„Hoffe, dass die meisten alten Linden gehalten werden können“

Oberbürgermeister Paul Metzger rechtfertigt sich nach der Kritik am Kahlschlag der Platanenallee in der Bahnhofstraße
„Mit mir nicht abgestimmter, bedenklicher Vorgang“
Bretten (ba). Auf die Angriffe wegen des Kahlschlags in der Bahnhofstraße hat jetzt Oberbürgermeister Paul Metzger reagiert. In einem Schreiben an die Mitglieder des Gemeinderats, das unserer Zeitung am Mittwochabend nach Redaktionsschluss zuging, erklärt Metzger, „die Arbeiten in der Bahnhofstraße wurden plangemäß ausgeführt, ohne auf die besondere Problematik im Wurzelbereich der Platanen zu achten“.

Metzger schreibt weiter: „Die Baufirma wurde von Herrn Beisel im Beisein von Herrn Gruber angewiesen, die für den notwendigen Bordstein hinderlichen Wurzeln nicht mit dem Bagger abzureißen, sondern auf der Südseite 75 Zentimeter und auf der Nordseite rund 1,5 Meter vom Stamm mit einer Säge zu kappen. Erst nach Einbau des Unterbetons für die Bordsteine wurde ich am 13. August über diesen mit mir nicht abgestimmten, bedenklichen Vorgang informiert.

Die befürchteten Standsicherheitsprobleme der Platanen haben sich leider bestätigt. Der Gutachter sah eine hohe Wurfgefährdung und Gefahr im Verzug. Aus Gründen der Verkehrssicherheit waren die Bäume deshalb nicht zu halten. Allen Fraktionssprechern habe ich dies am 14. August mitgeteilt. Ich hoffe, dass die meisten alten Linden in der Wilhelmstraße gehalten werden können,“

In einem Brief an Stadtrat Otto Mansdörfer von der Grünen-Fraktion, der Metzger wegen der Aktion scharf kritisiert hat (wir berichteten), geht Metzger weiter ins Detail und beteuert, er sei „fest davon ausgegangen, dass die vom Stadtplanungsamt und vom Stadtbauamt vorgelegte und realisierte Umbau- und Aufwertungsmaßnahme problemlos umgesetzt wird.“ Weiter berichtet er, „am 13. August 2009 fielen mir gekappte, große Baumwurzeln auf und ich wurde daraufhin von Herrn Gruber und Herrn Beisel informiert, dass bei den bereits beidseitig des Grünstreifens durchgeführten Schachtungsarbeiten für den Betonunterbau der Hochbord sowohl die Zug- als auch die Druckwurzeln gekappt wurden. Als Laie bin ich davon ausgegangen, dass die Wurzeln nicht beschädigt werden, sondern soweit nach unten in das Erdreich ziehen, dass darüber gebaut werden kann.“

Er habe dann Gespräche mit Fachleuten geführt, wie man die Bäume trotzdem erhalten könnte, heißt es weiter. „Angedacht war eine Einkürzung der Kronen um 40 bis 50 Prozent, ohne dass dadurch mir die Standsicherheit bestätigt worden wäre. Das Einkürzen selbst wäre einer Amputation der seit knapp 60 Jahren dort sich entwickelnden Platanen gleich gekommen.“ Seine Sorge um die Standsicherheit der Bäume habe er nicht nur den Sprechern der Fraktionen mitgeteilt, sondern gleich noch den Bauexperten Professor Mattheck als Gutachter informiert. Mattheck habe ihn am 20. August persönlich darauf hingewiesen, dass die Bäume akut wurfgefährdet und Gefahr im Verzuge sei. „Das Wurzelwerk der Platanen war im Übrigen durch die Verlegung von Hoch- und Niederdruckgasleitungen vor einigen Jahren bereits nicht unwesentlich vorgeschädigt“, stellt der OB ergänzend fest.

Auch auf den Fall einer alten Linde in der Wilhelmstraße bei einem Unwetter in der vergangenen Woche (die BNN berichteten) geht Metzger ein und beteuert, er wolle zwar, dass die Linden dort erhalten bleiben, werde jedoch einen Gutachter beauftragen, um die Standsicherheit weiterer sichtbar gefährdeter Bäume zu bestätigen.

„Wäre es in der Wilhelmstraße zu einem Unfall mit Personenschäden gekommen, wären nach der gültigen Dienstanweisung der Stadtverwaltung Herr Gruber und Herr Beisel verantwortlich und hätten mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen müssen.“

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2 Antworten zu „Hoffe, dass die meisten alten Linden gehalten werden können“

  1. Lud sagt:

    Was soll es noch?

    Er liegt doch schon in seinen letzten beruflichen Zügen!

  2. Quercus sagt:

    Wer erfolgreich lügen will, um seine Bürger zu täuschen, der braucht ein gutes Gedächtnis. Wenn OB Metzger jetzt behauptet, das Fällen der Platanen sei ein „ Mit mir nicht abgestimmter, bedenklicher Vorgang“, so steht dies im Widerspruch zu seiner Aussage vom September 2008.
    Hat das Stadtoberhaupt seine Forderung von damals schon vergessen?
    „Unser Ziel ist es, den vorhandenen Straßenraum leistungsfähiger zu gestalten“, begründet der OB die umfangreichen Maßnahmen. Zudem wolle man den Besuchern vom Bahnhof aus einen offenen Blick in die Stadt bieten: „Bretten braucht hier ein schöneres Entree.
    Den offenen Blick hat er durch das Fällen der Bäume erreicht und seinen (!) Willen durchgesetzt. Jetzt wälzt er auch noch die Schuld auf seine Mitarbeiter ab.

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