3 Fragen an

… Martin Knecht, Schulleiter der Max-Planck-Realschule Bretten (MPR) zur Diskussion über Schulsozialarbeit auch in Realschulen und Gymnasien.
1.
Sie stellten vor kurzem einen Antrag auf Einstellung eines Schulsozialarbeiters an der Max-Planck-Realschule. Warum sind Sie der Meinung, dass dies notwendig ist?
Knecht: Diesen Antrag stelle ich wiederholt seit drei Jahren. Alle Lehrkräfte und die Schulleitung nehmen täglich ihren Erziehungsauftrag äußerst ernst. Aufgrund der sehr großen Anzahl von Schülern mit zunehmenden Problemen ist uns jedoch eine persönliche Betreuung, eine angemessene Gewaltprophylaxe wie auch eine intensive Nachbehandlung von Vorfällen kaum möglich. Gerade die Vorfälle der letzten Zeit zeigen, wie „Not wendend“ geschulte Fachleute an Schulen sind. An der MPR haben wir das gesamte vergangene Schuljahr Buch geführt und nachweislich dokumentiert, dass pro Woche mindestens vier Zeitstunden zusätzliche „Schulsozialarbeit“ seitens der Lehrerschaft und Schulleitung geleistet werden.

2.
Der Gemeinderat hat in seiner Haushaltsklausur Ihr Ansinnen abgelehnt. Schulsozialarbeit soll es nur in Grund-. Haupt- und Förderschulen geben, hieß es. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?
Es erstaunt mich sehr, dass sich die Zuständigen über den zunehmenden Vandalismus, über Einbrüche und den Werteverfall der Jugend aufregen – wie ich dies den BNN entnehme – und im gleichen Atemzug, sogar auf der gleichen Seite, den Wunsch von Realschule und Gymnasien auf Einstellung von Schulsozialarbeitern „klar ablehnen“. Auch wenn die Förderung des Landkreises keine Schulsozialarbeit an Realschulen und Gymnasien vorsieht, auch wenn die Gelder aus dem europäischen Sozialfonds eingestellt sind, bin ich der festen Überzeugung, dass Land und Kommunen durch professionelle, rechtzeitige Unterstützungsmaßnahmen letztlich mehr Geld einsparen als für eine eventuelle „Nachsorge“ später ausgegeben werden muss. Und letztendlich frage ich mich, ob ein Verkehrskreisel wichtiger sein kann als Schulsozialarbeit?!

3.
Was unternimmt die Schule, um diese Defizite abzufedern?
Es könnte sich die sehr unbequeme Frage ergeben, inwieweit die Vorgaben des Bildungsplanes bezüglich des Erziehungsauftrags und dessen konkrete Umsetzung überhaupt von Interesse sind. Ebenso die Frage, weshalb die Entscheidungsträger nicht bereit sind, in Präventivmaßnahmen zu investieren, sondern mit hohen Geldbeträgen „Nachsorge“ betreiben. Die Schule wird weiterhin ihr Möglichstes leisten – die Grenzen sind bekannt. Wir brauchen Fachleute an der Schule, die nicht nur Pisa-Rankings veranstalten, sondern uns bei der Erziehung zur Menschlichkeit unterstützen.
tk

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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4 Antworten zu 3 Fragen an

  1. rüd./-Weisf. sagt:

    „Betonköpfe“ haben wahrscheinlich eine größere Affinität zu Verkehrskreiseln als zu Schulen. 🙂

  2. Frz. sagt:

    Das erinnert mich auch an die damals berechtigte Forderung nach einem größeren Lehrerzimmer in der hiesigen Max-Planck-Realschule!

  3. Berl. sagt:

    Aber klar doch, weil ein Verkehrskreisel eben was mit buddeln zu tun hat und die Schulsozialarbeit leider nicht!

  4. -A-H. sagt:

    „Und letztendlich frage ich mich, ob ein Verkehrskreisel wichtiger sein kann als Schulsozialarbeit?!“

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