Leserbrief zum Thema Sporgassenbebauung

Leserbriefvon Gunter Lange
Der Kommunismus konnte nicht funktionieren, weil der ordnende Staat auf eine Handvoll Funktionäre und das Volk, jeglicher Initiative beraubt, auf gleich gemachte „Arbeitsameisen“ reduziert wurden.

Aber der liberalisierte Kapitalismus, der bald alle Gewalt dem freien Spiel der (Kapital-) Marktkräfte gibt und staatliche Institutionen personell ausblutet, wird genauso wenig Bestand haben.

Wenn ich also in die letzten Brettener Zeitungsberichte schaue, dann drängt sich mir als kaum oder zu spät informiertem Bürger der Eindruck auf, als wolle man in Bretten seit einigen Jahren Franz Münteferings „Heuschrecken“ in Form von Kapital-Investoren-Gesellschaften über alle freigeräumten oder noch bebaubaren Grundstücke im Windhundverfahren herfallen lassen.

Es ist gesetzliche Aufgabe der Gemeinden, eine nachhaltige Entwicklung durch Stadtplanung zu gewährleisten, wie dies beispielhaft auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände von Karlsruhe mit der neuen Südost-Stadt erfolgt ist.

Wie kann es da sein, dass für alle noch freien städtischen Grundstücke in Bretten die Rendite orientierten Kapital-Investoren bestimmen, was wann wie und wo gebaut werden sollte und das eigentlich für Stadtentwicklung prädestinierte Stadtplanungsamt, welches bei fast allen Großen Kreisstädten mit einem beim Staat ausgebildetem Beamten des höheren Dienstes besetzt ist, nur noch den Weg für die Umsetzung bereiten soll?

Wenn nach gewissenhafter Recherche und Abstimmung mit den Trägern öffentlicher Belange herausgekommen sein sollte, dass auf dem wertvollsten Grundstück der Stadt an der Sporgasse ein Ärztehaus entstehen sollte, dann müssten m. E. auch die weiteren Bedürfnisse für dieses Grundstück zur wirtschaftlich bedeutsamen Durchführung von Großveranstaltungen, wie z. B. das Peter und Paul Fest, Tour de Ländle, Deutschlandrundfahrt u. ä., geprüft werden. Danach hätte die Stadt die Anforderungen zu formulieren, unter denen entweder ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, ein Realisierungswettbewerb oder auch ein Investoren-Wettbewerb stattzufinden hätte, um mehrere Lösungen vergleichen und bewerten zu können. (Jeder Investor kann einen erfahrenen Architekten beauftragen.)

Grob gesprochen sind dies die Erhaltung einer Mindestfreifläche für 4 größere Fahrgeschäfte am Peter und Paul Fest, die auch die in einer Kleinstadt gewünschte ebenerdige Parkierung für Kurzparker und die bisherigen Großveranstaltungen gewährleisten kann. Die verbleibende Restfläche müsste dann intensiv mit Ärztehaus und Tiefgarage beplant werden.
Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass der Ärztehaus-Investor die durch seinen Bau erforderlichen Parkplätze für Bedienstete und Besucher in einer Tiefgarage unterzubringen hätte. Die Stadt hätte dann noch die Aufgabe, den Erlös aus dem Grundstücks-verkauf für den Bau eines weiteren Tiefgaragengeschosses unter dem Ärztehaus für die entfallenden Freiflächen-Parkplätze wieder zu investieren.

Das vom Investor aus Kostengründen gewünschte, direkt auf die Freifläche aufgesetzte Parkhaus kann nicht im Sinne der Stadt sein.

Anbei habe ich aufskizziert, wo und wieviel Parkplätze auf diese Weise unterzubringen wären. Alle bisher auf der Sporgasse eingemieteten Dauerparker sollten m. E. in die immer halbleeren Parkhäuser der Pfluggasse und Am Gottesackertor verlegt werden. Sollte es Probleme mit Leitungen und der Tiefgarage geben, ließen sich Freifläche und Ärztehaus auch tauschen und
anders gestalten. Während der Bauzeit eines Ärztehauses mit Tiefgarage stünden aber von den bisherigen Parkplätzen genauso wie beim vorgezogenen Bau eines Parkhauses mindestens 116 Stellplätze funktionsfähig zur Verfügung.

Die weiteren zwingenden Bedingungen für die Annahme des Zentrums von Kunden wäre ein elektronisches Parkleitsystem, wie es praktisch jede Stadt heute hat, und die direkte Heranführung des Verkehrs von Süden über die umgedrehte Pforzheimer Straße vorbei am Leben dort und auf dem Marktplatz. Welcher Kunde will schon erst lange um ein nicht erkennbares Zentrum herum fahren, ohne es zu sehen. Dann bleibt er gleich in der Wilhelmstraße oder fährt vom Kraichgauzentrum wieder nach Hause.

Ärztehaus-UG

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Ärztehaus-Vorschlag-Lange

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1 Antwort zu Leserbrief zum Thema Sporgassenbebauung

  1. Blogleser sagt:

    ein Artikel zum Thema Innenstadtentwicklung aus dem Jahre 1996, dem an Aktualität nichts hinzuzufügen ist! Der alte Veitstanz

    Der Verfasser, Walter Schoger, war übrigens Redakteur bei den BNN, ja, damals hatten die noch richtige Journalisten!

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