Polizei verhindert „Krieg“ in Dürrenbüchig

Jugendliche mit Softair-Waffen im Wald unterwegs
„Aus der Distanz kann man nicht sehen, ob die echt sind“
Von unserem Redaktionsmitglied Thilo Kampf
Bretten. Ein seltsames „Kriegsspiel“ konnte die Polizei am Samstagabend in der Nähe von Dürrenbüchig verhindern: Ein Zeuge hatte beobachtet, dass sich in einem Wäldchen im Gewann „Vogelherd“ (zwischen den Stadtteilen Dürrenbüchig und Rinklingen) Jugendliche mit Pistolen und Gewehren tummelten und daraufhin die Polizei verständigt. Als diese eintraf, stellte sich zwar rasch heraus, dass es sich bei den Waffen nur um so genannte Softair-Waffen handelte, mit denen Kügelchen aus Plastik verschossen werden können, doch da die Nachbauten täuschend echt aussahen, konfiszierte sie die Polizei.
Ob es sich bei dem Vorfall um einen Verstoß gegen das Waffengesetz handelt, wird laut Günter Kolb, dem stellvertretenden Leiter des Polizeireviers Bretten, derzeit von Spezialisten in Karlsruhe untersucht. Die jungen Leute selbst behaupteten gegenüber der Polizei, dass die Geschoss-Energie unter dem für das Waffengesetz maßgeblichen Grenzwert (laut OLG Karlsruhe: 0,08 Joule) liege. Die Waffen hätten sie im Internet bestellt, erklärten die 13- bis 16-Jährigen weiter.

Außer den nachgebauten Pistolen, Maschinenpistolen und einer Pump Gun stellten die Beamten Munition, Sprechfunk-Geräte, Pistolenhalfter (Kolb: „Eine echt gute Marke“) und Schutzbrillen sicher. Letztere seien auch deswegen nötig, erklärt Kolb, weil die Plastikkugeln dann gefährlich wären, wenn sie ins Auge gingen. Vor Jahren habe es in Philippsburg einen Fall gegeben, bei der ein Jugendlicher durch ein solches Geschoss erblindet sei.
Gefährlich könnten die Waffen auch dann werden, wenn sie für echt gehalten würden. Kolb: „Man braucht sich nur vorzustellen, dass jemand einen Beamten mit einer solchen Waffe bedroht. Aus der Distanz kann man nämlich nicht erkennen, ob die echt ist oder nicht. Und wenn man dann selbst schießt  …“

Er gehe aber nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass die Jugendlichen „nur spielen“ wollten. „Wir haben früher auch Cowboy und Indianer gespielt, mit Schreckschuss-Pistole und selbst geschnitztem Bogen. Das war normal.“ Wenn das Umfeld stimme, und es sich um zugelassene Spielzeug-Waffen handele, gebe es gegen solche Spiele nichts einzuwenden. Anders sei dies aber, wenn die Jugendlichen beispielsweise in der Schule Probleme hätten und dann möglicherweise mit echt aussehenden Waffen Panik verbreiteten.
Noch in dieser Woche sollen laut Kolb alle Betroffenen und ihre Eltern angehört werden. Der zuständige Jugendsachbearbeiter Hans-Jürgen Zorn hat bereits mit einem Vater eines Jugendlichen gesprochen: „Der hat mir gesagt: ja, ein mulmiges Gefühl hatte ich schon bei der Sache.“ Aber gehandelt habe der Mann nicht.

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