Eigenwerbung mit stillem Örtchen

Seit vier Jahren gibt es die Initiative „Nette Toilette“ / Sechs Gaststätten beteiligt
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Schultz
Bretten. Ein dringendes Bedürfnis auf dem Weihnachtsmarkt stellt sich ein. Aber wohin in der Brettener Innenstadt, um seine Notdurft zu verrichten. Ein generelles Problem – und nicht nur in den Wochen des Weihnachtsmarktes. Um die Versorgung mit Toiletten ist es in der Innenstadt eigentlich gut bestellt. Am Marktplatz gibt es eine öffentliche WC-Anlage, außerdem beteiligen sich mehrere Gaststätten an der Aktion „Nette Toilette“, wo Geplagte schnell austreten können.
Nachdem ein akuter Mangel an öffentlichen Stillen Örtchen auf dem Weihnachtsmarkt rund um den Hundlesbrunnen beklagt wurde, handelte man in der Rathausverwaltung und veranlasste, dass zwei mobile Toilettenhäuschen am Gottesackertor aufgestellt wurden, damit sich dort Besucher erleichtern können. Mit dem Abbau der Buden verschwinden die beiden Toiletten wieder aus der Fußgängerzone.

Seit vier Jahren gibt es die „Nette Toilette“, eine Initiative Brettener Gastronomen und der Stadt. Übrigens: kostenlos für Personen – auch wenn sie nichts in den teilnehmenden Lokalen konsumieren. Insgesamt sechsmal findet man das Zeichen vor Gaststätten. Die Toilettenbenutzung ist gratis im Eiscafé Pierod, im „Schweizer Hof“, im „Michaeli Bräu“, im „Brauhaus Löwenhof“ und in der „Stadt Pforzheim“. Vor gut einem Jahr schloss sich das „Alte Rathaus“ der Initiative an.
Es gibt außerdem drei öffentliche Toiletten: im Rathaus Bretten während der Öffnungszeiten des Bürgerservices, am Marktplatz (von 8 bis 18.30 Uhr; über die Sommermonate bis 21.30 Uhr) und beim Bahnhof (durchgehend geöffnet), heißt es auf der Internetseite der Stadt Bretten.

„Die meisten Leute fragen höflich, ob sie auf die Toilette dürfen“, weiß Thomas Dembski vom „Alten Rathaus“. Manchmal stürmten ganze Busladungen mit Besuchern herein. Vor allem in den Sommermonaten. Extrem werde es an den Tagen des Weinfestes, schildert Dembski weiter, obwohl „wir keinen eigenen Stand auf dem Marktplatz betreiben“. „Unsere Toiletten werden fast belagert von Weinfestbesuchern. Oft sehen die Toiletten danach katastrophal aus. Gebrauchte Papiertücher sind verstreut, Seifenspender leer und ramponiert. Ich könnte noch mehr erzählen, aber dann wird’s unappetitlich.“ Das Problem sei, dass die Standbetreiber keine Toiletten nachweisen müssen. „Und die öffentliche Toilette am Marktplatz kann man ja niemandem zumuten, so wie sie sich präsentiert“, meint der Wirt.

Die Stadt überweist für die kostenlose Toilettenbenutzung jährlich 2 200 Euro an die Betriebe. Zwischen 300 und 400 Euro gibt es für jeden der sechs Gastronomen. „Das Geld, das die Stadt bezahlt, reicht zur Deckung der zusätzlich Kosten für Reinigung, Toilettenpapier und Wasser nicht aus. Wir erhoffen uns jedoch, dass der eine oder andere Toilettengänger als Gast bleibt oder sich an den netten Service erinnert und als Gast wiederkommt“, sagt Stefanie Roth, Pächterin des „Schweizer Hof“. Sie fügt hinzu: „Ich denke dabei auch an kleine Kinder, denen es nicht zugemutet werden kann, eine öffentliche Toilette aufzusuchen.“
Info
Mehr zur Initiative „Netten Toilette“ im Internet unter www.bretten.de, Stichwort: Tourismus.

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3 Antworten zu Eigenwerbung mit stillem Örtchen

  1. -p-w- sagt:

    Toilettenbenutzungsgebühren wären in diesem Zusammenhang zusätzliche Einnahmen – geeignet zum Schuldenabbau bei der Stadt Bretten.

  2. Zumb. sagt:

    Die Stadt Bretten tut halt was (in Form von Geld- und Sachwerten) für die Daseinsvorsorge von Einheimischen und Besuchern.

  3. mm sagt:

    Bretten wird seiner Rolle als „Mittelzentrum“ eben gerecht, auch wenn es nur um „stille Örtchen“ geht! Unbestreitbar ein gewichtiges Argument der Tourismus-Werbung der Kraichgau-Stromberg-Tourismus GmbH&Co KG. Man findet zwar sonst kaum noch ein „“stilles Örtchen“ im Stadtgebiet, aber falls nötig …. nette Toilette. Ich erinnere mich auch noch gut an die GR-Sitzung zum Thema, lebhaft wie selten wurde debattiert. Endlich mal ein Thema, bei dem jeder mitreden konnte, ob schwarz, rot, gelb, grün oder farblos, die nette Toilette verbindet, sie hat integrativen Charakter !
    Vielleicht sollte man eine der nächsten „Sitzungen“ gleich dort abhalten ?!

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