Einigung auf Gewerbegebiet?

Neuer Vorschlag: Steinäcker Nord – Neulingen, Kieselbronn, Eisingen und Ispringen für Drautz-Idee aufgeschlossen

NEULINGEN/KIESELBRONN. „Wir haben sensationelle Fortschritte erzielt“, staunte der Neulinger Bürgermeister Heinz Raißle. Im Ringen um ein Gewerbegebiet scheint eine Einigung mit Kieselbronn greifbar zu sein.
Die PZ hatte gestern Vormittag neben Raißle seine Bürgermeister-Kollegen Heiko Faber aus Kieselbronn, Roland Bauer aus Eisingen und Heinrich Kemmet aus Ispringen sowie Regionalrat Gerhard Drautz zu einem Vor-Ort-Termin in die Katharinentaler Senke gebeten. Einen Tag zuvor hatte sich der regionale Planungsausschuss nichtöffentlich mit dem Thema ausführlich befasst.

„Seit über 20 Jahren kämpfe ich für den Erhalt der Katharinentaler Senke, zuerst an der Seite mit dem Neulinger Bürgermeister Helmut Britsch, dann gemeinsam mit dessen Nachfolger Heinz Raißle“, hielt der Kieselbronner Alt-Schultes Gerhard Drautz ein flammendes Plädoyer für die „größte abflusslose Trockensenke Europas.“ Drautz, einziger Vertreter dieses Bereiches in der Regionalverbandsversammlung, ebnete zugleich den Weg für eine Einigung mit einem überraschenden Vorschlag: „Vom Gewann Steinäcker Nord wäre keine Gemeinde negativ betroffen.“
Firmen statt Grünzug?

Diese Fläche, die Platz für ein Gewerbegebiet zwischen zehn und fünfzig Hektar böte, liegt südlich der nach Eisingen und Ispringen führenden Kreisstraße 4530 im Bereich des Kreisels, nördlich der Katharinenthaler Senke und wird von der Bundesstraße 294 begrenzt. Allerdings: Im Entwurf des Regionalplans 2015 ist dafür ein Grünzug vorgesehen.
Wie die PZ erfuhr, würde damit zugleich auf einen Empfehlungsbeschluss des regionalen Planungsausschusses reagiert. Einen Tag zuvor war nämlich auf Anregung von Drautz und des Calwer Landrats Hans-Werner Köblitz der Regionalverband einstimmig aufgefordert worden, nach weiteren Lösungen zu suchen. Das Gremium sprach sich zugleich mit knapper Mehrheit weiterhin für die Festsetzung eines neuen Grünzugs westlich der B 294 aus, den Kieselbronn fordert, Neulingen aber ablehnt.
„Wenn der Gemeinderat mitmacht und der Regionalverband die Voraussetzungen schafft, geht der Vorschlag in Ordnung“, erklärte Raißle zu der Idee von Drautz. Vor zirka fünfzehn und erneut vor etwa acht Jahren stand bei Untersuchungen des Regionalverbandes die jetzt ins Spiel gebrachte und Neulingen gehörende Fläche bereits zur Disposition. Sie wurde jedoch damals nicht weiter verfolgt. Nur ein Problem sieht der Neulinger Schultes: „Es könnte eine Splittersiedlung entstehen.“ Dagegen wäre laut Raißle ein Kanalanschluss an das nicht weit entfernte künftige Pforzheimer Gewerbegebiet Buchbusch möglich.
Gesprächsbereitschaft

Auch der Kieselbronner Bürgermeister Heiko Faber ist bereit, mit seinem Gemeinderat über die Anregung seines Amtsvorgängers Drautz zu diskutieren. Selbst zu einem von Eisingen und Ispringen geforderten Interkommunalen Gewerbegebiet (IKG) sagt Faber nicht grundsätzlich nein: „Ich schließe das nicht aus. Das geht aber nur gemeinsam mit Pforzheim.“ Klar machte der Kieselbronner Verwaltungschef zugleich: „Früher gab es einen Konsens, dass östlich der B 294 nichts gebaut werden sollte.“
Die Bürgermeister Kemmet und Bauer warben um Verständnis für ihr Verlangen nach einem IKG. Für Ispringens Oberhaupt Kemmet gilt: „Der Gemeinderat hat sich von einem eigenen Gewerbegebiet gedanklich verabschiedet. Jegliches Kirchturmdenken sollte außen vor bleiben.“ Zehn bis zwanzig Hektar wären für ihn ein erster Schritt mit Erweiterungsmöglichkeiten auf zirka 50 Hektar.

Sein Eisinger Kollege Roland Bauer fährt ähnliche Argumente für ein IKG auf: „Topografisch ist bei uns eine weitere Entwicklung und ein Industriestandort nicht möglich.“ Den Platzbedarf für ein Interkommunales Ge-werbegebiet beziffert er auf zehn bis zwanzig Hektar. Immerhin hatte der Planungsausschuss am Mittwoch einer Erweiterung der Firma Rutronic um zirka 90 Meter bis ins Tal zugestimmt.
Regionalverbandsdirektor Jens Kück, nach dem gestrigen PZ-Termin mit der neuen Situation konfrontiert, meinte zum Vorschlag Steinäcker Nord: „Das muss neu überprüft werden. Aus dem Bauch heraus kann ich mir bei zehn Hektar eine Lösung vorstellen, bei 50 Hektar würde es dagegen sehr, sehr schwer werden.“ Welche Bedeutung der Bereich Katharinentaler Senke hat, macht Kück auch damit deutlich: „Das war eine Ausnahme, dass der Planungsausschuss den betroffenen Bürgermeistern vor dem Gremium Rederecht eingeräumt hat.“

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