Stinkende, zähe Masse unter dem Pflaster

Teeröl aus dem ehemaligen Gaswerk lagert seit Jahrzehnten im Boden unter dem Hof der Post
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Mehr als 40 Jahre ist es her, dass die Stadtwerke ihren Standort im Westen der Brettener Altstadt aufgaben und ins Ruiter Tal umzogen. Doch die Hinterlassenschaften des einstigen städtischen Gaswerks sorgen noch heute für Ärger. Im Hof des Brettener Postamts, das heute an der Stelle des Gaswerks steht, stieß gestern ein Bagger auf eine zähe, schwarze, stinkene Masse, die knapp einen Meter unter dem Pflasterbelag des Posthofs die Jahrzehnte überdauert hat: Teeröl, ein giftiges und krebserregendes Chemikaliengemisch, das bei der Erzeugung von Leuchtgas aus Steinkohle entsteht, wie der Diplomgeologe Hans-Joachim Fischer bei einem Ortstermin erläuterte.

Altlasten hatte man auf dem ehemaligen Gaswerkareal schon früher vermutet, machte Stadtplaner Ulrich Braun klar. Und deswegen hat die Stadt vor etwa acht Jahren nicht nur Probebohrungen veranlasst, sondern auch das Grundwasser in diesem Bereich beobachten lassen – ohne auffällige Ergebnisse. Dass das Teeröl bei den Probebohrungen unentdeckt blieb, kommt offenbar daher, dass der zähflüssige Brei in einer betonierten Wanne lagert, die bisher dicht gehalten hat.
Wie beim Spiel „Schiffe versenken“ sei das, erklärte Fachmann Fischer: Zwar wurde dicht neben der Wanne gebohrt, man habe den Untergrund regelrecht perforiert. Aber einen Treffer hätte man einen halben Meter daneben gemacht.

Ans Tageslicht kam die ganze Angelegenheit erst, als der Boden kürzlich unter einem rangierenden Lastwagen nachgab. Alte Pläne des Gaswerks liegen zwar vor und sind auch sehr detailliert gezeichnet. Das Problem ist aber, die Pläne und das Gelände zur Übereinstimmung zu bringen. Auch der Einsatz vonGeo-Radar habe nicht viel gebracht, erklärte Joachim Fischer.
Etwa eineinhalb auf drei Meter misst die alte Teergrube, die etwa 80 Zentimeter hoch gefüllt war – so weit die bisherigen Erkenntnisse. Damit wäre der Schaden überschaubar. 295 Euro koste die Entsorgung des Teeröls pro Tonne, hieß es beim gestrigen Ortstermin. Damit wäre auch der finanzielle Schaden überschaubar. Zuständig für die Beseitigung der Altlast ist die Stadt Bretten, der damals auch das Gaswerk gehörte.

„Die Frage ist, gibt es noch mehr Altlasten auf diesem Gelände und wie viel kostet die Entsorgung“, erklärte Oberbürgermeister Paul Metzger beim Ortstermin. Diese Kosten müssten gegebenenfalls in Relation gesetzt werden zu dem Preis, zu dem das Gelände seinerzeit der Bundespost verkauft wurde. „Und dann wollen wir eben das Gelände wieder zurück haben.“ Für die Stadt spiele das Postareal eine Rolle bei der Innenstadtentwicklung, sagte der Oberbürgermeister.

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18 Antworten zu Stinkende, zähe Masse unter dem Pflaster

  1. l-rd sagt:

    Stimmt: Naturschutzkommune 2007. 🙁

    Verliehen von der Deutschen Umwelthilfe! 🙂

  2. Pet. Wag. sagt:

    Vorbildlicher Umweltschutz in Bretten!

  3. BAK sagt:

    siehe dazu auch den Artikel vom 11.6.2008 : Lob für Bodensanierung !?

  4. cl. sagt:

    Das von mm im ersten Absatz des Kommentars am 8.10.08 zitierte „Gefasel“ verstehe wer will!

    Ich jedenfalls nicht!

  5. u/-d sagt:

    Bei dem Zufallsfund bin ich davon nicht unbedingt überzeugt!

  6. ziel-insk. sagt:

    Und ob die Stadtverwaltung Bretten Untersuchungen, Bewertungen und Sanierungen von Altlasten ordnungsgemäß durchgeführt und darüber die Öffentlichkeit informiert hat.

  7. Völl. sagt:

    Ebenso muss die Frage beantwortet werden, ob in den Böden von weiteren stillgelegten Industrieanlagen ähnliches lagert.

  8. pi sagt:

    Giftig und krebserregend:

    Für Mensch und Umwelt daher völlig ungefährlich!

  9. i-L sagt:

    Die Verursachung (Altlast) ist doch dadurch entstanden, dass man mit der Suche nach dem Teeröl ziemlich sorglos umging!

  10. b sagt:

    Eine Antwort auf die Frage ist fällig, ob für die Stadt Bretten das Landes-Bodenschutz- und Altlastengesetz (LBodSchAG) gilt!

  11. ghg sagt:

    Ein ernst zu nehmender Fall für das Landratsamt Karlsruhe:

    Amt für Umwelt und Arbeitsschutz
    Abteilung II – Umwelttechnik
    Sachgebiet Altlasten und Bodenschutz

    und/oder

    für das Regierungspräsidium Karlsruhe

    Abteilung 5 – Umwelt
    Referat 51 Bodenschutz, Altlastenrecht
    Referat 52 Gewässer und Boden

  12. KDV sagt:

    Für mich ist das ein Umweltskandal!

  13. konrd. sagt:

    „Für die Stadt spiele das Postareal eine Rolle bei der Innenstadtentwicklung, sagte der Oberbürgermeister.“

    Ich vermisse seit vielen Jahren eine echte Innenstadtentwicklung und sehe nur entwickelte Rückständigkeit.

  14. xav. sagt:

    Abwarten, was – besonders den Grünen – im Brettener Gemeinderat dazu einfällt.

  15. ness. sagt:

    So sieht also die hochgelobte Entsorgung von Altlasten der Stadt Bretten aus!

  16. -nz- sagt:

    Am besten – das ganze Postamt in den abgeholzten Rüdtwald umsiedeln. Nachdem es heißt:
    „Und dann wollen wir eben das Gelände wieder zurück haben.“

  17. -an-i- sagt:

    Umweltskandal ersten Ranges!

    „…ein giftiges und krebserregendes Chemikaliengemisch,…“
    Wo sind die (auch hochbezahlten) Umweltschützer?

    „Alte Pläne des Gaswerks liegen zwar vor und sind auch sehr detailliert gezeichnet. Das Problem ist aber, die Pläne und das Gelände zur Übereinstimmung zu bringen.“
    Und die Pläne kann keiner lesen bzw. zur Übereinstimmung bringen!?
    Auch nicht Herr Oberbürgermeister
    Paul Metzger?

  18. mm sagt:

    ich verstehe mal wieder den Brettener Vordenker nicht : die Kosten für die Entsorgung der Altlasten auf einem Grundstück, das der Stadt nicht (mehr) gehört, müssen in Relation zu dem Verkaufspreis gesetzt werden „Und dann wollen wir eben das Gelände wieder zurück haben.“
    Wie jetzt : Hurra, wir haben Altlasten gefunden, jetzt kriegen wir das Grundstück wieder zurück und dürfen die Entsorgung zahlen?! „Weil’s Geld da ist“??
    Der Umgang dieses Herrn mit Steuergeld erinnert mich doch sehr an das derzeit in der Diskussion stehende Verhalten der Banker, nach dem Motto : mein Gehalt ist sicher und nach mir die Sintflut.
    Ich bin überzeugt, dass ab 2010 in Bretten noch viele derartige (finanzielle) Altlasten gefunden werden. Ob die auch nur stinken und zäh sind?

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