Glück und eiserner Sparwille–Schuldenfrei sind nur wenige kleine Kommunen im Land

BRÜHL/STUTTGART (lsw). Sie sind selten, aber es gibt sie noch: schuldenfreie Kommunen im Land. Allen Hiobsbotschaften ihrer Kollegen zum Trotz legen einige Kämmerer doch noch Jahr für Jahr positive Zahlen vor.

Dahinter steht manchmal Glück, meist aber vor allem ein eiserner Sparwille. Der Gemeindetag geht allerdings davon aus, dass auch das bald nichts mehr hilft. Bei sinkenden Einnahmen aus dem kommunalen Finanzausgleich und steigenden Ausgaben durch ständig neue Aufgaben würden auch diese Gemeinden selbst ohne große Investitionen „zwangsläufig“ in die roten Zahlen rutschen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gemeindetages, Christian Steger, voraus.

Die höchste Pro-Kopf-Verschuldung lastet demnach auf der 4000-Einwohner-Stadt Sankt Blasien (Kreis Waldshut) mit 3445 Euro, auf Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis, 12 000 Einwohner) und auf der Landeshauptstadt Stuttgart (585 000 Einwohner) mit 2427 Euro Schulden pro Kopf. Bad Wildbad (Kreis Calw, 11 000 Einwohner) drückt eine Schuldenlast von 2371 Euro je Einwohner, für Mannheim (300 000 Einwohner) liegt der Wert bei 2050 Euro.

Es sind vor allem die ganz kleinen der 1110 Gemeinden im Land, die völlig schuldenfrei sind. Aber es gibt auch größere, und deren Rezept zu Schuldenfreiheit lautet meist einfach: sparen. Am erfolgreichsten scheint man dabei im badischen Brühl (Rhein-Neckar-Kreis) zu sein. Seit 1991 trägt die Heimatstadt von Steffi Graf das Etikett „schuldenfrei“, wobei die Rückzahlungen nach der Steueraffäre des ehemaligen Tennisstars bei der Haushaltssanierung keine Rolle gespielt hätten, wie Bürgermeister Ralf Göck (SPD) versichert. Auf den Bau eines neuen Bürgerhauses habe man Anfang der achtziger Jahre ebenso verzichtet wie jetzt auf ein neues Feuerwehrgerätehaus.

Glück zur rechten Zeit hatte hingegen Möckmühl (Kreis Heilbronn). Mit dem Verkauf der Aktien des Energiekonzerns EnBW und einem neuen Gewerbegebiet, das durch die Ansiedlung des Kaufland-Dienstleistungszentrums mit einem Schlag belegt war und nun kräftig Gewerbesteuer abwirft, kam die 8300-Einwohner-Stadt plötzlich auf die finanzielle Sonnenseite.

Andere profitieren von ihrer günstigen Lage, wie etwa Linkenheim-Hochstetten (Kreis Karlsruhe). Die 11 700 Einwohner sind mit der Stadtbahn in 20 Minuten in der Karlsruher Innenstadt. Ein teures Schwimmbad etwa musste die Gemeinde nie bauen. Trotzdem ist auch dort die Schuldenfreiheit laut dem Hauptamtsleiter Ewald Ritz eine Folge konsequenten Sparens. Da es wenig Gewerbe am Ort gibt, habe es nie die Verlockung gegeben, Investitionen auf die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu stützen.

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