Wie geht es in Bretten weiter – Entscheidung noch 2009

Kommt eine Generalsanierung oder ein Neubau der Klinik? / Umfassende Investitionen am Krankenhaus Bruchsal geplant
Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kuld
Bruchsal/Bretten. Neubau oder Generalsanierung? Noch in diesem Jahr soll die Entscheidung darüber fallen, wie es mit dem Kreiskrankenhaus Bretten weitergeht. Eine Expertengruppe diskutiert derzeit noch die Bedarfsplanung und die Realisierungsmöglichkeiten – offenkundig drängt die Entscheidung.

Erst im Sommer vergangenen Jahres wurde die Regionale Kliniken Holding (RKH) als Partner für den Landkreis ins Visier genommen, und schon jetzt steht eine so wegweisende Entscheidung an. Dafür haben Landrat Christoph Schnaudigel und RKH-Geschäftsführer Edwin Beckert indirekt jetzt die Grundlagen insoweit geschaffen, als sie letzte erforderliche Verträge für das Zusammengehen unterschrieben.

Das Krankenhaus in Bretten – so viel steht fest – soll wie bisher mit einer medizinischen Klinik, einer Chirurgie, der Palliativstation, Radiologie sowie den Belegabteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe geführt werden. „Allerdings wird die Bettenzahl deutlich reduziert werden“, sagt die zuständige Regionaldirektorin Susanne Jansen. Ausgangszahl ist 240 – am Ende wird die Zahl unter 200 liegen. Das bedeute aber keinesfalls eine verschlechterte Versorgung, betont die medizinische RKH-Geschäftsführerin Andrea Grebe. Durch die beständig kürzere Verweildauer des einzelnen Patienten könne auch bei einer geringeren Bettenzahl die gleiche oder sogar eine bessere Leistung erbracht werden. In Bretten wurden im ersten Halbjahr 4 082 Patienten stationär behandelt.

In der mit rund 370 Betten größeren Kreisklinik Bruchsal waren es im gleichen Zeitraum 7 932. Auch dort sind erhebliche Veränderungen geplant, nachdem das medizinische Angebotsspektrum in der jüngeren Vergangenheit neu geordnet worden ist. Noch neu ist die Klinik für psychosomatische Medizin, relativ neu die Aufteilung der Chirurgie in zwei eigenständige Fachbereiche mit neuen Chefärzten. Ebenfalls noch relativ neu ist der Chef der urologischen Abteilung, die für Andrea Grebe ein Alleinstellungsmerkmal des Bruchsaler Krankenhauses darstellt. Hinzu kommen in Bruchsal die medizinische, die radiologische und die Frauen-Klinik.

Für Bruchsal gibt es nach Angaben von Schnaudigel und Jansen eine bauliche Zielplanung – diese umfasst beispielsweise die zentrale Notaufnahme, die Aufstockung des B-Baus und die Erweiterung des C-Baus. Unabhängig davon nimmt Bruchsal einen neuen Magnetresonantomographen in Betrieb. Kosten: 1,2 Millionen Euro.

Aktuell geht es in Bruchsal um die Neuorganisation der EDV. „Wir wollen schneller sein und das Personal auf den Stationen von Verwaltungsarbeit entlasten“, sagt Edwin Beckert. So wird es künftig möglich sein, dass es von jedem Patienten eine elektronische Akte gibt, für die alle noch eingehenden Befunde auf Papier eingescannt werden. Die Stationen erhalten Laptops, um unmittelbaren Zugriff auf Daten zu erhalten, zu denen auch alle Röntgenaufnahmen zählen – die Zeiten des Herumtransportierens der Filme sind dann Vergangenheit. Vergangenheit ist auch die regelmäßige Abdeckung des Betriebsdefizites aus der Kreiskasse. Nur dieses und das kommende Jahr gibt der Kämmerer dafür noch etwas aus. Vereinbart sind jeweils 50 Prozent, wobei für dieses Jahr nach der Hochrechnung 3,3 Millionen Euro fällig werden. Schon bald ist eine operative „schwarze Null“ geplant.

Der Kreis wendet allerdings jährlich noch 2,9 Millionen Euro für die Kliniken auf – für Zins und Tilgung.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

Print Friendly, PDF & Email

Ähnliche Artikel :

Dieser Beitrag wurde unter Sonstiges abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Wie geht es in Bretten weiter – Entscheidung noch 2009

  1. seb. sagt:

    Und das Krankenhaus-Personal könnte sogar größtenteils weiterbeschäftigt werden.

  2. seb. sagt:

    So gesehen ein ideales bebautes und unbebautes Gelände für ambulante, teilstationäre und stationäre Kuren! 🙂

  3. -Irmg- sagt:

    Der Titel „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ wurde wohl auch nach schriftlichem Frage- und Antwortverfahren verliehen?

  4. -Irmg- sagt:

    Oder
    Das Krankenhaus-Areal auf dem Rechberg in ein Kurgebiet-Gelände umwandeln, sobald man im Antragsverfahren das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ oder „Kurort“ oder „Luftkurort“ oder „Erholungsort“ erhalten haben wird! 🙂

  5. p sagt:

    Oder
    Ein Neubau dann, wenn er billiger ist als eine Sanierung;
    Sanierung dann, wenn sie billiger ist als ein Neubau.

  6. -neresh- sagt:

    Unter (un-)wirtschaftlichen Gesichtspunkten
    – das KH Bretten minimal schließen oder
    – maximal sanieren und
    – das KH Bruchsal erweitern.

  7. Tab. sagt:

    „Ausgangszahl ist 240 – am Ende wird die Zahl unter 200 liegen….Durch die beständig kürzere Verweildauer des einzelnen Patienten könne auch bei einer geringeren Bettenzahl die gleiche oder sogar eine bessere Leistung erbracht werden.“

    Das ist völlig unbestritten.

    Nur bei den Überlegungen für einen Krankenhausneubau geht es primär nicht um Leistungen, sondern um Kapazität – eine erwartete Auslastung von weniger als 200 Betten (in Baden-Württemberg tatsächlich durchschnittlich 74,5 Prozent im Jahr 2008).

    Das heißt, bei maximal 200 Betten wären durchschnittlich 149 Betten ausgelastet (nach dem Stand des Jahres 2008).

    Diese Zahlen sprechen nur für sich.

  8. Lars sagt:

    Baden-Württemberg

    Die Behandlungstage verringern sich dramatisch.

    Dreiviertel der Betten sind belegt; ein Viertel bleibt leer.

    Und für den Krankenhausstandort Bretten denkt man allen Ernstes über einen Krankenhausneubau nach?

  9. -p-w- sagt:

    Nach dem Statistischen Landesamt in Stuttgart verringerte sich die Zahl der Krankenhausbetten 2008 gegenüber 2007 um 760.

    Die durchschnittliche Verweilduer betrug 2008 8,2 Tage.

    Die durchschnittliche Bettenauslastung 2008 blieb gegenüber 2007 unverändert.

    Seit dem Jahr 1990 nahm die Bettenauslastung von damals 85,3 Prozent auf 74,5 Prozent im Jahr 2008 ab.

    Fazit: Die Zahl der Behandlungstage sank stärker als die Zahl der Krankenhausbetten. Seit 1990 ist die Verweildauer je Patient um 5,3 Tage gesunken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.