„Mokka“ nimmt den Kampf gegen Flächenverbrauch auf

Landkreis Karlsruhe startet mit drei Modellgemeinden eine Initiative zur Förderung der innerörtlichen Entwicklung
Von unserem Redaktionsmitglied Michael Rudolphi
Kreis Karlsruhe. 185 Hektar, das entspricht etwa 260 Fußballfeldern – so hoch ist der durchschnittliche Flächenverbrauch pro Jahr im Landkreis Karlsruhe. Dass es mit der Versiegelung so nicht weiter gehen kann, darüber sind sich die politisch Verantwortlichen im Kreis, aber auch in den Städten und Gemeinden einig. Doch wie den gigantischen Flächenfraß stoppen? Mokka soll’s nun richten.

Nein, mit einem gemütlichen Beisammensein auf eine Tasse Kaffee hat das Ganze nichts zu tun. Mokka – hinter dieser Abkürzung verbirgt sich das Modellvorhaben Kommunales Flächenmanagement Kreis Karlsruhe. Als erster in Baden-Württemberg ergreift der Landkreis Karlsruhe mit diesem Pilotprojekt die Initiative. Mit im Boot sind die drei beteiligten Modellgemeinden Gondelsheim, Graben-Neudorf und Karlsbad (siehe auch „Weg von der Randentwicklung“). Gestern unterzeichneten Landrat Christoph Schnaudigel und die Bürgermeister der drei Kommunen eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. „Ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit den Böden ist uns wichtig“, betonte Schnaudigel.

Worum geht’s bei Mokka? Ziel der Initiative ist es, in den drei ausgewählten Kommunen, die über den gesamten Kreis verteilt sind und unterschiedliche Strukturen aufweisen, die heutigen und zukünftigen Potenziale für Wohnflächen zu erheben und mit angepassten Strategien zu aktivieren. Dahinter steckt im Wesentlichen die Strategie „Weg von der Außen- und hin zur Innenentwicklung“. Da gibt es noch ein riesiges Potenzial. Sabine Müller-Herbers vom Mannheimer Planungsbüro Baader-Konzept beziffert es auf eine Größenordnung von 15 bis 40 Prozent. Baulücken, ehemalige landwirtschaftliche Gebäude, Leerstände und Brachflächen kommen dafür infrage.

Die Gründe für diese Rückbesinnung auf die innerörtlichen Flächen liegen für die Initiatoren des Projekts auf der Hand: Die Bevölkerungsentwicklung im Kreis Karlsruhe stagniert, vor allem im ländlichen Raum gehen die Einwohnerzahlen bereits zurück. Hinzu kommt die zunehmende Überalterung – die Folge ist nach Ansicht der Experten ein erheblicher Bestand an nicht genutztem Wohnflächenpotenzial. „Viele Neubaugebiete werden in den nächsten Jahren entvölkert sein“, beschreibt Gerd Hager, Direktor des Regionalverbandes Karlsruhe das zukünftige Szenario.
Eine erfolgreiche Innenentwicklung hat nach Auskunft von Sabine Müller-Herbers viele Gewinner. An erster Stelle die Kommunen: Sie nutzen die vorhandene Infrastruktur effizienter. Die Ortskerne erfahren eine Aufwertung, prägende Ortsbilder und die damit verbundene Wohn- und Landschaftsqualität bleiben bewahrt. Und was haben die Bürger davon? Sie profitieren von einem attraktiven und lebendigen Ortskern mit kurzen Wegen und mit Geschäften und Dienstleistungen im jeweiligen Viertel. Immobilienbesitzer wiederum brauchen keine schleichende Entwertung durch übermäßige Baulandausweisung zu befürchten, erläutert Sabine Müller-Herbers.

Mokka ist auf eine Laufzeit bis 2011 angelegt. Zunächst geht es darum, in den drei Gemeinden alle vorhandenen und für eine Innenentwicklung relevanten Flächen systematisch zu erfassen. Zusammen mit einer fundierten Abschätzung des künftigen Wohnflächenbedarfs bilden diese Daten die Grundlage für die zweite Stufe ab Mitte 2010. Vorgabe ist es dann, passgenaue Strategien sowie Handlungsempfehlungen zu entwickeln und diese soweit wie möglich umzusetzen. Am Ende sollen von den in den Modellgemeinden gewonnenen Erkenntnissen auch alle anderen Kommunen im Kreis Karlsruhe profitieren.

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10 Antworten zu „Mokka“ nimmt den Kampf gegen Flächenverbrauch auf

  1. zurh. sagt:

    Nur ein Irrläufer?

  2. edd. sagt:

    Wirkungslose Flächensparappelle der Landesregierung – ein alter Hut!

    „Mokka“ – ein neuer Hut? Wer soll den noch ernst nehmen?

  3. cv- sagt:

    Eine plakative Überschrift geht nicht immer mit einem vernünftigen Inhalt einher.

  4. RL sagt:

    Einfach mehr nach oben bauen, da ist noch Platz! leider hat man das nur in Frankfurt begriffen… Schonmal in New York oder Dubai geschaut? So wird das gemacht. Man könnte die Fläche von Bretten sicherlich locker halbieren mit ein paar gescheiten Gebäuden mit 400 Stockwerken. In jedem Gebäude noch ein paar Läden rein, im Keller die Tiefgaragen und im Erdgeschoss hält die S4 alle 15 Minuten …

    Leider wurde das in Deutschland jedoch meistens verbockt. Hochhaussiedlungen wurden meistens zu sozialen Brennpunkten. Einfach mal das Burj Dubai oder die Petronas Towers angucken… Wer da mal ne Wohnung gesehen hat, der pfeift auf die Reihenhaussiedlung…

  5. jos.pr. sagt:

    Bericht „Mokka“

    Ich meine, ich habe beim Lesen was auf den Augen! 🙂

  6. ghg sagt:

    Seit September 1999 läuft das Verfahren „Bebauung Schloßbuckel“.

    Vor dieser Zeit wurde die Gemeindeverwaltung Gondelsheim von mir darauf hingewiesen, zunächst die örtlichen Baulücken schließen zu lassen.

    Hilfreich für eine derartige Vorgehensweise: Das Baulücken-Kataster.

  7. otto sagt:

    Zwischen dem wünschenswerten Anspruch und der nicht zu leugnenden Wirklichkeit klaffen tiefe Abgründe!

  8. mm sagt:

    wäre das Programm denn nur so belebend wie Mokka, aber das ist doch eine Schlaftablette! Am Beispiel Rüdtwald hat man doch gesehen wie es läuft : wenn eine Gemeinde heute ein Bau- oder Industriegebiet will, dann wird der Bedarf nicht nachgewiesen, sondern einfach behauptet und gut ist’s. Alle Programme zur Reduktion des Flächenverbrauchs sind überflüssig, die Einhaltung der bereits bestehenden Gesetzte und Verordnungen würde genügen, Stichwort Bedarfsnachweis!
    Aber dazu wären Konsequenz und Geradlinigkeit ohne parteipolitische Mauscheleien nötig und wir können ja (fast) alles, aber das nicht…

  9. Gerhard H. sagt:

    „Ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit den Böden ist uns wichtig“, betonte Schnaudigel. 🙂

    „Viele Neubaugebiete werden in den nächsten Jahren entvölkert sein“, beschreibt Gerd Hager, Direktor des Regionalverbandes Karlsruhe das zukünftige Szenario. 🙁

    Gelten diese Aussagen tatsächlich auch für die Mokka-Modell Gemeinde Gondelsheim?

  10. Gerhard H. sagt:

    Ich soll mich wohl kaputtlachen?

    „Schlossbuckel wird zum Wohnviertel“ BNN 4. Juni 2009

    Von den insgesamt 8,5 Hektar werden 7,6 Hektar fürs Wohnen vorgesehen.

    Flächenverbrauch – nein danke? 🙁

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