Kernkraftgegner fordern weitere Untersuchungen

Bürgerinitiative Philippsburg gegen das atomare Zwischenlager fürchtet erhöhtes Krebsrisiko in Reaktornähe
Podiumsdiskussion ist Ende Februar geplant
Philippsburg (ti). Sie sind in Sorge. Und sie wollen Antworten: „Macht Kernkraft krank?“ fragen die Mitglieder der Bürgerinitiative Philippsburg gegen das atomare Zwischenlager (BIP) – die sich in ihrer Angst bestätigt sehen, nachdem im Dezember eine Studie bekannt wurde, der zu Folge die Häufigkeit insbesondere von Leukämie-Erkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zu Kernreaktoren zunehme. Ein Ergebnis, das damals aufschreckte – und die Aktiven bis heute beunruhigt: „Wir können doch nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren“, sagt jetzt BIP-Sprecher Bernd Haffner.
Die Forscher sprachen bei der Präsentation von einer statistischen Häufung – jedoch nicht von einer Kausalität: Aus den Ergebnissen kann kein Ursachenzusammenhang abgeleitet werden, heißt es in Erklärungen der Autoren und auch in einer Stellungnahme von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Aussagen, auf die auch das Deutsche Atomforum sowie die Energie Baden-Württemberg (EnBW) als Betreiber des Kraftwerks Phillipsburg verweisen – und die die BIP dennoch kaum überzeugen: Er sei sicher, dass hier ein bisher noch nicht erforschter physikalischer Effekt vorliege – und es durchaus eine Kausalität gebe, erklärt Haffner.

Die im Jahr 2 000 gegründete und derzeit rund 100 Mitglieder starke Bewegung fordere ebenso wie eine befreundete und etwa gleich große Initiative auf der anderen Rheinseite weitere und „vor allem grundlegende Ursachenforschung“, erklärt Haffner, der – selbst Vater zweier Töchter – und in großer Sorge ist: Es gehe um die Gesundheit von Menschen, „die lässt sich auch nicht mit Gewerbesteuerzahlungen oder Arbeitsplätzen aufwiegen“, sagt der Physiker, der mit seinen BIP-Mitstreitern vor einigen Jahren eine eigene – nicht repräsentative – Erhebung organisiert hat: „Wir haben damals Fragebogen an alle Haushalte verteilt“, erinnert er sich heute. Auch damals seien dabei einige Krebsfälle gemeldet worden.

Mit den jetzt bekannt gewordenen Ergebnissen sehe er sich bestätigt. Alarmierend seien die Zahlen, die die Mainzer Forscher vorgelegt haben: 37 Leukämiefälle bei Kinder unter fünf Jahren registrierten diese in einem Radius von jeweils fünf Kilometern um die insgesamt 16 Atomkraftwerksstandorte – im allgemeinen Bundesschnitt wären der Statistik zufolge 20 zu erwarten gewesen. Wirklich überraschen konnte dies die Mitglieder der BIP nicht: „Bei uns melden sich seit Jahren immer wieder betroffene Familien, die von Krebsfällen bei Kindern berichten“, sagt Haffner.

Einige kämen direkt aus Philippsburg, andere aus umliegenden Städten und Gemeinden. Aus Waghäusel, aus Karlsdorf oder Speyer etwa. „Auch die Verantwortlichen in diesen Kommunen sollten die Verantwortung für ihre Bürger übernehmen und Aufklärung einfordern“, erklärt die Initiative, die in wenigen Wochen eine Podiumsdiskussion veranstalten will, an der auch Forscher teilnehmen sollen, die an der Studie mitgearbeitet haben.

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