Sanierung kostet 2000 Arbeitsplätze

Neff und Zanker-Vertrieb ausgegliedert
Neuer Plan: Hausgeräte nur unter der Marke AEG im Handel
Zur Sanierung des Hausgerätegeschäfts von AEG-Telefunken, das in diesem Jahr einen Verlust von 275 Millionen Mark verursacht, will der Konzern auf den Vertrieb von Neff und Zanker-Geräten verzichten und in den kommenden zwölf Monaten 2000 AEG-Beschäftigte dieses Unternehmensbereichs entlassen. Dies sieht der neue Sanierungsplan für die AEG-Telefunken Hausgeräte AG in Nürnberg vor, der in groben Umrissen bekanntgegeben wurde.

Ursprünglich sollten die beiden AEG-Hausgerätetöchter Zanker in Tübingen und Neff in Bretten geschlossen werden und die Fertigung von Waschund Trockenmaschinen nach Nürnberg beziehungsweise von Nef f-Herden nach Rothenburg verlegt werden. Durch bessere Kapazitätsauslastung versprach sich der Konzern einen Verlustabbau.

Im Gegensatz zu diesem ursprünglichen Konzept versuchen jedoch die Vergleichsbeziehungsweise Konkursverwalter von Neff und Zanker, im Zusammenwirken mit der Landesregierung Baden-Württemberg die Produktionsstätten in Bretten und Tübingen weiterzuführen. Nach Darstellung des Vorstandsvorsitzenden der AEG-Telefunken-Hausgeräte, Günter Tumm, stehen sie mit AEG-Konkurrenten in Verhandlungen über eine Übernahme beziehungsweise Beteiligung.

Aufgrund dieser Entwicklung wird der angeschlagene Elektrokonzern seine Hausgeräte-Aktivitäten künftig allein unter der Marke AEG betreiben und auf den Vertrieb von Neffund Zanker-Geräten verzichten, erklärte Tumm. AEG-Hausgeräte sollen nach der Konzentration auf die Marke AEG künftig in folgenden Fabriken produziert werden.
Nürnberg: Waschautomaten, Wäschetrockner, Geschirrspüler. Rothenburg: Herde und Kleingeräte. Bad Neustadt/Saale: Heißwassergeräte. Mainz-Kostheim: Gefriertruhen. Kassel: Kühlund Gefrierschränke.

Das neue Konzept für die AEG-Hausgeräte AG, die bis 1984 wieder ohne Verlust arbeiten soll, erfordert „tiefe Einschnitte in die Mitarbeiterstrukturen dieses Bereiches“, betonte Tumm. Bis 1984 müsse ein zusätzlicher Beschäftigtenabbau um 2400 Mitarbeiter gegenüber der bisherigen Planung erfolgen, so daß dann ein Gesamtpersonalstand im Inland von etwa 8000 Mitarbeitern erreicht sein werde.

Gegenwärtig sind im AEG-Hausgerätebereich weltweit 18 000 Mitarbeiter beschäftigt, mit denen 1982 ein Umsatz von etwa 2,4 Milliarden erzielt wird. Die Zahl der 16 000 inländischen Arbeitsplätze wird zunächst mit der Ausgliederung von Zanker, Neff und Küppersbusch auf 10 000 reduziert. In welchen Fabriken die mehr als 2000 Mitarbeiter entlassen werden sollen, wollte Tumm nicht sagen. Auch über die nötwendige Kurzarbeit und die gegenwärtige Kapazitätsauslastung sowie die voraussichtliche Verlusthöhe 1983 verweigerte Tumm nähere Auskünfte. Den Weltumsatz der AEG- Hausgeräte AG im Jahr 1984 prognostizierte der Vorstandsvorsitzende auf 1,7 Milliarden Mark.

Die Neff-Markenrechte hat der schärfste AEG-Konkurrent, Bosch- Siemens Hausgeräte, erworben, der auch die Übernahme der Produktion und des Vertriebs anstrebt. Auch bei Zanker in Tübingen bestehen Veräußerungsabsichten, wobei derzeit die Firma Liebherr im Gespräch ist.

AEG-Chef Heinz Dürr äußerte sich zuversichtlich, daß mit dem neuen Sanierungskonzept ein wichtiger Beitrag für die Rettung des gesamten Konzerns geleistet werde. Die Eröffnung des beantragten Vergleichsverfahrens dürfte nach Angaben von Dürr Ende Oktober/ Anfang November erfolgen, zumal die Finanzierung aufgrund der Bereitstellung der Massenkredite gesichert sei. Nach der Genehmigung der Bundesbürgschaft von 1,1 Milliarden Mark verfügt der AEG-Konzern zusammen mit dem unverbürgten Bankenkredit in gleicher Höhe ab sofort über eine Liquidität von 2,2 Milliarden Mark. Darüber hinaus kann AEG zur Abwicklung von Auslandsgeschäften über eine Exportbürgschaft von 600 Millionen Mark zurückgreifen.

N.N

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Sonstiges abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.