Tettnang hat Doppik eingeführt
Seit Anfang April gehört auch Tettnang im Bodenseekreis zum illustren Kreis dazu: Die Stadtverwaltung hatte dem Gemeinderat nach zweijähriger Vorarbeit die Eröffnungsbilanz der kommunalen Doppik mit Stand zum 1. Januar 2007 präsentiert. Die stellt erstmals das gesamte Vermögen der Stadt den Schulden gegenüber – und weist ein stattliches „Haben“ von über 143 Millionen Euro aus. Für Bürgermeister Bruno Walter aber kein Grund, die Wasserhähne vergolden zu lassen: Mit der Umstellung auf die Doppik habe die Stadt keinen Cent mehr in der Kasse. Das Vermögen steckt in der Infrastruktur Tettnangs, die die Stadt nicht verkaufen kann – etwa 75 Millionen Euro in Gebäuden und 25 Millionen Euro in den Straßen.
Wie viel das tatsächlich wert ist, lässt sich derzeit kaum einschätzen, denn der Vergleichsmaßstab fehlt. Den Weg von der kameralistischen zur kaufmännischen Buchführung sind bis dato lediglich ein gutes Dutzend Kommunen in Baden-Württemberg gegangen. Statt des gewohnten Haushaltsplanes hat Tettnang jetzt einen so genannten Produktplan. Der unterteilt sich nun nicht mehr in den gewohnten Verwaltungs- und Vermögenshaushalt. Stattdessen sollen der Ergebnisplan (ähnlich der Gewinn- und Verlustrechnung beim Kaufmann), der Finanzplan (bloße Darstellung der Liquidität) und bei der Jahresrechnung ergänzend die Bilanz für mehr „Durchblick“ sorgen, weil „Soll“ und „Haben“ nun direkt miteinander verglichen werden können.
Bei der Einführung und Umsetzung des sogenannten Neuen Kommunalen Haushaltsrechts (NKHR) hatte sich die Stadt für die Mehr-Schritt-Strategie entschieden. Im Jahr 2004 wurde zuerst die interne Organisation der Stadtverwaltung neu strukturiert sowie der erste Produktplan und -haushalt aufgestellt. Im Jahr 2005 erfolgte die erste kamerale Buchung auf Produktsachkonten und im dritten Schritt die endgültige Umstellung auf den doppischen Rechnungsstil zum 1. Januar 2007. Als vorerst letzter Baustein wurde die Eröffnungsbilanz erstellt. In diesem Jahr soll die Kosten- und Leistungsrechnung entsprechend dem neuen Haushaltsrecht ausgebaut werden. Die Stadtverwaltung Tettnang verweist im Vorbericht zum Produktplan explizit darauf, dass sich „durch den Übergang auf einen anderen Rechnungsstil an der finanziellen und wirtschaftlichen Situation der Stadt nichts ändert“. Durch die kaufmännische Buchführung (Doppik) würden weder neue Geldquellen erschlossen noch bestehende finanzielle Belastungen gesenkt.
Der darf dann die Verbindlichkeiten – liest sich besser – gemeint sind die Schulden – übernehmen.
Ich habe schon heute Mitleid mit seinem Nachfolger.
Deshalb sollte man sinnvollerweise eine etwaige Finanz-Kosmetik auf den Zeitpunkt des Ausscheidens von Metzger beenden.
An mm im 1. Kommentar
Aus der Verkündung „Bretten ist reich“ wird nichts.
Das wissen bereits heute die kommunalen Finanzmanager der Stadt Bretten BM Leonhardt und OB Metzger ganz genau.
„Durch den Übergang auf einen anderen Rechnungsstil ändert sich nichts an der finanziellen und wirtschaftlichen Situation der Stadt.“
Fazit: Die Zahlen bleiben – auch nach einer Umstellung in der Großen Kreisstadt Bretten.
„Durch die kaufmännische Buchführung (Doppik) würden weder neue Geldquellen erschlossen noch bestehende finanzielle Belastungen gesenkt.“
wie man hört wird an diesem „Finanz-Doping“ in Bretten bereits heftig gearbeitet. Klar, denn es bietet dem scheidenden OB Metzger die Gelegenheit aus seinem finanziellen Scherbenhaufen eine quasi Goldgrube zu machen. Allerdings nur auf dem Papier : die alten Schulden bleiben, was nutzen auf der Habenseite Straßen, Gehwege, unverkäufliche Wohnungen etc.?
Die Umstellung auf Doppik ist eine Form der Volksverdummung, mit der man der Bevölkerung Sand in die Augen streut um sie über den katastrophalen Schuldenstand der öffentlichen Hand zu täuschen, nicht mehr und nicht weniger.
Das erkennen die „kleinen Könige“ in der Provinz natürlich sofort und ziehen ihren Nutzen daraus. Wer scheidet nicht gerne aus dem Amt und verkündet : Bretten ist reich !!