Flächenverbrauch geht zurück

Tiefster Stand seit 50er Jahren / Nabu und Grüne mahnen weitere Anstrengungen an
Für Umweltministerin haben innerörtliche Flächen Vorrang
Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Voigt
Stuttgart. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) spricht von einer für den Umwelt- und Naturschutz „erfreulich positiven Entwicklung“: Seit 2007 hat der Südwesten rund 30 Prozent weniger Fläche für neue Wohn- und Gewerbegebiete sowie Straßen benötigt. „Der Verbrauch naturnaher Flächen ist 2009 mit täglich sieben Hektar seit den 50er Jahren auf einen Tiefststand gesunken“, sagte Gönner. In den Hoch-Zeiten des Flächenverbrauchs Anfang der 1970er Jahre wurden Tag für Tag mehr als 25 Hektar für Häuser, Straßen und Erholung ausgewiesen. (Siehe „Angemerkt“.)

Nach Ansicht der Umweltministerin haben viele Kommunen in Baden-Württemberg erkannt, dass immer mehr Neubau- und Gewerbegebiete die Zersiedelung von Kultur- und Naturlandschaften begünstige und am Ende die Lebensqualität beeinträchtige. Das wirke sich negativ auf die Attraktivität einer Region aus. Schon weil es in Zukunft immer mehr ältere und immer weniger junge Menschen gebe, brauche es eine nachhaltige und konsequente Siedlungsentwicklung, mahnte die Umweltministerin.

Für sie hat die Nutzung innerörtlicher Flächen Vorrang. Es dürften nicht bei jeder Gelegenheit „unnötig auf Halde“ neue Siedlungsgebiete ausgewiesen werden, warnt sie die Rathäuser im Land. Gegenüber dem zeitraum 2004 bis 2008 wurden im vergangenen Jahr mit täglich 3,4 Hektar mehr als 20 Prozent weniger Flächen für neue Wohngebiete ausgewiesen, rechnet die Chefin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, vor. Dies wird als Hinweis auf den Trend zum Wohnen in der Stadt gewertet. Gar um 40 Prozent rückläufig ist die Ausweisung so genannter Erholungsflächen wie etwa Golfplätzen und anderer Sportanlagen. Hier habe sich eine gewisse Sättigung eingestellt, mutmaßt die Umweltministerin. Für Gewerbe- und Industrieflächen wurden dagegen wie bereits in den Vorjahren täglich 1,6 Hektar im Land umgewidmet. Gönner rechnet damit, dass die anziehende Konjunktur diesen Wert steigen lässt.

So sieht es auch der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. Dessen Landeschef Andre Baumann mahnte Anstrengungen an, den Flächenverbrauch von der Konjunktur zu entkoppeln. Der Rückgang beim Flächenverbrauch sei jedoch grundsätzlich erfreulich. Eine Meinung, die auch die Landtags-Grünen teilen. Deren umweltpolitische Sprecherin, die Karlsruher Abgeordnete Gisela Splett, mahnt jedoch weitere Anstrengungen an. Die Regierung bleibe hinter ihren selbst formulierten Zielen zurück – namentlich hinter der 2006 angestrebten Nettonull beim Flächenverbrauch.

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