„University“ geht unters Dach der Volkshochschule

Brettener Studienzentrum der USQ wurde knapp zehn Jahre nach der Vertragsunterzeichnung wieder aufgelöst
Bachelor und Master für deutsche Studenten
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Knapp zehn Jahre nach seiner Gründung ist das „USQ Study-Center“ aufgelöst worden. Die Gesellschafterversammlung der gemeinnützigen GmbH hat dies Ende Februar beschlossen. Die rund 150 Studenten der University auf Southern Queensland, die bisher von dem Study-Center betreut wurden, haben jetzt ihre Ansprechpartner bei der Brettener Volkshochschule, die auch die Beratung neuer Interessenten übernimmt. Das teilte gestern Oberbürgermeister Paul Metzger mit. Der Brettener Gemeinderat hat bereits am 26. Februar in nichtöffentlicher Sitzung einen entsprechenden Beschluss gefasst (siehe Kommentar).

Das nun der VHS Bretten angegliederte „European Study Center“ (die Bezeichnung USQ ist aus dem Namen verschwunden) vertritt außer der University of Southern Queensland zwei weitere australische Hochschulen: die Queensland University of Technology (QUT) und die Charles Sturt University (CSU). Die bisherigen Räume des Studienzentrums in der Carl-Benz-Straße (ehemaliges Fabeg-Gebäude), die die Stadt bei der Kommunalbau GmbH angemietet hatte, werden jetzt nur noch von anderen Einrichtungen wie der Kinderuniversität und der Gründerberatung genutzt, erklärte der Oberbürgermeister.
Die Bemühungen um ein Studienzentrum in Bretten gehen bis ins Jahr 1997 zurück, als neue Studienabschlüsse wie Bachelor und Master immer mehr gefragt, von deutschen Hochschulen aber noch nicht angeboten wurden. Die Stadt Bretten, die University of Southern Queensland, der Landkreis Karlsruhe, die IHK Mittlerer Oberrhein und die Sparkasse Kraichgau gründeten damals das Studienzentrum in Bretten mit dem Ziel, Fern- und Campus-Studium in englischer Sprache für Interessenten aus ganz Europa anzubieten.

Das Study-Center, das zunächst in der Beuttenmüllerstraße untergebracht wurde, hatte die Aufgabe, Studenten zu akquirieren, sie bei der Wahl der Fächer zu beraten und während des Studiums zu betreuen. Dafür durfte sie 40 Prozent der Studiengebühren behalten, die neben Betriebs- und Personalkosten auch für Stipendien ausgegeben werden sollten. Die Stadt Bretten stellte für den Aufbau des Zentrums 3,7 Millionen Mark zur Verfügung. Davon wurde, so Oberbürgermeister Metzger, etwa ein Drittel benötigt.

Die Zahl der von Bretten aus betreuten Studenten stieg zunächst an und erreichte 2004 mit rund 250 ihr Maximum. Für den dann einsetzenden Rückgang werden mehrere Gründe genannt, unter anderem, dass mittlerweile die deutschsprachigen Hochschulen ebenfalls Bachelor- und Masterstudiengänge anboten, und zwar sowohl deutsch wie englisch.
„Trotzdem bleibt ein Studium an einer australischen Universität durchaus interessant“, zeigt sich OB Metzger optimistisch. In Zusammenarbeit mit Fachhochschulen können auf diesem Weg Auslandssemester absolviert werden. Zudem gebe es im Rahmen des „Lebenslangen Lernens“ eine deutliche Nachfrage von Bildungsabschlüssen für Erwachsene.
Die Akquisition und Betreuung von Studenten soll auch Geld in die Stadtkasse spülen. Denn die Volkshochschule bekommt künftig jenen Anteil an den Studiengebühren, den bisher das Study-Center einbehalten durfte. Im vergangenen Jahr seien das rund 100 000 Euro gewesen, berichtete der Oberbürgermeister. Er hofft, das nach Abzug der zusätzlichen Personalkosten in der Volkshochschule jährlich rund 50 000 Euro übrig bleiben, mit denen das VHS-Defizit im städtischen Haushalt reduziert werden könnte.

Ein finanzielles Risiko bestehe jedenfalls nicht, betonte er. Investitionen seien nicht erforderlich und es gebe gute Möglichkeiten, Synergieeffekte zu nutzen. Darüber hinaus bestehe die Chance, Studenten und Absolventen emotional an die Melanchthonstadt zu binden.

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7 Antworten zu „University“ geht unters Dach der Volkshochschule

  1. kord. sagt:

    Fast wie ein Master of Desaster!

  2. mm sagt:

    aber eines muß man der Propaganda-Abteilung im Rathaus Bretten lassen, sie macht selbst aus einer Bauchlandung noch einen Senkrechtstart!

  3. -zuk- sagt:

    „University“ geht unters Dach der Volkshochschule

    Es wurde aber auch höchste Zeit. Wer weiß, wie lange der Brettener Ableger bereits im Regen gestanden ist, weil er dort von den Australiern stehen gelassen wurde.

  4. K-DV sagt:

    Eine gemeinnützige Tätigkeit soll u. a. direkt oder ausschließlich das allgemeine Wohl fördern.

    Kaum vorstellbar, dass Brettener Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen zehn Jahren von dem Study-Center im Sinne des allgemeinen Wohls gefördert wurden.

  5. hjb sagt:

    Nennt man das gemeinnützig, wenn eine Kommune über Jahre hinweg Steuergelder in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gesteckt hat, was ohnehin als freiwillige Aufgabe voll überflüssig war?

  6. pp sagt:

    Mich interessiert keineswegs , wie die Brettener Volkshochschule (VHS) zukünftig alimentiert werden soll.

    Ich würde gern erfahren, wie hoch die Summe der Jahresfehlbeträge des Brettener Studienzentrums der USQ von der Gründung bis zum Geschäftsjahr 2007 gewesen ist.

  7. l-rd sagt:

    „Die Stadt Bretten stellte für den Aufbau des Zentrums 3,7 Millionen Mark zur Verfügung. Davon wurde, so Oberbürgermeister Metzger, etwa ein Drittel benötigt.“

    Nach knapp zehn Jahren spricht Metzger von -„etwa“ – einem Drittel.

    Wie sieht denn bloß die echte Zahl aus, die nach so langer Zeit noch nicht einmal präzise genannt werden kann.

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