Einkaufszentrum umkämpft

Regionalverband Nordschwarzwald will Riesenprojekt in Bretten verhindern – CDU-Chef: „Augenmaß verloren“
ENZKREIS/PFORZHEIM/BRETTEN. Die Regionalverbandsversammlung des Nordschwarzwaldes lehnt einstimmig und kompromisslos ein geplantes 10 300 Quadratmeter großes Einkaufszentrum in Bretten ab.

Der Grund: Vorhandene Geschäfte und Märkte im Mittelbereich Pforzheim mit den Gemeinden Neulingen und Ölbronn-Dürrn sowie der Mittelbereich Mühlacker mit den Städten Knittlingen, Maulbronn, Ötisheim und Illingen wären davon negativ betroffen. Der Regionalverband Nordschwarzwald wird im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens des Regierungspräsidiums Karlsruhe zu dem Vorhaben in der Nachbarregion Mittlerer Oberrhein angehört.

Ursprünglich hatte die Regionalgeschäftsstelle in Pforzheim das Vorhaben lediglich als „bedenklich“ eingestuft und eine Reduzierung gefordert. Allerdings hatte Verbandsdirektor Jens Kück (SPD) ausdrücklich zu einer „Verschärfung“ des Textes ermuntert.

Vernichtende Kritik

Das ließen sich die Regionalräte bei ihrer Zusammenkunft im großen Saal des Enzkreis-Landratsamtes nicht zweimal sagen. Die Kritik an dem von einer Bayreuther an der Pforzheimer Straße in Bretten angestrebten Riesenprojekt fiel vernichtend aus.

Der Sternenfelser Bürgermeister Helmut Wagner (Freie Wählervereinigung) machte deutlich: „Nicht nur Klein- und Mittelzentren sind betroffen, sondern alle Gemeinden unserer Region.“ Sein Fraktionskollege und Nachbar-Schultes Andreas Felchle aus Maulbronn wetterte: „Es geht nicht um Tante-Emma-Läden, sondern um eine neue Runde. Durch das Brettener Einkaufszentrum wären Maulbronner und Knittlinger Märkte mit Größen zwischen 700 und 1000 Quadratmetern in ihrer Existenz gefährdet.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Regionalverband, der Nagolder Oberbürgermeister Rainer Prewo, wies darauf hin: „In dieser Größenordnung haben wir noch nie in den Mittelbereichen des Nordschwarzwaldes ein Einzelzentrumsprojekt gehabt. Das ist eine gravierende Sache. Das hat mit dem Mittelzentrum Bretten gar nichts zu tun und wirkt in unsere Region.“ In anderen Regionen seien solche Projekte verhindert worden.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende, Günter Bächle aus Mühlacker, ließ kein gutes Haar an der Sache: „Das ist ein typischer Beleg dafür, dass wir den Regionalverband und die Regionalplanung brauchen. Die Schlacht der Einkaufsmärkte führt zu nachteiligen. Verwerfungen, denn die Mobilität der Menschen ist groß. Die Stadt Bretten hat das Augenmaß verloren und der Oberbürgermeister schießt über das Ziel hinaus.“ Für die Grünen forderte Klemens Köberle aus Mühlacker, Strukturen zu schaffen für eine wohnortnahe Versorgung. Man müsse auch an die nicht mobilen Senioren denken. Der Beitrag des Illinger Ex-Bürgermeisters Jochen Protzer (SPD) bestand aus einem einzigen Wort: „Ablehnen!“ So geschah es denn auch.

Aus der Stellungnahme des Regionalverbandes Nordschwarzwald geht hervor, dass die Ansiedlung eines solchen Marktes in Bretten „die Bemühungen vieler Gemeinden und Städte schwächt, wie beispielsweise auch des Mittelzentrums Mühlacker“, die selbst große Anstrengungen und Investitionen tätigen, um ihre Stadt- und Ortskerne mit Leben und Funktionen zu füllen. Immerhin 30 Prozent des Gesamtumsatzes wolle der Markt mit Kunden aus der Region Nordschwarzwald machen, hatte Kück zu Papier gebracht. Bei einzelnen Sortimenten sei sogar ein Sollumsatz von bis zu 50 Prozent veranschlagt.

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