„Emotionalen Widerstand gilt es zu überwinden“

Bauflächen werden rar und die Einwohnerzahl nimmt ab: Innenstadtentwicklung gewinnt an Bedeutung
Von unserem Redaktionsmitglied Christina Zäpfel
Bretten. Die Internet-Anwendung „Google Earth“ ist nicht nur eine nette Spielerei, sie bringt auch manches ans Licht, was dem normalen Betrachter bislang weitgehend verborgen blieb. Zum Beispiel ist es möglich, aus der Vogelperspektive auf den eigenen Straßenzug zu schauen und zu sehen, dass in zweiter Reihe noch jede Menge freie Bauflächen sind.
Freilich musste sich das Stadtplanungsamt nicht unbedingt des Google-Programms bedienen, um festzustellen, dass es in Brettens Innenstadt reichlich Potenzial zur sogenannten Nachverdichtung gibt, sprich: dass innerstädtische Bauflächen brach liegen – Baulücken, große Gärten, alte Scheunen. Im Gemeinderat war man sich jetzt einig, dass es zukünftig verstärkt notwendig sein wird, solche innerstädtischen Flächen für Neubauten zu erschließen, um damit auf den demografischen Wandel besser reagieren zu können.

Denn zwei grundlegende Entwicklungen befördern diese Erkenntnis, sie heißen verkürzt: Flächen werden rarer und die Bevölkerung nimmt ab, beziehungsweise wird immer älter. Laut statistischem Landesamt steigt die Bevölkerungszahl in den nächsten beiden Jahren im Land nochmal an, um dann bis ins Jahr 2030 kontiniuierlich zu sinken. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Bretten, genauso wie die Prophezeiung, dass 2030 jeder dritte Einwohner Baden-Württembergs 60 Jahre oder älter sein wird, die Zahl der über 85-Jährigen wird sich verdoppelt haben. Das Ziel einer Innenentwicklungsstrategie, so führte Stadtplaner Ulrich Braun in der Gemeinderatssitzung aus, lautet deshalb: Die Stärkung der Brettener Innenstadt, der innenstadtnahen Lagen und Zentren der Stadtteile. Außerdem sollen Baulücken ausfindig gemacht werden, und generationsübergreifende sowie barrierefreie Wohnformen gezielt gefördert werden.

So sinnvoll – so schwierig, so der Tenor aus der Sitzung. Problematisch sind häufig die kleinteilige Eigentümer- und Grundstücksstruktur, Flächenzuschnitte sind nicht groß genug, es entstehen „nachbarschaftliche Nutzungskonflikte“, wenn im großen Nachbarsgarten plötzlich ein Mehrfamilienhaus entsteht. Doch derlei Probleme wollen Gemeinderat und Verwaltung nicht gelten lassen, bereits in der Vergangenheit gab es Initiativen zur Nachverdichtung, etwa in Gölshausen, wo ein Bebauungsplanverfahren wegen oben genannten Problemen gerade ruht, an anderer Stelle – zwischen Zehnt- und Zunftstraße – aber neu verhandelt wird. In der Kernstadt und Diedelsheim sowie in der Herderstraße in Gölshausen und im alten Ortskern von Ruit zeichne sich weiteres Potenzial ab.

„Emotionalen Widerstand gilt es zu überwinden und Überzeugungsarbeit für diese wichtige innerstädtische Entwicklung zu leisten“ – darin waren sich Braun und die Fraktionen einig. Die Schwelle von 30 000 Einwohner werde Bretten wohl nicht mehr überschreiten, neue, zentrumsnahe und altersgerechte Wohnformen werden in Zukunft gefragt sein. Auf Vorschlag von Grünen-Chef Otto Mansdörfer gab man der Verwaltung zudem den Auftrag, dem Gemeinderat bis Ende des Jahres konkrete Innenentwicklungspotenziale vorzustellen und Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne vorzubereiten.

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2 Antworten zu „Emotionalen Widerstand gilt es zu überwinden“

  1. mm sagt:

    geradezu ein Paradigmenwechsel in der Brettener Stadtentwicklung, oder einfacher: man hat endlich eine seit Jahren vorhersehbare Entwicklung zur Kenntnis genommen. Im Übrigen wird nicht nur der Flächenverbrauch reduziert, es werden ebenso der Allgemeinheit die Kosten für die Erschließung der unnötigen Baugebiete erspart, die erheblich sind, wie in diesem Artikel nachzulesen.

  2. hape sagt:

    Endlich müssen wir keine 30.000 Bürger Stadt mehr werden.
    Da die Stadt zudem noch Geldquellen für den klammen Haushalt sucht, wie wäre es mit einer deutlichen Erhöhung der Grundsteuer auf voll erschlossene, aber unbebaute Grundstücke?

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