Schulreform durch Streichung von Lehrerstellen?! Ein klares NEIN zur Billiglösung!

Erhard Korn von der GEW deckt die Schwachstellen der grün-roten Schulreform auf / Vortragsveranstaltung des Ortsverbandes Bretten der LINKEN
Als größten Missstand in Zusammenhang mit der Schulreform bezeichnete Erhard Korn von der GEW die geplante Streichung von 11.600 Lehrerstellen, die von der grün-roten Landesregierung den Bürgern als Sparmaßnahme und „demografische Rendite“ verkauft werde. Der engagierte Gewerkschaftler referierte am Mittwoch, den 24.10.2012 auf einer gut besuchten Vortragsveranstaltung der LINKEN zur prekären Lage von Bildungsstätten in Baden-Württemberg, zu der der Ortsverband Bretten eingeladen hatte.

Erhard Korn, Vorsitzender der GEW-Fachgruppe Haupt- und Werkrealschulen und selbst Leiter einer Grund- und Werkrealschule, gab einen informativen Einblick in de Bildungsproblematik im Ländle. Zahlreiche Probleme treten hierbei zu Tage: Täglich hätten Eltern und Lehrer mit bürokratischen Hemmnissen zu kämpfen wie beispielsweise beim Streit mit der ARGE über Essensgeld. Diesen Zustand empfänden Eltern wie Kinder sehr erniedrigend und herabwürdigend. Das Wahlversprechen des Ministerpräsidenten, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln, scheint in der Praxis noch nicht eingelöst zu sein.

„Der größte Missstand in Zusammenhang mit der Schulreform ist jedoch die geplante Streichung von 11.600 Lehrerstellen“, stellt Korn klar. „Dieses verordnete Spardiktat steht allerdings in völligem Widerspruch zur derzeitigen Lage im Bildungswesen. Bei der Lehrerschaft besteht im Moment ein lange aufgebauter Überstundenstau.“ Die Lehrer seien überlastet. Dies führe oft zu Folgeerkrankungen. Allein in 2011 gab es in Baden-Württemberg 3200 Krankheitsvertretungen. Nun beabsichtige die Landesregierung flächendeckend Ganztagsunterricht einzuführen und als aberwitziges Mittel zur Kompensierung des Lehrbedarfs sollen Lehrerstellen gestrichen werden. „Ein vernünftig denkender Mensch kommt hier zu dem logischen Schluss, dass zusätzliche Lehrkräfte einzustellen sind. Falsch gedacht!“, so Korn weiter. „Unsere Landesregierung möchte, um einzusparen, alle ergänzenden Angebote wie AGs auflösen und in Krankheitsvertetungen für Pflichtunterricht umwandeln.“ Diese sollen durch so genannte „pädagogische Assistenzkräfte“ in kurzfristigen Vertretungsverträgen ausgefüllt werden. Der Billiglohnsektor solle sich demnach auch im Bildungswesen ausbreiten. Korn berichtete von einer Pädagogin, die für 700.- Euro brutto monatlich arbeitet. Studenten bekämen für Vertretungsunterricht eine „Übungsleiterpauschale“ von 7 Euro pro Stunde. „Nun hält also das betriebswirtschaftliche Dumping-Lohn Denken Einzug in die letzte Bastion des gesellschaftlichen Lebens, dem von der vermeintlichen Intelligentia beherrschten Bildungswesen“, stellte der Gewerkschaftler fest. All dies geschehe zu Lasten der Lehrerschaft, der Schüler und vermindere die Qualität des Unterrichts.

Der Sparzwang greift um sich. Privatschulen seien vom Sparzwang jedoch ausgenommen. Ein Privatschüler erhält derzeit vom Staat eine Förderung von 2900 Euro, während ein gewöhnlicher Realschüler auf eine staatliche Förderung von 556 Euro hoffen dürfe. Da stelle sich natürlich die Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Ein weiteres Problem stellten die ausufernden „prekären Entwicklungsmilieus“ dar. So stünden 40 % der Schulabgänger in beruflichen Warteschleifen (BVJ). 20 % der Jugendlichen hätten eine zu niedrige Lesekompetenzstufe für eine berufliche Ausbildung.

Ein weiterer Schwachpunkt bei der Einführung neuer Gemeinschaftsschulen im Lande bestünde darin, dass durch das G9- Gymnasium (9-jähriger Zug) faktisch eine interne Realschule und durch den G8-Zug eine interne Hauptschule ergebe. Dadurch ergebe sich im Umkehrschluss wieder ein dreigliedriges Schulsystem.

Erhard Korn und die GEW fordern daher die Sicherstellung der Bildungsfinanzierung durch die Aufhebung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern. Durch höhere Steuereinnahmen kann der Bund eine flächendeckende Bildungsfinanzierung besser gewährleisten. Dies könne auf Bundesebene durch die Einrichtung von Bildungsfonds geschehen, die die maroden Gemeindehaushalte entlasten können.

Außerdem sei eine flächendeckende Einführung von Gemeinschaftsschulen dringend erforderlich, forderte Korn. Diese stärkten die individuelle Förderung und seien weltweit bereits Standard.
Für die Übergangszeit solle ein Umbauplan mit Besoldungsangleichungen erstellt werden. Weiterhin sollte ein Förderkonzept für Migrationskinder kreiert werden, um deren gewaltiges Entwicklungspotential zu nutzen.

Korns Appell am Ende der Veranstaltung: „Die GEW ruft daher alle Eltern auf, für ein breites Bündnis gegen die geplante Streichung von 11.600 Lehrerstellen einzustehen!

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