Schwerer Schlag für Tourismusverein

Von Alexander Hettich und Herbert Kaletta
Der Verein Kraichgau-Stromberg-Tourismus (KST) steht mehr denn je vor einer Zerreißprobe: Sinsheim will seine touristischen Trümpfe selbst vermarkten und hat seine Mitgliedschaft zum Jahresende gekündigt. In den Zabergäu-Gemeinden Cleebronn, Güglingen und Pfaffenhofen stehen die Zeichen ebenfalls auf Abschied. Mit einer Umstrukturierung hofft KST-Chef Paul Metzger, die Abtrünnigen bei der Stange zu halten. Zumindest im Falle Sinsheims scheint ein Rücktritt vom Austritt denkbar.

Neues Stadion, neues Selbstbewusstsein. Mit der Arena für die Zweitliga-Kicker von 1899 Hoffenheim gewinne Sinsheim „ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal“, findet Rolf Geinert. „Sinsheim“, so der Oberbürgermeister, „will nicht mehr einer unter vielen sein.“ Stattdessen probt die Stadt den Marketing-Alleingang. Sie spart damit jährlich rund 30 000 Euro an Beiträgen.

Für die KST und ihren Vorsitzenden Paul Metzger ist der Abschied der „Kraichgau-Metropole“ ein schwerer Schlag. Brettens OB stimmt aber versöhnliche Töne an. Ein Modell: Der Verein KST wird in eine GmbH umgewandelt. Von einer „guten Grundlage für weitere Verhandlungen“ spricht Sinsheims Rathauschef Geinert. Er bescheinigt KST „tolle Arbeit“ und betont: „Die Tür ist nicht endgültig zu.“

Metzgers Kritik an TG Mit der GmbH-Idee, so Metzgers Vorstellung, könnte auch die Zusammenarbeit mit dem Neckar-Zaber-Tourismus auf neue Füße gestellt werden. Im Zabergäu rumort es, seit die Heilbronner Landkreisgemeinden der neu gegründeten Touristikgemeinschaft (TG) Heilbronner Land beigetreten sind. Metzger hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die TG als unliebsame Konkurrenz betrachtet, die die Landschaftsmarke Kraichgau-Stromberg gefährde.

Die KST-Mitgliedskommunen im Landkreis Heilbronn wiederum fragen sich, ob sie touristisch unter doppelter Flagge segeln müssen. Lauffen und Nordheim haben dem Kraichgau-Stromberg bereits den Rücken gekehrt, nun setzen drei Zabergäu-Gemeinden allein auf die Karte Heilbronner Land. In Cleebronn ist es bereits vom Rat beschlossene Sache, in Güglingen und Pfaffenhofen haben die Bürgermeister vorsorglich auf Ende 2008 gekündigt. Die endgültige Entscheidung der Gemeinderäte wird Ende Februar erwartet. Somit blieben im Zabergäu nur noch Brackenheim und Zaberfeld. Beide wollen in der KST bleiben. Brackenheims Stadtchef Rolf Kieser sagt aber auch, dass eine Mitgliedschaft der Gruppe Neckar-Zaber-Tourismus zu ermäßigten Konditionen richtig wäre.

„Unsere Zukunft sehen wir in der Basisorganisation Neckar-Zaber-Tourismus und in der Dachorganisation TG Heilbronner Land“, erklärt Cleebronns Bürgermeister Thomas Vogl. Er verhehlt nicht, dass auch Metzgers „unglückliches Verhalten“ ein Argument war. Brettens OB hatte zunächst gedroht, keine Doppelmitgliedschaften in der TG Heilbronner Land und Kraichgau-Stromberg zuzulassen. „Da stellt sich schon die Frage, wie geht man mit den Mitgliedern um“, denkt Vogl. Die finanzielle Doppelbelastung sei nachrangig gewesen.

Ermäßigung? Das sieht man in Güglingen und Pfaffenhofen anders. Hier pocht man wegen der Doppelmitgliedschaft und der Basisarbeit von Neckar-Zaber-Tourismus auf einen ermäßigten Beitrag. „Es geht nicht, dass wir den normalen Satz bezahlen, obwohl wir mit dem Neckar-Zaber-Tourismus eigene Leistungen erbringen“, sagt Pfaffenhofens Schultes Dieter Böhringer. Ähnlich argumentiert Güglingens Stadtchef Klaus Dieterich. Obwohl er, wie auch Böhringer, „nicht unzufrieden mit der Arbeit von Kraichgau-Stromberg war“, dürfte ohne Entgegenkommen im finanziellen Bereich, das Paul Metzger jetzt über das GmbH-Modell andeutet, das Tischtuch zerschnitten sein. „Mitglied bei zwei Dachorganisationen zu sein, macht unter diesen Umständen keinen Sinn“, betont Dieterich. Zumal er bei der TG Heilbronner Land „gute Entwicklung“ sieht.

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3 Antworten zu Schwerer Schlag für Tourismusverein

  1. -Isid. sagt:

    Liebe(r) mm im 2. Kommentar

    Der Chef einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) hat den Titel „Geschäftsführer“.
    Der Chef einer Aktiengesellschaft (AG) ist der von Ihnen so bezeichnete „Vorstandsvorsitzende“.
    Klar doch, dass die Anrede Herr Vorstandsvorsitzender besser klingt als Herr Geschäftsführer. Und in der Visitenkarte hinterläßt es einen wesentlich stärkeren Eindruck.

  2. mm sagt:

    der Wahrheitsgehalt der Presseartikel scheint umgekehrt proportional zur Entfernung vom Wohnsitz des Herrn Metzger zuzunehmen. Sein „unglückliches Verhalten“ will er jetzt wohl mit einer GmbH, in der er natürlich Vorstandsvorsitzender wird, wieder wett machen, bzw. den Umlandgemeinden seine KST nochmal schmackhaft machen. Aber sich freiwillig mit Herrn Metzger an einen Tisch zu setzen, scheint unter seinen Kollegen nicht mehr sehr populär zu sein ?!

  3. u/-d sagt:

    An wem reibt man sich?
    Der Bericht hat die Ursachen für die Zerreißprobe klar herausgearbeitet.

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