Einsatz für die Natur soll sich rechnen

Von Peter Hohl
Wo die Wirtschaft wächst, weicht die Natur. Meistens. Dass es auch anders geht, versuchte die Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg bei einer regionalen Tagung mit Pilotcharakter gestern im Öhringer Rathaus zu vermitteln.
„Wirtschaftsförderer beschäftigen sich nicht primär mit Umweltschutz. Die schauen, dass sie so viele Betriebe ansiedeln wie möglich“, weiß Pascal Bader vom Referat Grundsatzfragen im baden-württembergischen Umweltministerium. Deshalb hatte die Umweltakademie Wirtschaftsförderer aus Landratsämtern und Rathäusern in der Region Heilbronn-Franken nach Öhringen geladen.

Im mittleren Neckarraum ist der Flächenverbrauch durch Wirtschaft und Wohnungsbau derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Warum ging die Akademie mit ihrer Pilottagung nach Öhringen und nicht nach Stuttgart? Die Antwort gibt der Öhringer Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete Jochen K. Kübler: Die Region Heilbronn-Franken gehört bei der Wirtschaftsentwicklung zu den drei stärksten Regionen in Baden-Württemberg.

Das Miteinander von Natur, Wirtschaft und Wohnen ist auch in der Großen Kreisstadt selbst ein Thema. Kübler verwies auf die agrarstrukturelle Entwicklungsplanung, ebenfalls ein Projekt mit Pilotcharakter in Baden-Württemberg. Er berichtete vom Bemühen der Stadt, bei der Regenwasserableitung in Gewerbegebieten neue Wege zu gehen: „Das hat überhaupt nicht geschadet bei der Ansiedlung neuer Betriebe.“ Und er wies darauf hin, dass derzeit im Ortsteil Michelbach auf einer Gewerbebrache mitten im Ort ein neues Wohngebiet entsteht.

Sparsamer Umgang mit der Landschaft, sparsamer Umgang mit Wasser, Energie und Rohstoffen – das sollen die Zukunftsthemen in der kommunalen Wirtschaftsförderung sein. Was die Planer und Förderer in den Rathäusern anstoßen, das soll sich zwischen und in den Betrieben fortsetzen. So stellt sich Pascal Bader vom Stuttgarter Umweltministerium eine zukunftsfähige Gewerbeansiedlung vor.

Wie dies in der Praxis aussieht, davon berichtete Kurt Weissenbach, Geschäftsführer des Modells Hohenlohe. Bisher hatte er überwiegend mit den Betrieben selbst zusammengearbeitet. Nun sucht das Modell Hohenlohe verstärkt auch den Kontakt zu den kommunalen Wirtschaftsförderern.

„Man kann nicht alles nur an den Personalkosten festmachen“, lautet Weissenbachs Überzeugung mit Blick auf die Zukunft des Wirtschaftstandorts Deutschland. Das Modell Hohenlohe versuche zu vermitteln, dass sich betrieblicher Umweltschutz rechnet. Diese Erkenntnis sollen die kommunalen Wirtschaftsförderer „in ihre tägliche Arbeit aufnehmen“, lautet Weissenbachs Wunsch.

Neben harten ökonomischen Kriterien wie Verkehrsanbindung und Gewerbeflächen machen auch weiche Faktoren wie Natur und Kultur den Wert eines Wirtschaftsstandorts aus. Darauf wies Karl-Heinz Ehrmann hin, der Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative Hohenlohekreis (W.I.H.).

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