Geburtshilfe am Krankenhaus schließt

Die Entbindungsstation der Rechbergklinik in Bretten wird spätestens Ende März 2012 geschlossen. Das hat der Aufsichtsrat der Kliniken im Landkreis Karlsruhe heute auf seiner Sitzung in Bruchsal entschieden. Ausschlaggebend für den Beschluss war das fehlende medizinische Konzept der Geburtshilfe in Bretten. Drei Belegärzte, zwei davon kurz vor dem Ruhestand, der dritte hat bereits gekündigt, sind zu wenig, um eine 24-Stunden Versorgung zu gewährleisten. Die Schließung der Geburtshilfe in Bretten bedeutet auch das Aus für die Errichtung einer solchen Abteilung am geplanten Neubau des Krankenhauses, der in den kommenden Jahren geplant ist. Für die werdenden Mütter heißt das: sie müssen zur Entbindung in die nächstgelegenen Krankenhäuser in Pforzheim, Mühlacker, Bruchsal oder nach Karlsruhe fahren. Den 20 betroffenen Hebammen und Krankenschwestern sollen andere Arbeitsplätze angeboten werden, betriebsbedingte Kündigungen seien nicht vorgesehen, so Landrat Christoph Schnaudigel.

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7 Antworten zu Geburtshilfe am Krankenhaus schließt

  1. ghg sagt:

    Folgendes ist noch einmal klarzustellen:

    In der Gynäkologie und Geburtshilfe geht man von einem Arzt für 11-15 durchschnittlich belegte Betten aus.
    Das gilt nur für dort angestellte Krankenhausärzte.

    Für Belegärzte gilt, dass sie ihre belegärztlichen Leistungen, die sie im Krankenhaus erbringen, mit der KV = Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen.

  2. ghg sagt:

    20 betroffene Hebammen und Krankenschwestern (alle Vollkräfte?) für 22 Planbetten in der Geburtshilfeabteilung:

    Bei ca. 500 Geburten/Jahr werden 5 Hebammen benötigt.
    In der Neugeborenenpflege kommt 1 Vollkraft auf drei durchschnittlich belegte Betten.
    Ein Arzt betreut 11-15 Betten.

    Unter der Annahme der obigen Aussage:
    Alle sind Vollkräfte, Belegärzte ausgenommen

    5 Hebammen
    15 Vollkräfte Pflegedienst x 3 = 45 Betten
    3 Belegärzte = 45 Betten

    Mit dieser personellen Größe per Anhaltszahlen = Personalbedarfszahlen wäre die Geburtshilfeabteilung bestens, d.h. überdurchschnittlich gut, aufgestellt.
    Rein rechnerisch dürfte das Pflegepersonal ausschließlich aus Halbtagskräften bestehen, um den Personalbedarfszahlen zu entsprechen (45 Betten : 2 = 22,5 aufgestellte und/oder durchschnittlich belegte Betten).

  3. ghg sagt:

    …“Den 20 betroffenen Hebammen und Krankenschwestern sollen andere Arbeitsplätze angeboten werden, betriebsbedingte Kündigungen seien nicht vorgesehen, so Landrat Christoph Schnaudigel.“

    Wenn in der Rechbergklinik ca. 400 Geburten im Jahresdurchschnitt erfolgen, dann stellt sich die Frage, wie hoch die Zahl der dort tätigen Hebammen ist. Denn hier spielen „Mindestbesetzungen“ in der Regel eine Rolle (Rund-um-die-Uhr-Dienst).
    5 Hebammen werden ab etwa 500 Geburten/Jahr benötigt – für ca. 400 Geburten eine weniger.

    Sind Hebammen mit der Tätigkeit im Kreißsaal nicht voll ausgelastet, müssen sie zu anderen Tätigkeiten herangezogen werden, wie

    – Schwangerenvorsorge in der Ambulanz
    – Geburtenvorbereitung
    – Schwangerschafts- und Wochenbettgymnastik
    – stationäre Behandlung zur Vermeidung von Frühgeburten
    – Wochenpflege auf der Wöchnerinnenstation
    – Säuglingszimmer
    – Hilfe beim Anlegen und Stillen
    – Tätigkeit im Kaiserschnitt-OP

    Wenn Hebammen zu anderen Tätigkeiten herangezogen werden, bedeutet das, dass dann

    entsprechende Anrechnungen auf den Personalbedarf im Pflegedienst (s. oben 20 betroffene Hebammen und Krankenschwestern?),

    im Bereich Physikalische Therapie u. ä. erfolgen.

    In der Gynäkologie und Geburtshilfe geht man von einem Arzt für 11-15 Betten aus.

    Warum zuletzt ein Defizit in der Geburtshilfeabteilung von ca. 400T € = 400 000 Euro entstanden ist, ist daher nicht nachvollziehbar.

  4. ghg sagt:

    @ G. H. am 9. Oktober 2012

    „Der Kaiserschnitt bringt dem Krankenhaus etwa 3000 Euro innerhalb von sechzig Minuten. Eine vaginale Geburt kann zwölf bis vierundzwanzig Stunden dauern. Sie ist personalintensiv und wird mit etwa 1500 Euro vergütet.“

    „Die pfälzische Stadt Landau ist bei Kaiserschnitten unerreicht“
    BNN am 14. November 2012

    …“Spitzenreiter ist laut einem Fakten-Check der Bertelsmann Stiftung die Stadt Landau in der Pfalz – hier komme mit einer Rate von knapp 51 Prozent jedes zweite Baby per Kaiserschnitt zur Welt. …

    …Der bundesweite Durchschnitt für Kaiserschnitt-Geburten lag der Stiftung zufolge 2010 bei knapp 32 Prozent.“ …

    Ort des Geschens ist das Vinzentius Kranken haus in Landau. Es gehört zum Verbund der CTS Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken. In Landau werden jährlich über 900 Kinder mit steigender Tendenz in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe geboren.

    Noch Fragen?

  5. spezi sagt:

    @G. H. am 9. Oktober, 2012

    Wenn ich das richtig interpretiere, dann sind die Hebammen nur ein lästiger Mitbewerber den man, mit subtilen Methoden, zumindest klein halten muss.
    Bei diesen Gebührenstrukturen muss man natürlich das angenehme Überleben der Ärzte im Auge behalten. Ganz nach dem Motto der ZDF Frontal 21 Sendung vom 09.Oktober 2012 unter der Überschrift „Fragwürdige Prämien für Ärzte“
    Mehr unter:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1749870/Frontal21-Sendung-vom-9.-Oktober-2012

  6. G. H. sagt:

    Kinder können im Krankenhaus ambulant oder stationär, durch Hausgeburt, in einem Geburtshaus zur Welt kommen.

    Was fällt auf?

    Der finanzielle Druck im Krankenhaus wächst. Zahlreiche kleine Krankenhäuser und geburtshilfliche Abteilungen schließen. Und bei den anderen rückt das wirtschaftliche Denken zunehmend in den Vordergrund. Ökonomische Strategien beschäftigen sich auch hier – in den Kreiskrankenhäusern des Landkreises Karlsruhe – richtigerweise mit Marketing, Erlösoptimierung und Einsparmaßnahmen.

    Diese Entwicklung führt dazu, dass die meist zeitintensive Spontangeburt langsam an Wert verliert. Wir leben im 21. Jahrhundert. Man muss sich (die Mutter) und auch das Kind nicht mehr plagen als nötig (Babys, die im Geburtskanal stecken bleiben usw.)

    Der Kaiserschnitt bringt dem Krankenhaus etwa 3000 Euro innerhalb von sechzig Minuten. Eine vaginale Geburt kann zwölf bis vierundzwanzig Stunden dauern. Sie ist personalintensiv und wird mit etwa 1500 Euro vergütet. Auch die Angst vor Klagen wegen Geburtsschäden und eine bessere Diagnostik spielen bei der ärztlichen Entscheidung für einen Kaiserschnitt eine Rolle. Kaiserschnitte sind für Mediziner rascher durchzuführen als vaginale Entbindungen. Der Personaleinsatz ist effizienter planbar.

    Was kann ein richtiger, denn besserer Weg bei normalen Entbindungen sein?

    Mehr Geld für angestellte und freiberufliche Hebammen (bei Hausgeburten) für normale Entbindungen, wobei dafür eine Vereinbarung mit den gesetzlichen Krankenkassen noch aussteht! Ebenso die Übernahme der gestiegenen Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung, die bereits von den Krankenkassen übernommen wurden.

  7. fc sagt:

    „Für die werdenden Mütter heißt das: sie müssen zur Entbindung in die nächstgelegenen Krankenhäuser in Pforzheim, Mühlacker, Bruchsal oder nach Karlsruhe fahren.“

    Oder, sich beispielsweise für eine Hausgeburt entscheiden.
    Fragen hierzu können sicherlich von Hebammen kompetent beantwortet werden.

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