sei, so Dr. Schallhorn, nicht einer Meinung mit dem Oberbürgermeister, man solle Verkehr nach Bretten ziehen, damit die Umgehung kommt. „Man muß zugleich beides vorantreiben, zweigleisig fahren.“

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