Bretten flirtet mit Enzkreis

OB der Vorzeige-Kommune aus dem Nachbarkreis hätte nichts gegen einen Wechsel und will Strukturreform

BRETTEN/ENZKREIS. Der Landkreis Karlsruhe, ermittelte das statistische Landesamt, sei der innovativste in Baden-Württemberg. Trotzdem zieht es den Brettener Oberbürgermeister Paul Metzger, den der erste Bevollmächtigte der IG Metall Karlsruhe, Stürmlinger, kürzlich in einem Interview durchaus mit Hochachtung als „kleinen König“, tituliert hat, in den Enzkreis: „Eigentlich wäre Bretten im Enzkreis besser aufgehoben. Ich könnte mir vorstellen, Teil des Enzkreises oder eines mit dem Landkreis Karlsruhe vereinigten Großkreises zu sein.“

Dabei spielen für Metzger, der es geschafft hat, mit seiner Ansiedlungs- und Wohnungsbaupolitik über die Landesgrenzen hinaus Furore zu machen und die Brettener Arbeitslosenquote auf fünf Prozent unter den Landesdurchschnitt zu drücken, geschichtliche und geografische, aber auch aus der Mittelzentrumsfunktion Brettens erwachsene Verflechtungen eine Rolle. Die letzte große Kreisreform habe diese Verflechtungen nicht aufgegriffen und Bretten in eine falsche Randlage gebracht. „Tatsache ist, wir sind eben räumlich und topografisch enger mit Pforzheim verbunden. Und Gemeinden wie Knittlingen, Neulingen und Ötisheim haben ähnliche Strukturen wie wir, während die Entwicklungen im Bereich des Rheintals ganz anders verlaufen.“ Was, wie Metzger ausdrücklich betont, keineswegs gegen den Landkreis Karlsruhe spricht. Nur: „Die Hochhäuser in Karlsruhe sind so niedrig, dass man von dort nicht über die sieben Hügel nach Bretten schauen kann.“ Trotzdem keine Vorwürfe in Richtung Karlsruhe: „Wir arbeiten sehr gut zusammen.“

Metzger sieht die Verflechtungen in den Enzkreis hinein und zu Pforzheim in den letzten Jahren immer mehr gestärkt: „Wir haben permanente Kontakte, und die Bürger sind zum Glück nicht an Verwaltungsgrenzen orientiert. Auch muss man feststellen, dass die Stadt Bretten nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, einkommensstarke Unternehmen in der Region anzusiedeln. Mir ist es wichtig, die Hand zu den Enzkreis-Gemeinden auszustrecken.“ Lieblingsthema des Verwaltungschefs ist und bleibt dabei eine nach seiner Meinung unumgängliche und zwingend notwendige Strukturreform mit größeren Landkreisen, einer durch eine stärkere Konzentration effizienteren Verwaltung und einer Delegation von Aufgaben auf die kommunale Ebene. „Wenn es nach mir ginge, käme diese Verwaltungsreform schnell. Sie hätte nicht nur finanzielle Vorzüge, sondern könnte auch begünstigen, dass zusammenwächst, was zusammengehört.“

Offene Arme beim Enzkreis
„Wenn die je käme, könnte ich mir gut vorstellen, Bretten einzugliedern, der Raum würde gut in den Enzkreis passen“, unterstützt der Landrat des Enzkreises, Werner Burckhart, das Anliegen des Brettener Oberbürgermeisters. „Wir würden ihn mit offenen Armen aufnehmen.“ Burckhart verweist ebenso wie Metzger auf die eben 30 Jahre alt gewordene Kreisreform: „Wir waren damals sehr daran interessiert, Bretten in den Enzkreis zu bekommen. Aber die Karlsruher Abgeordneten hatten mehr Einfluss in Stuttgart als die Pforzheimer.“

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