Angemerkt

Auch wenn sich der Flächenfraß im Land während der vergangenen beiden Jahren etwas abgeschwächt hat – es gibt noch lange keinen Grund zum Jubeln. Sieben Hektar Natur verschwinden Tag für Tag; das entspricht in etwa zehn Fußballfeldern. Macht Stand heute satte 14 Prozent von Baden-Württemberg, die mit Wohnhäusern, Fabriken, Schienen, Straßen und Erholungsflächen zugepflastert sind. Tendenz steigend. Schon der gesunde Menschenverstand müsste eigentlich deutlich machen, dass ein „Weiter so“ an dieser Stelle der falsche Weg ist. Das Heft des Handelns hat die Landesregierung freilich nicht in der Hand. Zumindest nicht allein. Die Planungshoheit liegt bei den Kommunen, und denen war in der Vergangenheit das eigene Hemd wichtiger als der Rock des Landes. Es ging um die Aussicht auf Gewerbesteuer und um junge Familien, die man mit Baugebieten umwerben wollte.

Spätestens jetzt müsste sich in den Rathäusern jedoch herumgesprochen haben, dass die Zeichen der Zeit in eine andere Richtung weisen: Die Bevölkerung geht zurück, und Wohnquartiere in den Zentren haben mit ihrer Attraktivität, der besseren Verkehrsanbindung und guten Einkaufsmöglichkeiten den Siedlungen außerhalb längst den Rang abgelaufen. Gemeinden, die jahrzehntelang auf wuchernde Neubaugebiete gesetzt haben, bekommen Probleme: Leerer wird es in den Speckgürteln. und die verbleibende Wohnbevölkerung wird älter.
Jetzt muss die Qualität der Wohnquartiere statt ihrer Quantität verbessert werden. Wo es dennoch um die Neuausweisung geht, könnte mit Flächen-Zertifikaten gehandelt werden. So ließe sich die Siedlungs-Entwicklung schonend steuern. Vorausgesetzt, der bürokratische Aufwand bleibt dabei vertretbar.
Wolfgang Voigt

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2 Antworten zu Angemerkt

  1. klausT. sagt:

    Man muss sich mal folgendes vergegenwärtigen:

    73 Prozent des Steueraufkommens 2009 wurden von Arbeitnehmern und lediglich 6,2 Prozent von Arbeitgebern aufgebracht.
    Steuer-Leistung muss sich (fürs Finanzamt) lohnen.
    Mehr Netto vom Brutto gehört in die Märchen- und Sagenwelt! 🙂

  2. P.-G. sagt:

    FLÄCHENFRAß
    … „Es ging um die Aussicht auf Gewerbesteuer“…

    Anteil am Steueraufkommen 2009

    39,2% Lohn- und Einkommensteuer
    33,8% Mehrwertsteuer
    6,2% Gewerbesteuer

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