Bäume erholen sich nur langsam vom Trockenjahr 2003
Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Voigt
Stuttgart. Der Wald im Südwesten hat das extreme Trockenjahr 2003 noch immer nicht überwunden. Das geht aus dem aktuellen Waldzustandsbericht hervor, den Ministerpräsident Günther Oettinger und Agrarminister Peter Hauk (beide CDU) vorgestellt haben.
40,2 Prozent der Forsten sind demnach deutlich geschädigt. Das sind knapp fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Dennoch besteht laut Forstminister kein Grund zur Entwarnung. „Der Patient Wald hat noch immer ein hohes Schaden-Niveau“, erklärte Hauk, der selbst Forstwissenschaftler ist.
Vor allem die günstigen Witterungsbedingungen des vergangenen Sommers mit milden Temperaturen und häufigem Regen haben dem Wald geholfen. Nach Einschätzung Hauks gibt es jedoch keinen Zweifel daran, dass es die Wälder angesichts des voranschreitenden Klimawandels künftig wieder schwerer haben werden. Lange Trockenperioden und Hitze-Extreme machten die Bäume anfälliger für Luftschadstoffe und Insekten. Am häufigsten geschädigt ist die Eiche mit einem mittleren Blattverlust von mehr als 33 Prozent. Vor allem blattfressende Raupen haben den Eichen im Land zugesetzt. Dagegen hat sich die Buche erholt. Nur geringfügig verbessert hat sich laut Waldzustandsbericht die Situation bei Tanne und Fichte. Dabei ist die Tanne die einzige Baumart, die von dem extrem trockenen Jahr 2003 bis heute nicht erkennbar beeinträchtigt war. Nach Ansicht der Forstexperten sind die konsequente Förderung von Mischwäldern, eine intensive Waldpflege und Bodenschutzkalkungen die richtige Antwort auf die kritische Lage der Wälder.
Langfristig entscheidend sei jedoch ein effektiver Klimaschutz, betonte Hauk. Ein Plädoyer für den Einsatz erneuerbarer Energien legte angesichts der Waldschäden Ministerpräsident Oettinger ab. Auch hier komme der Holzwirtschaft eine wichtige Rolle zu. Rund zwölf Prozent betrage gegenwärtig der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung. Bis 2020 solle jede fünfte Kilowattstunde mit erneuerbaren Energien erzeugt werden.
Der Forstwissenschaftler Hauk betont: „Vor allem blattfressende Raupen haben den Eichen im Land zugesetzt.“
Der Wald hat schon immer unter Schadinsekten leiden müssen. Diese sind ein Naturfaktor, den die Wälder jahrtausendelang überstanden haben. Schlimmer als Raupen sind aber flächengierige Oberbürgermeister, die Wald unwiederbringlich vernichten.
Es ist verständlich, wenn Agrarminister Peter Hauk (CDU) diese „kommunale Raupenplage“ im Waldzustandsbericht nicht erwähnt, weil er die Pläne zur Rodung des Brettener Rüdtwaldes von Anfang an unterstützt hat!
Nicht nur der Klimawandel ist zu nennen, es gibt noch eine Stadt, die im Jahr 2007, trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse, Wald zerstört. Genau der Wald, der hier gemeint ist, der Rüdtwald, hätte aber trockenen Sommern widerstehen können, stand er doch auf einem ganzjährig feuchten Untergrund.
Solange die Zukunft unserer Wälder und damit die Zukunft unseres Klimas und der Umwelt, in Händen von Provinzfürsten liegen, die nicht über ihren Tellerrand schauen wollen oder können, denen „nach mir die Sintflut“ Programm ist, solange werden wir (mitverantwortliche) Zeugen sein, wie unsere Lebensgrundlage auf diesem Planeten schwindet.