Heimische Sträucher statt grünen Betons

Oberbürgermeister Wolff unterzeichnet die Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“
Bretten. Bislang ist es nur eine Unterschrift unter eine Deklaration. Dass diese Erklärung zur „biologischen Vielfalt in Kommunen“ tatsächlich in Bretten umgesetzt wird, dafür verbürgten sich Oberbürgermeister Martin Wolff und Walter Gruber, der Leiter des Technik- und Umweltamtes, gestern bei der Unterzeichnung. Und Gerhard Fritz vom Naturschutzbund (Nabu) Bretten ließ keinen Zweifel daran, dass er der Stadtverwaltung immer wieder auf den Zahn fühlen und die Umsetzung des Strategiepapiers einfordern werde.

Konkret geht es darum, im Jahr der biologischen Vielfalt ein Augenmerk auf die Bedrohung etwa der Artenvielfalt zu haben und Maßnahmen umzusetzen, die den Verlust der Arten eindämmen. Das können renaturierte Bachläufe sein, Biotopvernetzung oder der Erhalt wertvoller Streuobstwiesen, nannte Gruber Beispiele aus der Vergangenheit.
Deshalb kommen bei dieser Deklaration, die unter anderem vom Bundesamt für Naturschutz und der Deutschen Umwelthilfe deutschlandweit angestoßen wurde, auch den Städten und Gemeinde eine besondere Bedeutung zu. „Sie spielen angesichts ihrer umfassenden Aufgaben in Planung, Verwaltung und Politik und der damit verbundenen Entscheidung über den Umgang mit Natur und Landschaft vor Ort eine wichtige Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt“, heißt es in der Erklärung.

Die erste Maßnahme werde sein, die Brettener Bürger mit Kraichgausträuchern zu versorgen, führte OB Wolff ein Beispiel an. Von morgen an besteht wie in den vergangen Jahren die Möglichkeit, heimische Sträucher für jeweils 1,60 Euro pro Pflanze bei der Stadt zu bestellen. „Sie ahnen nicht, wie viele Vögel, Insekten und Säugetiere allein vom Schwarzen Holunder profitieren“, erklärte Fritz den Wert der heimischen Pflanze. Thuja, Bambus oder Lorbeerkirsche seien dagegen eine Art „grüner Beton“ – weitgehend wertlos in diesen Breitengraden für den Erhalt der Arten.

Fritz bezeichnete die Unterschrift unter die Deklaration deshalb als Paradigmenwechsel – „für mehr Lebensqualität und zugleich mehr Verantwortung für zukünftige Generationen“. Die Deklaration sieht unter anderem folgende Handlungsfelder vor: Städtebauliche Konzepte, die etwa eine angemessene Siedlungsdichte vorsehen oder einen Verzicht auf Pestizide auf öffentlichen Grünflächen. Ebenso verpflichten sich die Unterzeichner dazu, ihre Bürger über die Zusammenhänge zwischen der biologischen Vielfalt im urbanen Raum und einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung aufzuklären, so die Lesart der Deklaration, die bislang vor allem eines ist: abstrakt.
Wolff, Gruber und Fritz schienen gestern allerdings entschlossen genug, ihre Ideenvielfalt in Zukunft zu bündeln und für die ökologische Vielfalt in Bretten einzusetzen – zumal just heute der internationale Tag des Artenschutzes begangen wird. Christina Zäpfel

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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8 Antworten zu Heimische Sträucher statt grünen Betons

  1. Ottm.Schu. sagt:

    „…Städte und Gemeinden spielen eine wichtige Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt.“

    Und wie im obigen Bericht – Beim Erhalt der Einfalt!

  2. Ro. St. sagt:

    @ B. Rain

    „Falls die Stadt Bretten beabsichtigt, weitere Wohn- und Gewerbegebiete auf der grünen Wiese auszuweisen, wird die Siedlungdichte zu- und die Biologische Vielfalt weiter abnehmen!“

    Bestes aktuelles Beispiel:

    Brunnenstube!

  3. B. Rain sagt:

    „ … Städtebauliche Konzepte, die etwa eine angemessene Siedlungsdichte vorsehen.“
    Wird sich durch die Unterzeichnung der Deklaration die Siedlungsdichte zum Vorteil der „Biologischen Vielfalt“ ändern? Dies wäre doch nur möglich, wenn Bürger von Bretten wegziehen und ihre bisherigen Wohnflächen der Natur wieder zurückgegeben werden.
    In Bretten war aber bisher das Gegenteil der Fall.
    Nach Angaben des Statistischen Landesamtes betrug im Jahre 2008 die Bevölkerungsdichte in Bretten 4oo Einwohner pro km2 , der Landeswert lag bei 3oo ! Zur Erinnerung: 1985 betrug die Siedlungsdichte noch 331 (Bretten) bzw. 259 (Baden-Württemberg).
    Falls die Stadt Bretten beabsichtigt, weitere Wohn- und Gewerbegebiete auf der grünen Wiese auszuweisen, wird die Siedlungsdichte zu- und die Biologische Vielfalt weiter abnehmen!
    Daran werden auch ein paar einheimische Sträucher nichts ändern können.
    zum Flächenverbrauch der Stadt Bretten

  4. mel.-my. sagt:

    Wir sind hier ja nicht auf einem Dorf-Anger! 🙂

  5. addi.- sagt:

    Ein Noch-Winter Märchen 🙂

    Bretten ist eine Stadt und keine Blumenwiese!

  6. t sagt:

    Stadtentwicklung, städtebauliche Konzepte – gibt es sowas tatsächlich?

  7. Tim sagt:

    An mm von heute

    Papier ist geduldig.

  8. mm sagt:

    da kann man nur hoffen, dass dieser „Initiative“ nicht das gleiche Schicksal droht, wie der „ökologischen Initiative von 1992“ !!

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