Stadtwerke mit größtem Profit

Bretten veröffentlicht Beteiligungsbericht / Mitglied bei Jugendmusikschule
Drei städtische Töchter werfen 724 000 Euro ab
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Schultz
Bretten. Bretten kümmert sich um vielerlei Dinge. Bisweilen kann das über die eigentlichen Kernaufgaben als Dienstleister für die Einwohner hinausgehen. Die Stadt ist mit einem Konzern vergleichbar, dem Tochtergesellschaften zu 100 Prozent gehören oder an denen er beteiligt ist „zum Wohle der Bevölkerung“, wie es im aktuellen Beteiligungsbericht heißt, den die Stadtverwaltung jetzt vorgelegt hat. An 15 Gesellschaften, Betrieben und Zweckverbänden war Bretten 2009 beteiligt.

Komplett in der Hand der Stadt sind die Kommunalbau GmbH, die Stadtwerke, die Städtische Wohnungsbau GmbH und der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung. Die drei erstgenannten Unternehmen schlossen laut Bericht mit einem Gewinn ab. Insgesamt 724 000 Euro erwirtschafteten diese Firmen 2009. Am profitabelsten arbeiteten die Stadtwerke. Sie erreichten ein Plus von 493 000 Euro. Zu diesem positiven Jahresergebnis trug vor allem der Verkauf von Strom, Erdgas und Wasser bei. Die Stadtwerke betreiben darüber hinaus das Hallen- und das Freibad sowie 548 Autoabstellflächen auf öffentlichen Parkplätzen, in Parkhäusern und Tiefgaragen.

Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung bereitzustellen, kommunale Siedlungspolitik zu unterstützen und Infrastruktur-Projekte in Bretten anzugehen – das sind die Ziele der Städtischen Wohnungsbau GmbH. Der Gesellschaft gehörten 472 Wohnungen, 366 Garagen und Pkw-Stellplätze sowie ein Kindergarten – alles vermietet. Neben den eigenen Immobilien verwaltete die Wohnungsbau 259 fremde Wohnungen. Ein Plus in Höhe von 219 000 Euro weist das Betriebsergebnis der Wohnbau GmbH für 2009 aus. Eine feste Größe in der Bilanz ist der Posten Instandhaltung und Modernisierung der Immobilien. Hierfür gab man 478 000 Euro aus.

Einen Überschuss in Höhe von 12 000 Euro erwirtschaftete die Kommunalbau GmbH. Im Geschäftsjahr 2009 verwaltete und betreute das Unternehmen 17 Objekte mit 41 laufenden Mietverträgen. Im Auftrag der Stadt war die Kommunalbau als Sanierungsträger in verschiedenen Sanierungsgebieten in Bretten tätig. „Die Investitionen in Neubauten und in gebrauchte Immobilien konzentrieren sich in aller Regel auf Unternehmen in innovativen und zukunftssicheren Branchen, welche im Stadtgebiet neu ansiedeln oder den vorhandenen Standort ausbauen zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen“, so der Bericht. Insgesamt belief sich das Anlagevermögen auf 21,3 Millionen Euro (Ende 2009), die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten beliefen sich auf 18,3 Millionen Euro. Gleichzeitig verringerten sich die Schulden um rund 5,4 Millionen Euro.

Geringere Einnahmen und höhere Ausgaben prägen die Bilanz des kommunalen Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung. Deswegen hat der Entsorgungsbetrieb rote Zahlen geschrieben. Unterm Strich stand ein Verlust von rund 644 000 Euro. Weitere Beteiligungen hielt die Stadt beim Abwasserverband Weißach- und Oberes Saalbachtal (45,3 Prozent) sowie beim Abwasserzweckverband Oberer Kraichbach (5,5 Prozent).

Bretten tritt als Förderer von kulturellen Einrichtungen auf. Die Stadt ist Mitglied im Verein Badische Landesbühne, beim Verein Kraichgau-Stromberg Tourismus und im Verein Jugendmusikschule Unterer Kraichgau. Letzter erhielt 2009 einen Zuschuss in Höhe von 214 000 Euro. Weitere Anteile hält die Stadt unter anderem am Badischen Gemeinde-Versicherungsverband und an der Gesellschaft Technologie Region Karlsruhe.
Zum Vermögen gehörten 1 290 Anteile an der Südzucker AG. Der Gesamtwert des Aktienpakets: fast 99 000 Euro.

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11 Antworten zu Stadtwerke mit größtem Profit

  1. ghg sagt:

    @ h – z am 25. Dezember, 2010

    „Sicher ist für 2010 ein Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro angepeilt. Es lebe der neue Kapitalismus!“ 🙂

    Dazu BNN am 12. Januar 2011

    „EnBW: Strom wird teurer

    …Zu den Gewinnen durch die Laufzeitverlängerunmg der Atomkraftwerke äußerte sich Villis verhalten. Es bleibe weniger als eine Milliarde Euro Gewinn übrig.“

    Daher muss Strom teurer werden, um mindestens zwei Milliarden Euro Gewinn zu erreichen.
    Mir tun eigentlich nur die EnBW-Kunden leid.
    Und natürlich auch der EnBW-Chef Villis!:-(

  2. ghg sagt:

    @ -el- am 10. Januar 2011

    Fakten bleiben nun mal Fakten! Vielen Dank für die umfassende Aufklärung.

    Kurz beschrieben:
    Nette sowie rechtlich nicht zu beanstandende Form der finanziellen Abzocke aller Stadtwerke-Kunden über die überteuerten Gebühren zu Gunsten des dauerdefizitären Brettener Gemeindehaushalts.

    Wahrscheinlich auch noch von einem Abschlussprüfer (Wirtschaftsprüfer) mit Testat (pflicht-)geprüft.
    Dazu bleibt stets noch Geld übrig, um sich damit irgendwo zu beteiligen.

  3. -el- sagt:

    @ h – z am 7. Januar, 2011
    „…der Konzessionsabgabebetrag in seiner Höhe (geschätzt: sechsstellig)…“

    Schlecht geschätzt! Darf es etwas mehr sein?

    Hier die Zahlen aus der Beschlussfassung zur Gesellschafterversammlung vom 19.10.2010 für das Jahr 2009:
    „Die erwirtschaftete Konzessionsabgabe in Höhe von 1.653.571,38 EUR wird an die Stadt Bretten abgeführt. Der Jahresüberschuss in Höhe von 493.254,50 EUR wird an die Stadt Bretten ausgeschüttet. Der Ausschüttungsbetrag beträgt nach Abzug von Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag voraussichtlich 414.350,00 EUR.“

    Wenn man bedenkt, dass diverse Beteiligungen oder Schwimmbadneubau usw. auch noch nebenher finanziert werden, so können die Rohstoffe (Strom, Wasser, Gas) gar nicht so viel kosten.

    Außerdem werden die Zinsbelastungen aus 26.008.755,80 EUR Verbindlichkeiten durch regelmäßige Preiserhöhungen von den Kunden wahrscheinlich locker abgefangen.

    Unverständlich erscheint bei so gutem Verdienst nur die verringerte Eigenkapitalquote von 28,9% – im Vergleich zum Vorjahr von 30,5%.

  4. h - z sagt:

    So viele neue Versorgungsleitungen auf Brettener Gemarkung kommen in einem Geschäftsjahr der Brettener Stadtwerke nicht hinzu, als daß der Konzessionsabgabebetrag in seiner Höhe (geschätzt: sechsstellig) damit zu rechtfertigen wäre.

    Verdeckte Gewinnausschüttung oder Gewinnabführung aus Gewinnabführungvertrag scheiden aus.

    Nur, wenn Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärme-Kunden mit ihren Zahlungen indirekt den defizitären Gemeindehaushalt der Stadt Bretten stützen, dann ist ihnen die genaue Höhe dieses Betrages mitzuteilen.

    Vorzugsweise in der Brettener Stadtwerke-Zeitschrift Kraichgau Energie.

  5. ghg sagt:

    „Stadtwerke mit größtem Profit“

    Für sich selbst?

    Was hat denn die Stadt Bretten von den Stadtwerken an Konzessionsabgabe in Euro erhalten?

    Das ist eine wesentliche Größe, über die das Redaktionsmitglied Joachim Schultz den interessierten Lesern berichten sollte!

  6. Pollak sagt:

    je schneller sich diese Spirale aus Selbstbereicherung und Volksverdummung dreht, umso besser. Aufhalten läßt sie sich sowieso nicht mehr, dazu ist der angerichtete Schaden bereits zu groß. Hoffen wir also auf den möglichst baldigen „big bang“, in der Hoffnung, dass dann alles besser wird, bzw., dass dann der verschlafene deutsche Michel endlich aufwacht?!

  7. -el- sagt:

    Wer jetzt darüber nachdenkt, warum junge Familien pro Kind bis zu 5000.- Euro Willkommensgeld in den Neubaugebieten erhalten haben und die Werbung für die Brettener Neubaugebiete u.a. bis in das ferne München oder Düsseldorf ausgedehnt wurde, dann werden diese Handlungen nachvollziehbar – bleiben aber grotesk.
    Es würde mich nicht wundern, wenn es eines Tages heißt „Steuerzahler aller Länder vereinigt euch…“

  8. fc sagt:

    „Stadtwerke mit größtem Profit“
    „…„zum Wohle der Bevölkerung“…
    Wirklich?

    Laut Statistik ist Deutschland das einzige Land in der EU in dem die Einkommen seit Jahren nicht nur stagnieren, sondern rückläufig sind. Sie werden nicht einmal an die übliche Inflationsrate angepasst.
    Bei den Stadtwerken sieht die Rechnung doch ganz anders aus.
    Beispiel:
    Beim „Privat Family“ Tarif kostete mich lt. Abrechnung die verbrauchte kWh mit allen sonstigen Abgaben
    im Jahr 2008 – 0,2006 Euro
    im Jahr 2009 – 0,2142 Euro + 6,3% und
    im Jahr 2010 – 0,2251 Euro + 5,1%

    ab Februar 2011 steigt der Arbeitspreis brutto (ohne Stromsteuer) von 0,1944 Euro auf 0,2090 Euro pro kWh.
    Das sind immerhin 7,5% mehr! Ohne sonstigen Abgaben.

    Noch abenteuerlicher sehen die Steigerungen von Abschlagszahlungen, bei unerheblichen Verbrauchsschwankungen aller bezogener Produkte (Strom, Wasser, Abwasser), aus.
    Wenn ich 2009 noch eine Abschlagszahlung von 116,- Euro hatte,
    stieg die Rate in 2010 auf 127.-Euro (plus rund 10%)
    und im Jahr 2011 wird sie 149.- Euro (plus 17,4% !!!) betragen.

    Und das alles „zum Wohle der Bevölkerung“…?

    Welcher Rentner oder Abhängigbeschäftigte hat eine solche prozentuale Steigerungen in den o.g. Zeiträumen erfahren ?

    Dazu zähle ich natürlich nicht die Gehaltsaufbesserungen von Alt-OB Metzger (kurz vor seiner Pensionierung) in die B6 und von Herrn OB Wolff in die B5 , nachdem die Einwohnerzahl Brettens auf über 30.000 angehoben wurde – Dank Gondelsheimer Bevölkerung, die uns die Hälfte der Einwohner „ausgeliehen“ hat. Warum erst jetzt?!
    Ob die Verwaltungsgemeinschaft Bretten/Gondelsheim (besteht schon seit 1974 – Vertrag zur Fusion perfekt Pforzheimer Zeitung   18. Juni, 1974) auch den umgekehrten Weg gehen wird?
    Siehe auch: Leserbrief: “MODERNE KOPFGELDJÄGER?”
    BAK   26.Februar, 2010

  9. ghg sagt:

    @ spezi

    Steuern, Abgaben, Gebühren, Entgelte usw.

    und natürlich Mehr Netto vom Brutto

    das sind die volksverdummmenden finanziellen Hebel, mit denen das arbeitende Volk nach Belieben aufgezogen wird.

    Und das funktioniert stets einwandfrei!

  10. spezi sagt:

    @ h – z
    Es wäre halb so schlimm, wenn die Bevölkerung die Möglichkeit hätte, ihre Einkommen zumindest in den selben Höhen anzupassen.

    So sieht wohl die moderne, subtile „Unterdrückung“ der Mehrheit von Menschen aus – die sich außerhalb politischer Kreise bewegen…?!

  11. h - z sagt:

    „Stadtwerke mit größtem Profit“

    Dazu ist mir was aufgefallen.

    Vor ein paar Wochen musste man zur Kenntnis nehmen, dass die Stromanbieter die Strompreise anheben müssen, weil die Abgaben für erneuerbare Energien dies unumgänglich machen?

    Was für ein Begründungsunsinn! 🙁

    Kürzlich habe ich gelesen, dass die EnBW in Karlsruhe ihren Gewinn in den letzten neun Monaten um 75 Prozent auf 1,245 Milliarden Euro gesteigert hat.

    Für wie blöd werden wir eigentlich gehalten?

    Für die meisten Güter des täglichen Bedarfs haben wir in der Regel Alternativen. Für die Energie ist dies nicht der Fall. Dort sind wir den Anbietern schutzlos ausgeliefert. Anstatt uns Märchen wie „Leider müssen wir, uns bleibt keine andere Wahl“ aufzutischen, wäre es ehrlicher zu sagen: Wir sind ein Unternehmen = eine börsennotierte Aktiengesellschaft, das für Vorstände und Aktionäre so viel wie möglich Profit rausholt, solange uns niemand stoppt.

    Sicher ist für 2011 ein Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro angepeilt. Es lebe der neue Kapitalismus! 🙂

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