Nachlässigkeit kann das Leben kosten

Fünf von acht Unfallopfern in diesem Jahr waren nicht angeschnallt – Polizei setzt auf verstärkte Kontrollen.
Enzkreis – Acht Verkehrstote sind schon einer mehr als im gesamten Jahr 2007 – und es ist noch nicht einmal Frühling. Eine dramatische Unfallserie beschäftigt seit dem Jahresbeginn die Polizei. Was auffällt: Fünf der acht Opfer waren nicht angeschnallt.

VON THOMAS EIER
Auf den Sicherheitsgurt zu verzichten, kostet 30 Euro – oder das Leben. Aus Sicht der Polizei ist es allemal besser, durch verstärkte Kontrollen die Autofahrer zu ihrem Glück zu zwingen, als die massiven Folgen ihrer Nachlässigkeit zu beklagen. „Die Akzeptanz bei den Gurtkontrollen ist sehr hoch, vor allem dann, wenn wir auf die schweren Unfallfolgen verweisen“, berichtet der Polizeisprecher Rüdiger Schroth.

Die Vorwürfe der Abzocke sind im Zusammenhang mit der 1970 für die Vordersitze und 1979 für die Rücksitze eingeführten Gurtpflicht eher die Seltenheit. Gar nicht selten sind dagegen die Verstöße, obwohl sich der Sicherheitsgurt längst als der wichtigste Lebensretter im Auto bewährt hat. Wie die Verkehrsüberwachung der Polizeidirektion Pforzheim ermittelt hat, schnallen sich zwar in der Stadt inzwischen gut 95 Prozent der Autofahrer an, doch sinkt, kaum dass es auf die Landstraße geht, der Anteil auf nur noch 85 Prozent. Auf dem Land, so meint demnach ein Teil der Autofahrer, sei das Risiko, ohne den Sicherheitgurt erwischt und zur Kasse gebeten zu werden, weniger hoch.

Andererseits steigt dank dieser Milchmädchenrechnung das Risiko, im Falle eines Unfalls schwerste Kopf- und Brustverletzungen zu erleiden. Die Unfallserie in diesem Jahr bestätigt diese Erkenntnis:

20. Januar: Bei einem durch die Raserei eines Führerscheinneulings ausgelösten Unfall in Pforzheim verlieren der 18-Jährige und ein 15-jähriger Mitfahrer ihr Leben. Beide waren nicht angeschnallt.
29. Januar: Ein 20-Jähriger stirbt bei der Fahrt von Keltern nach Pforzheim bei einem selbst verschuldeten Frontalzusammenstoß. Er war nicht angeschnallt.

6. März: Auf der Landstraße zwischen Maulbronn und Freudenstein prallt in der Nacht ein 52-Jähriger aus Hohenklingen gegen einen Baum und wird tödlich verletzt. Er war nicht angeschnallt.

9. März: Zwischen Neubärental und Wurmberg prallt ein 67-Jähriger mit seinem Wagen gegen eine Mauer. Das achte Unfallopfer in diesem Jahr – und das fünfte, das nicht angeschnallt war.

Vor allem die beiden Unfälle im März geben hinsichtlich ihrer Ursache einige Rätsel auf. Auch hat nach Einschätzung der Polizei der milde Winter, der zu einer unvorsichtigen Fahrweise verleite, zu der Häufung von schweren Unfällen beigetragen. Andererseits äußerten bei dem Unfall in der vergangenen Woche nahe Freudenstein die Rettungskräfte vor Ort die Meinung, der Sicherheitsgurt hätte dem Mann das Leben retten können, und bei dem Unfall des 67-Jährigen am vergangenen Sonntag erschien die Fahrgastzelle des Wagens weitgehend unversehrt. „Nicht jeder der Unfälle hätte tödlich enden müssen“, bestätigt Polizeisprecher Schroth, ohne sich im Einzelfall festlegen zu wollen.

Als in der vergangenen Woche, nach dem tödlichen Unfall bei Freudenstein, die Polizei im Stadtteil und in Knittlingen eine Gurtkontrolle durchgeführt hat, gingen ihr auf Anhieb knapp 30 „Gurtmuffel“ ins Netz, die jeweils ein Bußgeld von 30 Euro bezahlen mussten. Grundsätzlich stammen die Sünder aus allen Bevölkerungsschichten und aus allen Altersgruppen, wenngleich den Beamten eines auffällt: Ausländer und insbesondere junge Südländer neigen besonders häufig zu Verstößen. Eine Erklärung gibt es auf Anhieb nicht.

Die Polizei rät allen Autofahrern dringend dazu, sich das Motto „Erst klicken, dann starten“, mit dem einst die Einführung des Sicherheitsgurts begleitet wurde, fest zu verinnerlichen. „Wer sich einmal daran gewöhnt hat, wird sich automatisch permanent anschnallen“, weiß Rüdiger Schroth. Ohne den Gurt, warnt er, seien andere Sicherheitssysteme wie der Airbag unwirksam: „Der Gurt ist das A und O.“

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