Presse kommentiert

PresseBrettener Woche 23. Juli 2014 – „Dem Run aufs Abi sind nicht alle gewachsen“
von G.N. (Name des Autors ist dem BAK bekannt)
Was für Ausführungen, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen.
Und was kommt nach bestandenem Abitur?

Der Frontalunterricht wurde abgeschafft. Die Unkenntnis und die Folgen daraus werden auch im Jahr 2014 immer noch als innovativ angepriesen. Doch der Verzicht auf Anleitung führt dazu, dass eine Fehlerkontrolle ausbleibt und die Schüler in ihrem oftmals falschen Selbstbild von ihren Leistungen nicht nur bestärkt, sondern paradoxerweise gleichzeitig auch alleine gelassen werden. Allzu oft wird an den Universitäten dieses Problem nicht etwa behoben, sondern durch die (verantwortungslose) inflationäre Vergabe guter Noten fortgesetzt.

Ich will mich nicht einreihen in den Chor derer, die den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören. Doch wäre es zur Bestätigung dieser kulturpessimistischen These sicherlich lohnenswert, eine Umfrage unter Studenten zu machen. Wer von ihnen weiß überhaupt noch, was das Abendland eigentlich ist?

Das deutsche Bildungssystem versagt an gravierenden Stellen. Beispielsweise nachgewiesen gibt es Gymnasien, die nicht einmal in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass ihre Absolventen nach Erlangen der allgemeinen Hochschulreife die deutsche Rechtschreibung, geschweige denn die deutsche Grammatik und Zeichensetzung beherrschen, Diese Gymnasien stellen sich selbst ein Armutszeugmis aus.

In Bälde wird dieses System, das bei konsequenter Fortführung zu einer nachhaltigen Verdummung der Gesellschaft führen würde, keinen Bestand haben. Es bleibt zu hoffen, dass der jetzige Bestand eher von kurzer als von langer Dauer sein wird. Für die Politiker ist meines Erachtens die Verdummung der Gesellschaft sehr erstrebenswert!

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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13 Antworten zu Presse kommentiert

  1. Gym. sagt:

    Die Möglichkeiten der Lehrer, gegen schulpolitischen Unsinn vorzugehen, sind leider durch das Beamtenrecht eingeschränkt. Den ministeriellen Erlassen und Vorgaben ist unbedingt Folge zu leisten, auch wenn man mit diesen nicht einverstanden ist.

    Eine gute Möglichkeit, den Schwarzen Peter denen wieder zuzuschieben, von denen er kommt, und die Kuh vom Eis zu holen, kann darin bestehen, Hochschul- und Gymnasiallehrer treten gemeinsam und vernehmbar für das Leistungsprinzip und gegen die Beseitigung von Unterschieden (Nivellierung) ein.

  2. G. N. sagt:

    @ Matz am 25. Juli 2014
    @ H.U. am 25. Juli 2014

    Ihre Kommentare sind noch zu ergänzen:

    Meines Erachtens haben wir es in der BRD mit einem Niveauverlust des Abiturs und der mangelhaften Vorbereitung der Studierenden auf ein wissenschaftliches Hochschulstudium zu tun. Sogenannte Bildungspolitiker haben den offenkundigen Niedergang gymnasialer Bildung herbeigeführt.

    Gymnasiallehrer haben es schwer. Wenn sie Leistung einfordern wollen, kriegen sie starken Gegenwind und keinen Rückhalt: Eltern stehen auf der Matte, die ihr Kind unbedingt am Gymnasium halten wollen. Schulleitungen bangen um den Ruf ihrer Schule – wer will schon als erstklassig und hervorragend verschrien sein? – und fürchten rückläufige Anmeldezahlen.

    Und das Kultusmimisterium in BW weicht die Versetzungsordnung auf, will das Sitzenbleiben generell abschaffen und singt das Hohelied der Inklusion. Grün-Rot in Baden-Württemberg hat die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft – s. Kommentar von Rainer am 27. August 2014 – und sorgt so tatkräftig dafür, dass sich die Schulart Gymnasium ins Abseits begibt. Und die oppositionelle CDU hat bereits angekündigt, bei einem Wahlsieg in 2016 nichts ändern zu wollen!

    Ergebnis und Ausblick: Im (Schul-)Musterländle BW wird bildungspolitisch lustig weitergewurschtelt! 🙂

  3. Hg. sagt:

    Seit wann ging es mit dem deutschen Bildungssystem bergab?

    Mit der Einführung der Gesamtschulen in den siebziger Jahren. Lehrer, Eltern, Politiker, Schüler vertreten je nach Interessenlage die nicht widerlegbare und unbedingt richtige Meinung: Jeder Schüler ist gleich begabt und willig!

    Die Chancengleichheit wird seit Jahrzehnten wiederholt. Die sogenannten Schul-Reformen haben das dreigliedrige Schulsystem mit seinem Leistungsprofil zerschlagen.

    Die Nation ist offensichtlich schlauer geworden, wenn man den rasanten Anstieg von Bestnoten und Abiturientenzahlen betrachtet. Und die deutsche Schulbildungs-Misere hat sich längst auf die Hochschulen ausgeweitet.

    Kinder haben in der ideologisch besetzten Schulbürokratie noch nie irgendeine Rolle gespielt – und Eltern auch nicht! – Warum?

    Wer politisch weiterhin für die Umsetzung von Gleichheitsideen streitet, sollte dies an den Schulen den Lehrern einige Wochen lang vorführen. Das wird unschlagbar in der Gewinnung von Erkenntnissen mit ungeahntem Ausmaß sein! 🙂

  4. Rainer sagt:

    „Dem Run aufs Abi sind nicht alle gewachsen“
    Brettener Woche am 23. Juli 2014

    Die hohe Zahl von Schülern, die das Probejahr an den Realschulen und Gymnasien in Baden-Württemberg nicht bestanden haben, kann man auch in anderen Bundesländern sehen. Die Realschulen und Gymnasien wurden durch Gesetz gezwungen, alle Schüler aufzunehmen, deren Eltern dies wünschen. – Die Grundschulempfehlung wurde abgeschafft – Die Prognosefähigkeit hätte sich inzwischen als zweifelhaft herausgestellt?

    Viele Kinder waren durch den Unterrichtsstoff überfordert. Man braucht kein Psychologe zu sein, um zu ahnen, was ein permanentes Misserfolgserlebnis in der Seele eines Kindes (SchülerIin) anrichtet.

    Das alles stammt von den ideologischen Vorgaben für die Bildungspolitik. Dennoch darf man die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch im Handeln einer Schulbehörde letztlich pädagogische und menschliche Erwägungen obsiegen. Aktuell – bei der Überschrift des obigen Beitrages in der Brettener Woche – ist die Zeit gekommen, auch in Baden-Württemberg die bestehenden Fehler zu korrigieren.

    Überehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder überfordern, und linken Strategen, die das Gymnasium durch „soziale Gerechtigkeit“ überwinden wollen, sollte eine Pädagogik der Verantwortung für das Kind entgegengesetzt werden!

  5. spezi sagt:

    Zu der üblichen Rechtschreibung und Verständigung kommen noch die Besonderheiten und die menschliche Unehrlichkeit der jeweils spezialisierten Sprache, hinzu.
    Beispielsweise die Sprache der Handwerker, Techniker, Kaufleute, Bänker, Mediziner, Professoren, Versicherer, Verwalter (Beamten), der Justiz, Religion oder Politik usw….

    Da möchte ich wissen, welcher Bundesbürger das Alles beherrscht – da angeblich die Unwissenheit nicht vor der Strafe schützt…

    Oder aber, hilft das nur dem beschleunigten, unsäglichen und verstärkten Zustand der gegenseitigen Verarsche?

  6. spezi sagt:

    Eine komplizierte Rechtschreibung fördert nur die Volksverdummung, weil sie die kreative Seite des Gehirns unnötig belastet.

    Ob man Schwachsinn GROSS oder klein (schwachsinn) schreibt ist es egal, weil jeder weiß was damit gemeint ist.

    Außerdem ist beim Erfassen oder Wiedergabe der Gedanken nicht das psychologische WIE, sondern das realitätsbezogene WAS entscheidend.

    Man möge mir meine Rechtschreibfehler verzeihen …

  7. Rainer sagt:

    @ G. N. zu oben stehenden Kommentaren

    Die Ausführungen mögen ja insgesamt zutreffend sein. Doch ist Folgendes ebenso zu bedenken:

    Die systematische Niveausenkung – und deren gleichzeitige Verschleierung – werden den leistungsfähigen Schülern sicherlich nicht gerecht. Sie lässt den Mangel an Facharbeitern und die Zahl der Studienabbrecher ansteigen und hinterlässt völlig frustrierte Mittzwanziger.

    Mehr Bildung für alle – Bildungsziel der UNESCO – hört sich wie alle politischen Sprüche gut an.

    Nur muss es unbedingt das Gymnasium mit dem Ziel der allgemeinen Hochschulreife sein?
    Die Frage und Antwort darauf sollten sich vorab alle ehrgeizigen Eltern für ihre Kinder stellen!

    Und mit diesem Hinweis kann man getrost zum Ausgangspunkt – zur obigen Überschrift in der Brettener Woche am 23. Juli 2014 zurückkehren:

    „Dem Run aufs Abi sind nicht alle gewachsen“

  8. G. N. sagt:

    Die Meinungen der Kritiker sind bekannt.
    Man macht es sich leicht, allen, die in der Schule nicht aufpassen oder sich durch anderes „abweichendes Verhalten“ vom „normalen“ Durchschnitt unterscheiden, die Krankheit ADHS zuzuschreiben. Wobei die Unterscheidung von jeder liberalen Gesellschaft eigentlich zu begrüßen wäre, anstatt jegliche Normabweichung sofort als unnatürlch einzuordnen.

    Gelten nun alle, die der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig sind, als Legastheniker? Gibt es auch Tabletten gegen Rechtschreibfehler? Die Pharmaindustrie würde ein Millionengeschäft machen!

    An deutschen Universitäten hat eine systematische Niveaunivellierung stattgefunden, die das Ergebnis einer wachsenden Scheu ist

    – den Lernenden gegenüber Grenzen zu ziehen
    – schlechte Leistungen als solche zu benennen
    – Unterschiede zu sehen und zu akzeptieren

    anstatt allen – ob sie dafür geeignet sind oder nicht –

    alles eröffnen zu wollen.

    In der erschütternden Unkenntnis der deutschen Orthographie drückt sich nicht nur aus, dass offensichtlich kaum noch Bücher gelesen werden!
    🙁

  9. G. N. sagt:

    Besonders beliebt ist auch das „ie“. Regelmäßig muss man lesen:
    „Wiederstand“
    „Wiederspruch“
    „wiederspiegeln“
    Anzunehmen ist, dass in deutschen Schulen keine Diktate mehr geschrieben werden. Das gilt auch für den Satzbau, sofern man davon überhaupt sprechen kann. Denn oft genug handelt es sich nicht um bloße Fehler in der Satzlogik, sondern schlichtweg um unvollständige Sätze.

    Eine tiefgreifende Unkenntnis der deutschen Grammatik liefert auch ein folgendes Beispiel, das bei weitem keine Seltenheit ist:
    „Zu dem liege darin die Gefahr einer Abhängigkeit der personenbezogenen Form der Anerkennung, weg von der erkämpften worden Selbstachtung.“

    Das Lesen ist für Dozenten unerfreulich und eine Zumutung. Das Ganze stammt fast ausnahmslos von Studenten, deren Muttersprache Deutsch ist. Oftmals ist es sogar so, dass ausländische Austauschstudenten die deutsche Grammatik besser beherrschen als ihre deutschen Kommilitonen.

    Wird dieser Missstand laut genannt, sieht man sich zumeist sofort dem Vorwurf ausgesetzt, die Dozenten seien zu streng und dürften die armen Studenten nicht überfordern. Immer häufiger wird dies auch mit der Belehrung verbunden, dass es eine Krankheit gebe, die sich Legasthenie nennt.

  10. G. N. sagt:

    „Konjunktiv ist das Gegenteil von Imperativ“ hieß eine abenteuerliche Antwort auf die Frage, worum es sich beim Konjunktiv handeln könnte.
    Die Regeln der Kommasetzung werden weder verstanden noch umgesetzt. Die Groß- und Kleinschreibung scheint ein großes Rätsel des Universums zu sein. Es werden Fehler gemacht, mit denen man nicht einmal einen Hauptschulabschluss kriegen dürfte.

    Und da hilft auch nicht der Hinweis auf die flächendeckende Verwirrung, welche die unsägliche Rechtschreibreform hervorgerufen hat:

    Ein „Beispiel hier führ“, „ein Probartes Mittel“, „vermeidlich“ statt vermeintlich, „Vorraussetzung“, „wiederrum“, „Kommulitonen“ statt Kommilitonen. Der Kretivität der Rechtschreibfehler sind keine Grenzen gesetzt.
    🙁

  11. G. N. sagt:

    In den Semesterferien gehört es an deutschen Hochschulen zu den Aufgaben der Dozenten, Hausarbeiten von Studenten zu korrigieren. Sie werden zu einem Thema des von ihnen besuchten Seminars angefertigt. Das Schreiben einer Hausarbeit, die in einem Bachelor-Seminar in der Regel etwa 12 bis 15 Seiten umfasst, gehört zum Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Teilweise ist die Hausarbeit jedoch etwas aus der Mode gekommen!

    Es soll mit ihr sichtbar gemacht werden, inwieweit der Inhalt – beispielsweise die Literatur – tatsächlich verstanden und analytisch durchdrungen wurde und ob die dort (hoffentlich) gewonnenen Erkenntnisse in einen wissenschaftlichen Text umgesetzt werden konnten. Dieser sollte selbständig geschrieben worden sein.

    Hierbei geht es um eine leider völlig abhanden gekommene Selbstverständlichkeit, die eigentlich bereits mit dem Erreichen der Mittelstufe gegeben sein sollte: Die Beherrschung der deutschen Grammatik!

  12. H.U. sagt:

    Sie haben beide recht. Sowohl inflationäre Notenvergabe als auch das Erzwingen immer höherer Neuanmeldungen an den Hochschulen sind zu beobachten. Es scheint so zu sein, dass neue Anmelderekorde an Hochschulen auch an den Fluss von Geldmitteln koppeln.

    Entsprechend hoch ist die Zahl derer, die im Studium scheitern. Diese Zahlen landen nicht regelmäßig in den Schlagzeilen – nur die Anmelderekorde.

    Aus verschiedenen Gründen wird unsere Gesellschaft zunehmend akademisiert – bei gleichbleibender statistischer Verteilung des IQ. Das muss schiefgehen.

    Was macht man in einer Welt, in der nicht-akademische Arbeit längst vom Wanderarbeitern erledigt wird? Man macht alle zu Akademikern – das ist ein hirnrissiges und proklamiertes Ziel von Bildungspolitikern.

    Dass die Jugend „immer fauler und ungebildeter“ würde, wird ja schon seit der Antike beklagt. Mit diesem Gegen-„Argument“ werden regelmäßig Bildungs-Kritiker belächelt.

    Damit versucht man Kritiker in die Ecke der Kultur-Pessimisten zu stellen, jegliche Trend-Analyse wäre damit lachhaft. Dass es Entwicklungen gibt, die nicht immer in eine Richtung zeigen (nach oben, alles wird gut und besser), ist dem modernen Wachstums-Menschen nicht genehm.

    Nennenswerte kulturelle und auf das menschliche Zusammenleben bezogene echte Fortschritte sind schwer zu erkennen – insofern geht das Abendland / Morgenland schon seit vielen Jahren unter. Die Technik macht Fortschritte, nicht der Mensch!

    Und ich sitze technisch-naturwissenschaftlichen Studenten gegenüber, die in höherem Semester sind – und nicht wissen, warum die Sonne wärmt. Dann brauche ich mich auch nicht wundern, warum unser Land keinen Flughafen (Berlin) oder Opernhaus (Hamburg) mehr bauen kann.

    Säße ich BWL-Studenten gegenüber, würde ich mich nicht mehr wundern, warum wir knapp 40 Regional-Flughäfen haben, die sich jetzt nach und nach der Pleite nähern. Das alles sind nur spontane Beispiele.

    Wir leben in einer Gesellschaft, wo der Schein, das so-tun-als-ob zählt. Diese Blasen platzen irgend wann.

    Die Aufgabe von Verantwortlichen ist es, nicht zu kapitulieren. Das gilt für das Bildungssystem und alle anderen Bereiche. Das Problem ist vielschichtig – denn wer ist heute noch im eigentlichen Sinne verantwortlich? Also wer will Antworten geben in einer Gesellschaft, wo schon das Fragen ein Makel ist?

  13. Matz sagt:

    Allzu oft wird an den Universitäten dieses Problem nicht etwa behoben, sondern durch die (verantwortungslose) inflationäre Vergabe guter Noten fortgesetzt.“ Auch diese Aussage kann so nicht hingenommen werden: auf die Universitäten, bzw. Lehrstuhlinhaber, wird seitens des Landes Baden-Württemberg erheblicher Druck ausgeübt, mit dem Ziel, die Zahl der (erfolgreichen) Abgänger zu erhöhen. So kann man statistisch seine erfolgreiche Bildungspolitik belegen, auch wenn dies zu einem qualitativen Verfall der Uni-Ausbildung führt. Ob uns diese zweifelhafte Methode in einem High-Tech-Land weiterbringt?

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