Kritik an Brettener Schulfinanzierung

Diskussion über Zustand an Schulen in der Melanchthonstadt / Ganztagsbetreuung ein Thema
Kein leichter Stand für Bürgermeister Leonhardt
Von unserem Mitarbeiter Arnd Waidelich
Bretten. Bildung bewegt. Und das in ganzer Doppeldeutigkeit. Zunächst einmal hatten sich überraschend viele Interessierte zur Podiumsdiskussion der Brettener SPD-Frauen über die „Finanzierung der Bildung in Baden-Württemberg“ in den Bürgersaal des alten Rathauses bewegt. Geballter Sachverstand zur Schulpolitik in Bretten war da versammelt, und nicht nur auf dem Podium. In den Zuhörerreihen saßen etliche Rektoren, Elternbeiräte, Lehrer und selbstverständlich viele engagierte Eltern. Letztere zeigten sich besonders bewegt von den Zuständen in den Brettener Schulen und waren sich in ihren Beiträgen durchweg einig: Es stehe nicht zum Besten mit dem Brettener Schulwesen. Das untermauerten Eltern mit einer Vielzahl von Beispielen. Etliche Mütter hatten sich gut vorbereitet auf die Veranstaltung. Sie versuchten, Widersprüchliches in der Brettener Haushaltsplanung, was die Schulfinanzierung betrifft, deutlich zu machen.

Dass er keinen leichten Stand in einer solchen Veranstaltung haben würde, ahnte Finanzbürgermeister Willi Leonhardt. Gleich mehrfach läutete er seine Äußerungen mit der Erwartung ein, dass er jetzt wohl „gleich Prügel bekommen werde“. Etwa für die Formulierung, „dass bei uns nicht alles 1a sein kein, dass es manchmal eben auch 2b sein muss!“ Das beziehe sich jedoch ausschließlich auf die Betreuungsformen außerhalb des regulären Unterrichts. Das Durcheinander, das dort herrsche, sei allerdings mehr als unbefriedigend. Leonhard betonte jedoch auch, dass der Stadt die Schulen nach Abzug von Zuschüssen immerhin noch 1,3 Millionen Euro wert seien.

Michael Futterer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setzte dagegen auf das „Heilbronner Modell“. Dort habe man begriffen, dass Ganztagsbetreuung von Kindern für die Stadt ein enormer Standortvorteil sei. Gerade beim umstrittenen „Jugendbegleiterprogramm“ herrsche ein großes Defizit, meinte Ulrike Reich-Mattis. Die Stadt engagiere sich nicht im notwendigen Maß. Die Ganztagsbetreuung sei praktisch nur durch die ehrenamtliche Arbeit von Müttern, durch Sponsoring und die Arbeit der Fördervereine aufrecht zu erhalten, meinte die Gesamt-Elternbeiratsvorsitzende, die gleich entsprechendes Zahlenmaterial lieferte.

Futterer beschrieb die damit einhergehenden Gefahren so: „Schulen mit reichen Eltern haben alles, Schulen mit armen Eltern haben wenig! Eine 100 Prozent öffentliche Schule müsse aber zu 100 Prozent öffentlich finanziert werden.“ Er forderte das Land zu erheblich mehr finanziellen Anstrengungen im Bildungsbereich auf. Auf Ungereimtheiten bei der von der Verfassung gewährten Lehrmittelfreiheit machten andere Eltern aufmerksam, wie auch darauf, dass effektiver Unterricht nur durch eine Senkung des Klassenteilers erreicht werden könne.

Schulrätin Margarethe Frenzel legte den Schwerpunkt ihres Beitrages auf die Schulsozialarbeit. Diese spiele eine wichtige Rolle in einer gewandelten Gesellschaft, betonte Frenzel. Deshalb sei es unverständlich, dass das Land aus deren Finanzierung ausgestiegen sei. Jetzt dürfe man aber nicht müde werden, darum zu kämpfen, „denn wer nicht kämpft, der hat schon verloren“. Ein Ziel für diesen Kampf gab der GEW-Mann Futterer vor: „Nächstes Jahr sind Landtagswahlen. Wann, wenn nicht jetzt ist es möglich, Einfluss zu nehmen!“

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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2 Antworten zu Kritik an Brettener Schulfinanzierung

  1. spezi sagt:

    Bretten befindet sich in
    Baden-Württemberg

    „Land rutscht in Bildungsstudie weiter ab

    Baden-Württemberg rutscht im bundesweiten Schulvergleich weiter ab, wie „Heilbronner Stimme“ und „Mannheimer Morgen“ (Donnerstag) berichten. Die Blätter beziehen sich auf den noch unveröffentlichten neuen bundesweiten Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), der als deutsches Pendant zum internationalen Pisa-Test gilt. Demnach ist das Bildungsniveau von 2011 auf 2016 in ganz Deutschland massiv gesunken, vor allem in Bremen und Baden-Württemberg. Damit würde sich in Baden-Württemberg der Negativtrend aus dem Vorjahr fortsetzen. Die Studie wird am Freitag veröffentlicht. Für die aktuelle Erhebung wurden bundesweit nach Angaben der Zeitungen etwa 30.000 Viertklässler aus mehr als 1.500 Schulen in Mathe und Deutsch getestet.“

    Beachte auch KOMMENTARE!!! unter:

    https://www.swr.de/swraktuell/bw/baden-wuerttemberg-land-rutscht-in-bildungsstudie-weiter-ab/-/id=1622/did=20438888/nid=1622/fwfbap/index.html

  2. mm sagt:

    positiv ist an der ganzen Veranstaltung nur eines: dass es sie überhaupt gegeben hat!
    Zu Zeiten von OB Metzger wäre Kritik am Schulstandort Bretten von ihm persönlich verhindert, die Akteure unter Druck gesetzt worden. Deshalb ist die Veranstaltung als Neuanfang und Rückkehr zur Normalität in einem demokratischen Gemeinwesen nur zu begrüßen.

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