Neues zum Arbeitgeber Deuerer

bak_logovon Matthias Menzel
Über den Arbeitgeber Deuerer haben wir hier schon einiges veröffentlicht. Bereits im Jahr 2008 versuchte die Firmenleitung laut Aussage der IG Metall die Wahl eines Betriebsrats zu verhindern. „Gearbeitet werden müsse zwischen 12 und 14 Stunden am Tag, der Stundenlohn läge zwischen 4,- EUR und max. 7,50 EUR, wer lieb zum Chef sei, bekomme aber ab und an mal eine Tafel Schokolade für die Kinder„, so die Aussagen einiger Beschäftigter. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung musste Deuerer sechs entlassene Mitarbeiter wieder einstellen. Nach Angaben der Gewerkschaft NGG hat das Arbeitsgericht Karlsruhe den Gekündigten recht gegeben. Die Kläger hatten der Firma vorgeworfen, sie habe sie nur entlassen, weil sie Gewerkschaftsmitglieder sind. Auch vor dem Landesarbeitsgericht in Mannheim verlor Deuerer in der gleiche Sache: Die Mitarbeiter sollten eine Maschine kaputt gemacht haben, zu lange krank gewesen sein und unerlaubt Flugblätter verteilt haben. Zwei Jahre später kam es dann schließlich doch erstmals in der Firmengeschichte zur Gründung eines neunköpfigen Betriebsrats. Der Weg dorthin wurde allerdings als „steinig“ beschrieben, führte er doch die beteiligten Parteien – Geschäftsführung, Mitarbeiter und die zuständige Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bis vor das Bundesarbeitsgericht.

Jetzt macht der Arbeitgeber Deuerer wieder von sich reden, von den angeblich 1600 Beschäftigten, sollen bis zu 1200 über Werkverträge angestellt sein, eine Demonstration ehemaliger Mitarbeiter sollte dieses Jahr bereits das zweite Mal stattfinden, fand aber wieder nicht statt. Der Journalist Arnd Waidelich hat dazu hervorragende Recherchearbeit geleistet, weshalb wir uns auch nicht mit seinen Federn schmücken möchten und auf seine Internetseite „Neues aus der Region“ verweisen. Dort finden Sie die aktuellen Informationen unter dem Stichwort Deuerer.

Der wahre Skandal für mich persönlich ist allerdings die Tatsache, dass die Stadt Bretten Wohnraum für diese ausgebeuteten Menschen, natürlich gegen Miete, zur Verfügung stellt. Laut OB Wolf, der sich ganz seinem Führungstil in der Sache sehr bedeckt hält, sei aber gewährleistet, dass die Mindestnormen des Flüchtlingsaufnahmegesetzes mit 4,5 Quadratmeter Wohnraum pro Person nicht unterschritten würden.
Für die Verantwortlichen in Gemeinderat und Stadtverwaltung der Melanchthon-Stadt Bretten ist diese Haltung ein unerträgliches Armutszeugnis, die Bemerkung des OB Wolff betreffend die 4,5 Quadratmeter Wohnraum pro Person, eigentlich blanker Zynismus!

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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9 Antworten zu Neues zum Arbeitgeber Deuerer

  1. rainer sagt:

    @ Polak mit obigem Kommentar

    Dieses leidige Thema wurde hinter verschlossenen Türen zwischen dem Vorsitzenden des Brettener Gemeinderates und den Fraktionvorsitzenden diskutiert.

    Heraus kam, man müsse von seiner Arbeit leben können und Wohnungen der Städtischen Wohnungsbau GmbH seien an Leiharbeiter der Firma Deuerer vermietet.

    Wie ist das mit der Daseinsvorsorge in Bezug auf den städtischen Vermieter und dem Gemeinwohl in Bezug auf die Mietbedingungen in praktischen Einklang zu bringen?

    Von den von Ihnen aufgeführten Mitgliedern des Gemeinderates wird man keine einzige Antwort erhalten. So verhalten sich nun einmal gewählte Bürgervertreter.

  2. Polak sagt:

    Als ehemals gemeinnütziges Wohnungsunternehmen haben wir in der Vergangenheit im Rahmen der kommunalen Aufgabenstellung vorrangig eine sozial verantwortbare Wohnungsversorgung für breite Schichten der Bevölkerung sichergestellt.Auszug aus der Selbstdarstellung der städtischen Wohnungsbau GmbH ! Interessant das „als ehemals gemeinnütziges Wohnungsunternehmen„, und jetzt, Gewinnorientierung um jeden Preis? Ob Flüchtling oder Leiharbeiter, wir bringen sie alle unter und verdienen noch daran?
    Fragen beantworten Ihnen dazu sicher gerne die Aufsichtsratsmitglieder und Gemeinderäte:

    Leonhardt, Willi
    Bette, Brigitte
    Fetzner, Jürgen
    Gerweck, Markus
    Gillardon, Karin
    Groß, Manfred
    Haas, Oliver
    Leins, Heidemarie
    Müller, Harald
    Schick, Brigitte
    Schlotterbeck, Edgar

  3. @Polak: Richtig. Mit der Herumlarviererei ist das Thema lange nicht durch. Wo bleibt die Sozialdemokratische Fraktion im Gemeinderat? Hat sie sich zur Ruhe gelegt? Ein Aufschrei müsste durch’s Rathaus gehen. Wo bleibt er?

  4. h - z sagt:

    @ Polak oben:

    Ich wiederhole meine Frage im Kommentar vom 10. September 2013:

    Sind die in Wohnungen der Städtischen Wohnungsbau Bretten befindlichen Mieter, die bei der Firma Deuerer arbeiten, tatsächlich Flüchtlinge?

    Nur dann käme das Flüchtlingsaufnahmegesetz mit seiner – vorläufigen? – Unterbringung zur Anwendung. Ansonsten sind der Einwand bzw. die Bemerkung des Hauptverantwortlichen für deren Mietverhältnisse Makulatur!

  5. Polak sagt:

    auch bei seiner an sich schon unerträglichen Bemerkung zum Wohnraum von Flüchtlingen greift der Zyniker Wolff in die Trickkiste. Die von ihm angesprochene Regelung ist aus dem Gesetz über die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen (Flüchtlingsaufnahmegesetz – FlüAG) vom 11. März 2004 und lautet wie folgt:

    § 6
    Einrichtungen der vorläufigen Unterbringung
    (1) Die vorläufige Unterbringung erfolgt grundsätzlich in Gemeinschaftsunterkünften. Je Unterbringungsplatz sind pro Person 4,5 Quadratmeter Wohn- und Schlaffläche zuzüglich der Gemeinschaftsräume (Belegungsdichte) zugrunde zu legen.

    Also selbst für Flüchtlinge gelten die 4,5 Quadratmeter nur als vorläufig. Wie lange wohnen die Arbeiter/Innen von Deuerer schon in den Wohnungen der Wohnungsbau GmbH Bretten?
    Wie lange will OB Wolff der Öffentlichkeit die Wahrheit noch vorenthalten? Schämen sollte er sich allemal…

  6. Blogleser sagt:

    Ja, Bretten lebt das Mittelalter und pflegt mitteralterliche Sitten und Gebräuche!

  7. rainer sagt:

    @ Philipp oberhalb

    Frei nach dem Motto:

    WAS INTERESSIERT MICH AKTUELL MEIN GESCHWÄTZ VON GESTERN?

    Die Halbwertzeit des Wahrheitsgehaltes dieser wohlklingenden Verlautbarung scheint dem obigen aufmerksamen Kommentator immer kürzer geworden zu sein oder schlimmstenfalls gar nicht mehr zu bestehen.

    Im Klartext: Schöne Sprechblasen!!!

  8. Philipp sagt:

    „In Städten wie Bretten entscheidet sich, ob wir das Auseinanderdriften der Gesellschaft in Arm und Reich, in Menschen mit und ohne Arbeitsplatz, in Jung und Alt, in Mehrheiten und Minderheiten, im Interesse eines Gemeinwohls und solidarischen Miteinanders gestalten können.“ Auszug aus der Antrittsrede von OB Wolff, nachzulesen hier!!

  9. h - z sagt:

    @ Matthias Menzel

    …“Er berief sich allerdings auf die Richtlinien für die Unterbringung von Flüchtlingen, in denen 4,5 Quadratmeter pro Person vorgeschrieben seien. Dies sei in den städtischen Häusern gewährleistet.“…

    Sind diese bei der Firma Deuerer beschäftigten Arbeitnehmer und bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Bretten betroffenen Mieter etwa Flüchtlinge?

    Bei Verneinung: Was soll dann diese äußerst fragwürdige Aussage von Wolff bezwecken?

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