Bei Kleinstadtperle liegt einiges im Argen

Zum Leserbrief Brettener Woche vom 30. Mai 2018 : „Bei Kleinstadtperle liegt einiges im Argen“ von Hildergard Macke, Bretten
von council 13

Der Städtebau in Bretten sieht weiterhin schrecklich aus. Das liegt nicht am Unvermögen der heutigen Architektur. das liegt vermutlich an den Bodenpreisen, die mittlerweile so gestiegen sind, dass bis zur Hälfte der gesamten Bausumme für den Erwerb des Grunds draufgeht und die dort wachsenden Bauten entsprechend kärglich aussehen. Unabhängig davon werden der Bevölkerung die Preise für den Grunderwerb vorenthalten. Zumindest liest man nichts darüber in der Brettener Woche – geschweige denn im Amtsblatt. Das trifft u. a. auf das Harschgelände, das Mellert-Fibron-Gelände, Bergel I und II, St. Johann und nicht zuletzt „Gölshauser Loch“ zu – ein Vorzeigegrundstück bzw. ein „Filetstück“ für Brettener Architektur, was man beim letzten Treffen der Interessengemeinschaft Römerstraße/Knittlinger Berg glauben machen wollte.

Weiterhin liegt es daran, dass zu viel in die Hände von Generalübernehmern übertragen wird, die Städtebau nicht primär als Dienst am Menschen , z. B. für Sozialwohnungen, oder als Ermutigung zu neuen Lebensformen, sondern als Einkommensquelle ansehen und dementsprechend entschlossen alles weglassen, was den Profit minimiert (Fassaden und öffentliche Räume etwa, die diesen Namen auch verdienen), bis nur noch durchnormierte Geschäfts- und Wohnbatterien übrigbleiben.

Hier muss nicht nur in Bretten eine neue Architekturdebatte ansetzen: Nur wer soll sie führen?
– wem gehört der Grund
– wer entscheidet, was gebaut wird
– dazu nicht besonders geeignet scheint mir ein Gemeinderat mangels Kenntnis, der obendrein mit Ausnahme der Grünen, der Linken und der SPD die Bebauung billigte. Das Gefahrengutachten der belasteten Industriebrache wurde bisher nicht veröffentlicht
– wie steuert man in einem Augenblick, in dem offenbar wird, dass die Stadt, wenn man sie den reinen Kräften des Marktes überlässt, sich selbst als Zivilisationsmodell abschafft, ihre Entwicklung, ohne in lähmende Planwirtschaft zu verfallen?

Bei diesen Fragen geht es um Machtstrukturen, nicht um Bilder! Ein gewisses Maß an Schmutz und Lärm von der Peripherie besteht trotz eines polierten Fassadenbildes. Touristen würden beispielsweise eine wünschenswerte Sanierung der gesamten Brettener Altstadt – nicht nur der Fußgängerzone – sicherlich für gut befinden. Zukünftige Aufgaben für den dafür bestens qualifizierten Baubürgermeister und seine Mitarbeiter im Amt für Technik und Umwelt. Erst dann könnte ich Bretten mit dem Prädikat Kleinstadtperle benennen.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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2 Antworten zu Bei Kleinstadtperle liegt einiges im Argen

  1. betrachter sagt:

    Wo bleibt denn die Kostenwahrheit bei kommunalen Planungsebenen in Bezug auf die Folgekosten der Baulandausweisung und der Bautätigkeiten, wenn fast alle Aktivitäten nicht von Bauämtern, sondern von externen Planungsbüros bestritten werden? Es handelt sich dabei um feststellbare und zu erwartende Schattenkosten und deren Verteilung und Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte – auch in Bretten und Gondelsheim. Die Kommunen im Landkreis Karlsruhe konkurrieren mit Hilfe preiswerter bzw. subventionierter Flächen um die Ansiedlung von Gewerbebetrieben – auch mit Hilfe von kommunalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften.

    Wo ist der Blickwinkel der jeweils lokalen Entscheider – Gemeinderat, Verwaltungsspitze und Kommunalaufsicht – um zu einer fiskalischen Wirkungsanalyse von unbebauten und bebauten Flächen und deren Nutzungsveränderungen zu kommen? Hier geht es vor allem darum, ein interkommunales Verfahren zu entwickeln, mit dem vor der Entscheidung über die Änderung der Bodennutzung
    – eine qualitative Bewertung der fiskalischen Wirkung ermöglicht und
    – diese qualitative Bewertung mit quantitativen Einschätzungen ergänzt wird.

    Wer von den vorgenannten lokalen Entscheidern kann eine derartige Aufgabe denn eigentlich leisten?

  2. xaver sagt:

    Kleinstadt-perle…hmm
    Es gab Zeiten da war die Stadt Bretten noch eine Große Kreisstadt 🙂

    Logischerweise sind jetzt die Mitglieder des Gemeinderates jetzt für die Kleinstadt zuständig und können nicht mehr so hohen Sitzungsgelder beanspruchen wie bei einer Großen Kreisstadt – oder?

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