Manchem fehlt das Geld fürs Essen

Gemeinden im Kreis überlegen, wie sie finanzschwachen Ganztagesschülern helfen können
Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller
Ettlingen/Bruchsal/Pfinztal. Auch weiterhin wird es in Baden-Württemberg keine Landeszuschüsse für warme Mittagessen an (Ganztages-)Schulen geben. Entsprechende Anträge von der SPD und den Grünen lehnte der Landtag wie berichtet mit der Regierungsmehrheit von CDU und FPD ab.
Wie sieht es aber vor Ort, an den Schulen aus? Gibt es Bedarf, sozial schwächer gestellte Kinder zu unterstützen, damit sie sich ein regelmäßiges Schulmittagessen leisten können? Die Frage, und zwar nicht nur aus Sicht von Birgit Hasselbach, Schulsozialarbeiterin an der Ettlinger Pestalozzischule, lässt sich allemal mit „Ja“ beantworten. Drei Euro kostet das für alle Ganztagesschüler verbindliche Mittagessen an der Schule. Das Essensgeld soll von den Eltern im Voraus gezahlt werden. Ist das nicht der Fall, steht das jeweilige Kind regelrecht vor verschlossenen Kochtöpfen. „Natürlich schämen sich die Kinder dann. Obwohl sie ja gar nichts dafür können“, meint die Schulsozialarbeiterin. Die Schule selbst versuche dann, die Situation „intern“ aufzufangen.

Mittlerweile setzt sich auch der Ettlinger Gemeinderat damit auseinander. Dem Rat liegt ein Antrag der Grünen vor, Kindern aus Familien mit geringerem Einkommen oder deren Eltern Hartz IV beziehen, einen Zuschuss zum Essen zu gewähren. Beraten werden soll nun über die Zuschusshöhe und Zuschusskriterien. „Ich denke schon, dass wir eine Regelung brauchen. Von den drei Euro könnte beispielsweise der Schulträger, also die Stadt, zwei Euro übernehmen. Darüber muss aber endgültig der Gemeinderat entscheiden“, berichtet Henrik Bubel, Leiter des Amtes für Bildung und Weiterbildung (sh. Kommentar).
Einen Schritt weiter ist Bruchsal. Drei Euro kostet das ebenfalls verbindliche Mittagessen für Ganztagesschüler an der Konrad-Adenauer-Schule. Ohne dieses Mittagessen, und das gilt für etliche Kinder und Jugendliche, würde so mancher Schüler den Tag, ja sogar die Woche über keine warme Mahlzeit bekommen. Vermehrt kam es in Bruchsal vor, dass Eltern die Rechnung fürs Mittagessen nicht bezahlen konnten. „Wir haben zunächst einmal mit den Eltern darüber gesprochen, warum sie das Geld fürs Mittagessen ihrer Kinder nicht aufbringen können“, erzählt Schulleiter Raimund Glastetter.
Liegen tatsächlich nachvollziehbare Gründe vor, reagiert die Schule recht schnell und unbürokratisch. Grünes Licht dafür bekam sie von der Stadt Bruchsal. Der Zuschuss selbst beträgt einen Euro pro Essen und Kind. Von den 200 Ganztagesschülern seien davon circa 40 Schüler betroffen, sagt Rektor Glastetter.

Kein Thema, bisher wenigstens, sind Zuschüsse fürs Mittagessen in Pfinztal. 3,40 kostet dort die Mahlzeit. Die Teilnahme daran ist allerdings frei. Von „indirekten Zuschüssen“ spricht Hauptamtsleiter Wolfgang Kröner. So übernimmt die Gemeinde, das gilt übrigens auch für Bruchsal und Ettlingen, unter anderem die Kosten für Strom und Wasser.

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5 Antworten zu Manchem fehlt das Geld fürs Essen

  1. -el- sagt:

    Zum 4. Kommentar Ro.St.
    Bedingungsloses Grundeinkommen für ALLE fordert auch Götz W. Werner, Chef der DM-Märkte – ein Unternehmer!
    Also kann diese Vorstellung nicht so falsch sein.
    Gefühlsmäßig arbeiten die Politiker leider gegen die Vernunft, weil sie wohl (zu Recht?) meinen, dass man sie sonst nicht brauchen könnte.

  2. Ro. St. sagt:

    Nicht staatliche Schulspeisungen allein lösen das Problem der Kinderarmut, sondern eine starke Erhöhung des Kindergeldes kann es lösen.
    Dann könnten die Kinderfreibeträge komplett abgeschafft werden. Damit wären wir faktisch bei einem bedingungslosen Grundeinkommen für Kinder.

  3. jos.pr. sagt:

    Seit Jahren ist bekannt, dass Kinder in unserer reichen Gesellschaft ein Armutsrisiko sind.

  4. osk. sagt:

    Eine Beschämung für unsere Gesellschaft, dass fehlendes Geld für ein Mittagessen in den Schulen überhaupt thematisiert werden muss.

  5. mm sagt:

    als es um die Förderung, bzw. Zuschüsse für die Einrichtung der Ganztagesschulen ging, war Bretten ganz vorne mit dabei. Gut so, aber wie steht es jetzt mit dem „wirklichen“ Engagement für diese Einrichtung ?

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