Bretten und Goldstadt suchen Annäherung

Freundschaftliches Informationsgespräch
Diskussion über Humanismus und Nahverkehr
von unserem Redakteur Lothar H. Neff
Die historische Trennung wiegt schwerer als die räumliche Distanz dies ist das Fazit eines offiziellen Meinungsaustausches über einen Ausbau der kommunalen Beziehungen zwischen Vertretern der Städte Pforzheim und Bretten am gestrigen Freitag in der Melanchthonstadt. Die Flagge der Goldstadt am Brettener Rathaus dokumentierte die besondere Bedeutung des Besuchs von Oberbürgermeister Dr. Joachim Becker, der Bürgermeister Matthias Wittwer und Hermann Kling sowie Vertretern des Gemeinderats und der Pforzheimer Stadtverwaltung. Die große Kreisstadt gehört bekanntlich zum Landkreis Karlsruhe, dennoch gibt es wesentliche Berührungspunkte.

Die geplante Neuorientierung gründet sich auf humanistische Gemeinamkeiten – Melanchthon und Reuchlin. Gerade dieses historische Erbe verbindet Pforzheim und Bretten. So hatte das Gastgeschenk an Oberbürgermeister Paul Metzger mehr als nur symbolische Bedeutung: eine Federzeichnung des Melanchthonhauses in der Goldstadt von Rainer Mürrle. Ein gemeinsamer Konzertzyklus, Hinweissäulen, Prospektaktionen und humanistische Referate sollen – so Dr. Alfred Hübner – künftig die Beziehungen vertiefen.

Beide Stadtoberhäupter setzen sich entschieden für eine Landesausstellung zum Thema „Humanismus“ ein. Ferner plant Bretten anläßlich der erstmaligen Melanchthonpreis-Verleihung im kommenden Jahr die Präsentation der Reuchlin-Ausstellung. Über den gegenseitigen Kulturaustausch soll auch verstärkt praktische Politik gemacht werden. Der tägliche Pendlerstrom von Bretten nach Pforzheim und in den Enzkreis ist dabei ein Ansatzpunkt.
Die Stärkung des kreisüberschreitenden öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) liegt deshalb im Interesse beider Städte. Der entsprechende Pforzheimer Slogan lautet „kurze Einkaufwege“. Tarifliche Anreize für Fahrgäste werden zudem in Aussicht gestellt.

Autobahn-Anschluß Nord
Außerdem wünscht sich Bretten als Industriezentrum den Anschluß an die Autobahn Stuttgart-Karlsruhe im Rahmen einer möglichen Auffahrt Pforzheim-Nord. Diese Anschlußstelle wird zusätzlich in beiden Generalverkehrsplänen berücksichtigt. Scherzhaft meinte Dr. Becker: „Man müßte sich eigentlich fragen, welche Straße man zuerst nicht baut.“
Während Bretten den Stadtbahnanschluß nach Karlsruhe über die Kraichgaubahn favourisiert, will Pforzheim eine Abkopplung von den Hauptverkehrssträngen im Rahmen der Inter-Regio-Plänen der
Bundesbahn verhindern.

Beeindruckt zeigten sich die Gastgeber von den Informationen über das Pforzheimer Existenzgründerzentrum, das seit 1985 Starthilfen für junge, innovative Technologie-Betriebe bietet. Bürgermeister Kling griff seinerseits das Brettener Konzept der Industrieumsiedelung im sogenannten „Ringtausch“ auf. Mangels vorhandener Ausbaufläche für Gewerbebetriebe verständigen sich die örtlichen Unternehmen über geplante Erweiterungen. Die kommunale Zusammenarbeit soll auch auf dem industriellen Feld verbessert werden.

„Genug Gas für Bretten“
„Wir haben Gas genug auch für Bretten „, formulierte Oberbürgermeister Dr. Becker salopp und leitete damit über zu den ebenfalls ausbaufähigen Kontakten zwischen den beiden Stadtwerken. Bis zum nächsten Informaltionsgespräch im kommenden Jahr soll in den Einzelpunkten bereits weitgehende Klärung erzielt werden. Der Pforzheimer OR spricht von einem ..weitreichenden Konzept“ und Paul Metzger unterstreicht die Bedeutung der neuentdeckten Beziehungen.

Lediglich beim abschließenden Besuch im Brettener Melanchthon-Museum trat ein möglicher Konflikt in Erscheinung: die Suche beider Städte nach einer Partnergemeinde in der DDR.
Aufgrund der beiderseitigen Kontakte nach Wittenberg – dem ehemaligen Wohnsitz Melanchthons – scheint eine Konkurrenzsituation vorgezeichnet. Schließlich wurde der große Humanist in Bretten geboren, lernte aber bei seinem Großonkel Reuchlin in der Goldstadt.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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