Firmen verabschieden sich von Kurzarbeit

1 600 Beschäftigte im Raum Bretten erhalten Kurzarbeitergeld / Rückgang um mehr als die Hälfte
In 68 Firmen wird gegenwärtig kurz gearbeitet
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Schultz
Bretten. Viele Firmen aus der Region sehen nach dem Absatzeinbruch des vergangenen Jahres inzwischen wieder Land. Es gehen trotz der leichten Sommerflaute deutlich mehr Aufträge ein. Die Folge: Die sich füllenden Auftragsbücher machen sich auf dem Brettener Arbeitsmarkt positiv bemerkbar. Die Zahl der bei der Brettener Arbeitsagentur arbeitslos Gemeldeten sinkt seit Monaten, im Juli lag die Arbeitslosenquote bei 4,9 Prozent, und gleichzeitig verabschieden sich mehr und mehr Betriebe von der Kurzarbeit.

In der Krise waren es maximal 3 500 Menschen in 160 Betrieben, die „kurz“ arbeiteten, gegenwärtig beziehen noch 1 600 Arbeitnehmer in 68 Firmen Kurzarbeitergeld. Diese Zahl nennt Hartmut Pleier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur in Karlsruhe, auf Anfrage dieser Zeitung. „Die Zahl geht zwar kontinuierlich zurück, aber sie ist immer noch relativ hoch.“
Die Situation hiesiger Unternehmen, die wegen der Wirtschaftsflaute die Produktion in erheblichem Maße zurückfahren mussten, hat sich seit dem Frühjahr insgesamt verbessert. „Nach und nach sind die Kapazitäten in den Firmen wieder ausgelastet. Vor allem exportorientierte Betriebe bekommen den Aufschwung zu spüren. Sie erhalten verstärkt Aufträge aus dem Ausland“, erläutert Pleier. Er fügt hinzu: „Für Unternehmen, die nur für den heimischen Markt produzieren, stellt sich die Lage noch als schwierig dar.“ Gut überstanden haben die Handwerksbetriebe in Bretten das Krisenjahr. „Sie profitierten stark von der Nachfrage der Verbraucher vor Ort und von Aufträgen aus dem Konjunkturpaket.“

Von der Wirtschaftskrise heftig gebeutelt wurde die Metall- und Elektrobranche. „Der Absturz war in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie besonders zu spüren. Jetzt fangen diese tief unten im Tal an. Deswegen reicht der Auftragseingang dort noch nicht überall aus, um ganz aus der Kurzarbeit zu gehen. Es gibt jedoch einige Betriebe in dieser Branche, bei denen wieder Vollbeschäftigung herrscht und normal gearbeitet wird.“

Wie stabil der Aufschwung in der Region sein wird, das hängt nach Worten Pleiers von der Entwicklung in den nächsten Monaten ab. Erst danach könne man sagen, ob es sich um eine generelle Trendwende handelt und die konjunkturelle Erholung weiter an Kraft gewinnt. Dass es in dem einen oder anderen Unternehmen jetzt wieder so gut läuft, hat mehrere Gründe.
Der Karlsruher Agentur-Vorsitzende meint einen Grund zu kennen: „Von dem Aufschwung profitierten Arbeitgeber, die die Kurzarbeit dazu genutzt haben, ihre Arbeitnehmer weiterzuqualifizieren. Das wird für diese Betriebe auf lange Sicht positive Effekte haben.“ Durch die Qualifizierung von Beschäftigten habe sich die Produktivität erhöht und damit habe sich insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit verbessert.

Pleier bewertet den Einsatz des Instruments Kurzarbeitergeld nach den gesammelten Erfahrungen positiv. „Die Bundesregierung hat sich angesichts der starken Auftragseinbrüche früh für eine großzügige Kurzarbeiter-Regelung entschieden. Dadurch konnten Entlassungen in großem Stil vermieden werden.“

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