Mehr Betrügereien, aber auch mehr brutale Schlägereien

Polizeichef Rolf Hilpp schildert dem Brettener Gemeinderat Zunahme der Straftaten 2009 um neun Prozent
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Aus erster Hand ließ sich der Gemeinderat gestern Abend über die Geschehnisse in der Nacht zuvor in Diedelsheim unterrichten. Rolf Hilpp, der Chef des Polizeireviers, schilderte ausführlich die Vorkommnisse in der Schubertstraße, die von einem Sondereinsatzkommando ohne Blutvergießen beendet wurden (siehe Bericht links). Oberbürgermeister Martin Wolff, der während des Einsatzes ebenfalls vor Ort war, dankte Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst für ihre Arbeit. „Das hat toll funktioniert.“ Dass es beim Stichwort Kriminalität in Bretten weniger um derartige Ereignisse geht als um Diebstahl, Betrug oder Sachbeschädigung, machte der Berichts über die Entwicklung der Kriminalität im Bretten im vergangenen Jahr deutlich, der der eigentliche Anlass für den Auftritt des Polizeichefs vor dem Gemeinderat war. Hilpp berichtete, dass die Zahl der Straftaten in Bretten 2009 um neun Prozent auf 1 347 gestiegen ist, deutlich stärker als in den umliegenden Gemeinden. Immerhin steigerte sich die Aufklärungsquote um den selben Betrag. Die Brettener Beamten klärten fast 66 Prozent der Straftaten, das ist deutlich besser als im Kreis oder im Land. 813 Tatverdächtige wurden ermittelt, eine Steigerung von sogar 23 Prozent. Etwa ein Drittel aller Verdächtigen war 21 Jahre und jünger.

An erster Stelle der Brettener Kriminalitäts-Statistik stehen Diebstähle. Deren Zahl stieg um 80 auf 498. Wohnungseinbrüche, die die Bürger besonders beunruhigen, kamen allerdings nur zwölfmal vor. Auch die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte kletterte um 22 auf 377. Zum größten Teil handelt es sich um Betrügereien, etwa bei Internet-Versteigerungen oder Versandhaus-Bestellungen. In 153 Fällen wurde Sachbeschädigung protokolliert, davon 59-mal Vandalismus an Autos.
Als beunruhigend bezeichnete der Polizeichef den Anstieg der Gewaltdelikte von 121 auf 169 innerhalb eines Jahres. Die Zahl der Körperverletzungen kletterte von 85 auf 115. Dagegen nahmen die Beamten nur 16 Rauschgift-Fälle auf, ein Jahr davor waren es 41.

Keinen einheitlichen Trend meldete der Chef der Polizeireviers bei der Entwicklung der Kriminalität in Bretten über einen längeren Zeitraum. Steigerungen und Rückgänge folgen aufeinander. Im laufenden Jahr könnte es womöglich wieder einen Rückgang geben. Immerhin liege die Zahl der Fälle bis Mai um zehn Prozent niedriger als im gleichen Vorjahr-Zeitraum.
Angesichts einer Belastung der Einwohner von 0,047 Straftaten im Jahr sei eine ständige Furcht der Bürger, überall und jederzeit Opfer einer Straf- oder Gewalttat werden zu können, unbegründet, versicherte Hilpp – zumal sich fast ein Drittel der Taten in Form von Betrügereien hinter verschlossenen Haustüren begangen würden.
Ausdrücklich angesprochen wurde von Rolf Hilpp das Problem betrunkener Jugendlicher. 2009 wurden in Bretten fünf gravierende Fälle protokolliert, unter anderem den einer 15-jährigen Schülerin, die mit 2,5 Promille ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Alkohol spielt auch eine wichtige Rolle bei Gewalttaten. Bei Körperverletzungen – die Zahl stieg in Bretten von 143 auf 180 – liegt der Anteil der jugendlichen Täter bei rund 40 Prozent. Das ist doppelt so hoch wie der Anteil der Jugendlichen an der Bevölkerung.

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1 Antwort zu Mehr Betrügereien, aber auch mehr brutale Schlägereien

  1. Bur- sagt:

    Heile Welt in einer heilen Stadt?

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