Leserbrief : „Die Sorge ist berechtigt“

Der Meinung unseres Oberbürgermeisters, die Bedenken und Forderungen von Seiten der Hebelschule kämen zum jetzigen Zeitpunkt zu früh (siehe Bericht in der Brettener Woche Nr. 1352), kann ich mich nicht anschließen. In der Einladung zur Bürgerversammlung konnte man immerhin lesen: „Diese Pläne und Ziele des Sanierungsgebietes wollen wir in der Bürgerversammlung diskutieren.“ Nach meinem Verständnis ist eine solche Diskussion durchaus der Ort, an dem Bedenken und Forderungen vorgetragen sowie Antworten darauf gegeben werden. Wo denn sonst? Bei späteren Detailplanungen wird es wohl kaum zu weiteren entsprechenden Bürgerversammlungen kommen.

Mir will auch scheinen, dass die von Elternbeirat und der Schulleitung der Hebelschule angesprochenen Probleme durchaus ihre Berechtigung haben. Schließlich soll der Tunnel nach bisherigen Informationen in offener Bauweise zwischen dem im Jahre 2010 seinen hundertsten Geburtstag feiernden Grundschulgebäude und dem 1997 in Dienst genommenen Fachgebäude realisiert werden, und dieses Vorgehen bringt für den Schulbetrieb massive Beeinträchtigungen mit sich.

Da ist zum einen ein sicher nicht auf sechs Wochen Sommerferien zu beschränkender Lärmpegel zu befürchten, der Unterricht in den angrenzenden Schulgebäuden unmöglich machen wird. Nach dem Schulgesetz von Baden-Württemberg befindet sich der Schulträger – in diesem Falle die Stadt Bretten – zusammen mit den Schulaufsichtsbehörden in der Pflicht, seinen Anteil zu einem geordneten Unterricht beizutragen. Da sollte es schon möglich sein, frühzeitig nachzufragen, wie der Schulträger dies im vorliegenden Falle zu leisten gedenkt.

Da ist zum zweiten der Wegfall einer notwendigen Pausenhoffläche während der Bauphase sowie die Unterbrechung der Unterrichtswege zwischen dem Grundschulsowie dem Hauptschulgebäude und den Fachräumen, den Sporthallen sowie der Mensa. Fallen Fachunterricht, Sport und das Mittagessen im Ganztagesbetrieb aus oder wie garantiert man für Schüler/innen sowie das Kollegium sichere und beständige Unterrichtswege?

Berechtigt ist meiner Meinung nach drittens auch die Sorge, dass die massiven Eingriffe in den Untergrund negative Auswirkungen auf die nur wenige Meter entfernten Schulgebäude haben könnten. Man muss ja nicht immer an das Geschehen in Köln denken, aber die Eltern der Hebelschüler/innen haben mit Sicherheit eine Antwort auf die Frage verdient, wie Gefährdungen für ihre Kinder ausgeschlossen werden können. Wenn man sich Zustimmung zur vorgelegten Planung von durch die Ausführung Betroffenen wünscht, darf man die Beantwortung solcher Fragen nicht auf irgendwann später verschieben sondern muss von Anfang an darlegen können, wie man gedenkt, die Hebelschulgebäude und die darin Tätigen zu schützen. Nur Menschen, deren Sorgen man ernst nimmt und ihnen zufrieden stellende Antworten gibt, können zu Verbündeten werden.

Peter Dick
Otto-Hahn-Str. 25/5
75015 Bretten

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1 Antwort zu Leserbrief : „Die Sorge ist berechtigt“

  1. mm sagt:

    genau das charakterisiert das Problem eines kritikunfähigen Narzisten (Das Wort entstammt der altgriechischen Sage vom schönen Jüngling Narkissos, der mit unstillbarer Liebe seinem eigenen Spiegelbild verfallen war) : schon der leiseste Hauch von Kritik, oder auch nur Sorge um eine Entwicklung, wird mit völlig überzogener Reaktion brüsk zurückgewiesen.
    Bisweilen kann man dann allerdings das Klagelied des Narzisten hören, es mangele ihm an Freunden und eben diesen Verbündeten, die, wie der Leserbrief-Schreiber richtig bemerkt, nur der hat, der die Sorgen der Menschen ernst nimmt und ihnen zufrieden stellende Antworten gibt!
    Aber wer über 20 Jahre in den Spiegel geschaut hat…

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